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Vier Tote, 20 Verletzte: Terror-Tag in London: "Das ist alles so schrecklich"

Viel Blut und bewegungslose Körper: Am Abend ist immer noch nicht sicher, ob sich mitten im Zentrum Londons eine Terrorattacke ereignet hat. Scotland Yard geht davon aus. Vier Menschen sterben, etliche werden teils sehr ernst verletzt. London steht unter Schock.

Wer sich täglich durch die Menschenmengen in London quält, hatte davor schon lange Angst: Was wäre, wenn sich mitten im Zentrum eine Terrorattacke ereignet? Am Mittwoch war es soweit - genau vor dem Parlament und auf einer nahen Brücke. Ganz in der Nähe von Touristenattraktionen. Die Bilanz des Blutbads: mindestens vier Tote und etwa 40 Verletzte, wie ein Scotland-Yard-Sprecher mitteilte.

Eine Messerattacke, Schüsse, ein Auto, das in Fußgänger raste. Menschen lagen bewegungslos auf dem Boden, Schwerverletzte. Unter den Toten war auch der Angreifer, wohl ein Einzeltäter, heißt es auch am Abend noch. Er soll sein Fahrzeug als Mordwaffe genutzt und dann einen Polizisten mit einem Messer attackiert haben. Der Polizist hat nicht überlebt. Premierministerin Theresa May bezeichnete die Tat am Abend als "krank und verdorben". Noch später spricht die Polizei von einer Tat mit Bezug zum islamistischen Terrorismus.

"Dann hörten wir drei Schüsse"

"Das ist alles so schrecklich", sagte eine schockierte Frau an einem Absperrband. "Da sagen die Leute: Haltet euch lieber nur in sicheren Gegenden auf. Und dann sterben Menschen ausgerechnet auf einer Brücke." Mit ihrem Mann ist die Engländerin nach London zu einem Theaterbesuch gefahren. "Wir haben nur kurze Zeit später mit dem Bus die Parallelbrücke über die Themse überquert", berichtete die Frau.

"Wir waren gerade dabei, Fotos vom Big Ben zu machen, als alle anfingen zu rennen", erzählt die Augenzeugin Jayne Wilkinson der britischen Agentur Press Association. "Wir haben dann einen Mann gesehen, der ein etwa 20 Zentimeter langes Messer trug. Dann hörten wir drei Schüsse. Wir überquerten die Straße und sahen den Mann in seinem Blut am Boden liegen." Informationen über den mutmaßlichen Täter dringen bis zum Abend nicht an die Öffentlichkeit. Die Polizei gibt lediglich bekannt, dass sie zu wissen glaubt, wer der Täter ist.

Hunderte von Menschen wurden aus dem Parlament gebracht, darunter viele Kinder, die das altehrwürdige Gebäude besucht hatten. 90 Minuten dauerte es nach Polizeiangaben, bis das Gebäude leer war.

"Ich habe in einem Gebäude ganz in der Nähe für meine Arbeit recherchiert. Sofort wurde alles abgeschlossen, da kam niemand mehr rein noch raus", sagte Jacob Turner, ein junger Rechtsanwalt. Er habe gesehen, wie ein Rettungshubschrauber gelandet sei.


Lage in London lange Zeit unübersichtlich

Die Lage war zunächst völlig unübersichtlich. Hubschrauber dröhnten über dem Parlamentsgebäude, das an der Themse liegt. Polizisten jagten Fußgänger fort, das betroffene Areal samt Parlament wurde evakuiert. Rettungskräfte und Passanten kümmerten sich um die Opfer.

"Wir behandeln dies als einen terroristischen Vorfall, bis wir etwas anderes wissen", so Scotland Yard. "Meiden Sie den Parlamentsplatz, Whitehall, Westminster und Lambeth Bridge, Victoria Station bis zur Kreuzung Broadway und Victoria Embankment." Ein großes Areal.

Einige U-Bahnhöfe wurden zeitweise geschlossen; Touristengruppen saßen im Untergrund fest. Auch im berühmten Riesenrad London Eye steckten Menschen vorübergehend fest - mit Blick auf den Tatort. Hunderte harrten stundenlang in der Westminster Abbey aus. Nach der Tat beim Parlament waren sie in die Kirche in Sicherheit gebracht worden; erst am Abend verließen sie nach und nach das berühmte Kirchengebäude.

London: Schüsse am Parlament - Polizei spricht von Terror
Sanitäter versorgen auf dem Boden liegende Verletzte in London.

Sanitäter versorgen auf dem Boden liegende Verletzte in London.


Attacke am Jahrestag des Anschlags von Brüssel

Die Polizei rief Zeugen auf, ihre Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Gleichzeitig rief sie zur Zurückhaltung auf und bat darum, keine Bilder und Videos von Opfern in Umlauf zu bringen.

Gibt es einen Zusammenhang mit einem anderen Blutbad? Die Angriffe in London wurden auf den Tag genau ein Jahr nach islamistischen Attacken in Brüssel verübt. Am 22. März 2016 rissen drei Selbstmordattentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in der U-Bahnstation Maelbeek im Europaviertel 32 Menschen mit in den Tod.

Der letzte große Terroranschlag in London ist fast zwölf Jahre her. Damals zündeten vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen starben. 

dho/Silvia Kusidlo/Alice Ritchie / DPA / AFP