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Terroranschlag auf Moskauer Flughafen: Frau soll Blutbad verübt haben

Nach dem Bombenanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo verdichten sich die Anzeichen, dass der Terrorakt von einer Frau verübt worden ist. Unter den Opfern ist auch ein Deutscher aus Köln.

Der mutmaßliche Selbstmordanschlag im Moskauer Flughafen Domodedowo wurde möglicherweise von einer Attentäterin und einem Komplizen verübt. Die Explosion habe sich in einem Moment ereignet, als eine Frau in Begleitung eines Mannes ihre Tasche geöffnet habe, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf Polizeikreise. Die Art des Anschlags entspreche der üblichen Vorgehensweise von Attentätern aus dem Nordkaukasus.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew bezeichnete das Unglück als "Terrorakt" und forderte die Entlassung des Sicherheitschefs des Flughafenbetreibers. Es müsse "eindeutig Sicherheitslücken" gegeben haben, um "eine solch große Sprengstoffmenge" in den Flughafen zu bringen, wurde Medwedew von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Jeder, der in Domodedowo Entscheidungen getroffen habe, müsse sich seiner Verantwortung stellen. Auch das Nationale Anti-Terror-Komitee hatte zuvor die Flughafenleitung kritisiert.

Toter Deutscher war auf Dienstreise in Moskau

Bei dem Anschlag waren am Montag mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert weitere verletzt worden. Die Explosion ereignete sich in der Ankunftshalle des internationalen Terminals. Berichten zufolge sollen fünf bis sechs Kilogramm Sprengstoff detoniert sein.

Unter den Todesopfern des Terroranschlags ist auch ein Deutscher aus Köln. Sein Arbeitgeber, das Remscheider Heiztechnikunternehmen Vaillant, bestätigte den Todesfall am Dienstag. "Wir wurden vom BKA darüber informiert", sagte ein Vaillant-Sprecher. Der Mitarbeiter habe als Logisitikspezialist gearbeitet und sich auf einer Dienstreise nach Moskau befunden. Sein Chauffeur hatte den Mann am Montag nach dem Anschlag leblos in der Ankunftshalle gesehen. Nach russischen Medienberichten ist unter Verletzten auch eine deutsche Frau, die im Krankenhaus behandelt wird.

Das russische Zivilschutzministerium veröffentlichte die Namen der bereits identifizierten Todesopfer auf seiner Internetseite. Demnach starben acht Ausländer, darunter zwei Briten und ein Bulgare. Die Moskauer Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" publizierte eine Namensliste mit Geburtsjahr und Staatsangehörigkeit unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Verschärfte Kontrollen am Flughafen

Die Identifizierung der Leichen sei schwierig, weil viele Menschen von der Druckwelle der Bombe und durch umher fliegende Metallteile des Sprengsatzes zerrissen worden seien, sagten Ärzte in Moskau. Zahlreiche Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr.

In Domodedowo, wo der Flugbetrieb wieder weitgehend normal läuft, legten Passanten Nelken nieder, der Anschlagsort selbst ist mit Sperrbändern abgeriegelt. Einheiten der Sonderpolizei Omon liefen verstärkt Streife. Strenger als sonst mussten die ankommenden Reisenden schon beim Betreten des Flughafengebäudes ihre Taschen zur Kontrolle auf Laufbänder legen und durchleuchten lassen.

Präsident Medwedew wollte auf einer Sitzung am Dienstag mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB die Gefahrenlage im Land ausloten. Zuvor hatte er auf Bahnhöfen und Flughäfen sowie an weiteren Verkehrsknotenpunkten eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet.

Die Stimmung in der russischen Zehn-Millionen-Stadt war insgesamt ruhig. Größere Kontrollen oder auffällige Einschränkungen waren nicht zu beobachten. Auch in der Metro, die im vergangenen Frühjahr Ziel eines schweren Anschlags war, gab es keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen als an anderen Tagen.

Die Spur soll in den Nordkaukasus führen

Die Behörden vermuten nach eigenen Angaben, dass Terroristen aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken. Medien zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau.

In der Krisenregion, wo auch das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien liegt, kämpfen Islamisten um Unabhängigkeit von Moskau. Sie hatten immer wieder gedroht, den Terror ins russische Kernland zu tragen. Zuletzt kamen bei einem Doppelanschlag auf die Moskauer Metro Ende März vorigen Jahres 40 Menschen ums Leben.

kng/AFP/DPA / DPA