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Lage in Afghanistan Merkel bittet Putin um Unterstützung bei Evakuierungen aus Kabul

Auf goldenen geschnitzten Sesseln mit lindgrünen Polstern sitzen eine Frau in blauem Blazer und ein Mann in schwarzem Anzug
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin bei ihrem wohl letzten Zusammentreffen, bevor Merkel aus dem Amt scheidet
© Evgeny Odinokov/Pool Sputnik Kremlin/AP / DPA
Die Entwicklungen nach der Machtübernahme der Taliban im stern-Ticker zur Lage in Afghanistan.

Inhaltsverzeichnis

Die News zur Lage in Afghanistan: 

23.02 Uhr: Bundeswehr evakuiert weitere 172 Schutzbedürftige aus Kabul

Die Bundeswehr hat weitere deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul evakuiert. In der Nacht zu Samstag startete in der afghanischen Hauptstadt eine Militärmaschine vom Typ A400M "mit 172 schutzbedürftigen Personen an Bord nach Taschkent in Usbekistan", twitterte die Bundeswehr. Damit hätten die Flugzeuge der Bundeswehr inzwischen mehr als 1800 Menschen ausgeflogen. Mehrere Militärtransporter der Bundeswehr pendeln zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent, von wo aus die Evakuierten ihren Weiterflug nach Deutschland antreten sollen.

20 Uhr: Nato plant Aufnahmelager für ausgeflogene afghanische Helfer

Die Nato plant die Einrichtung von Aufnahmelagern für ausgeflogene afghanische Helfer. "Wir diskutieren unterschiedliche Orte für die vorübergehende Unterbringung von Afghanen", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg nach Beratungen der Außenminister der Bündnisstaaten. Mehrere Alliierte hätten zudem bereits ihre Bereitschaft signalisiert, auch längerfristig frühere afghanische Helfer der Nato aufzunehmen.

Nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wird bereits jetzt der riesige US-Militärstützpunkt im pfälzischen Ramstein als Drehkreuz für die Evakuierung von Schutzsuchenden aus Afghanistan genutzt. Zudem soll es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem eine Aufnahmeeinrichtung im Kosovo geben. Darüber berichtete auch der "Business Insider".

Nach Angaben von Stoltenberg arbeiteten zuletzt noch an die 200 Afghanen für die Nato. Hinzu kommen zum Beispiel die Mitarbeiter, die für die nationalen Kontingente tätig waren und noch ausgeflogen werden müssen.

18.10 Uhr: Stoltenberg – US-Zeitplan für Flughafen in Kabul endet am 31. August

Die USA wollen nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg den Evakuierungseinsatz am Flughafen von Kabul in weniger als zwei Wochen beenden. Die Vereinigten Staaten hätten signalisiert, dass ihr Zeitplan am 31. August ende, sagte der Norweger nach einer Videokonferenz mit den Außenministern der Bündnisstaaten. Zugleich bestätigte er, dass sich mehrere Alliierte bei den Gesprächen für die Möglichkeit einer Verlängerung des Einsatzes ausgesprochen haben. Es gehe darum, mehr Leute aus dem Land zu bringen, sagte er. Dass der Betrieb des Flughafens in Kabul ohne die USA aufrechterhalten werden kann, gilt als unwahrscheinlich. Sie waren zuletzt mit rund 5200 US-Soldatinnen und -Soldaten vor Ort, um nach der Machtübernahme der Taliban den Evakuierungseinsatz abzusichern.

17.13 Uhr: Merkel bittet Putin um Unterstützung bei Rettung aus Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Unterstützung bei der Rettung afghanischer Ortskräfte gebeten. Für die Bundesregierung habe im Moment Vorrang, möglichst viele Menschen nach Deutschland zu bringen, die in 20 Jahren Nato-Einsatz geholfen hätten, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Putin am Freitag in Moskau. Sie habe diesen darum gebeten, in Gesprächen mit den Taliban darauf hinzuweisen, dass eine Zusammenarbeit in humanitären Fragen mit den Taliban besser möglich sei, wenn diese Menschen das Land verlassen könnten.

Merkel sagte, sie habe deutlich gemacht, "dass es ein sehr frustrierender Moment ist zu erleben, dass die Taliban zurückgekehrt sind und das Land kontrollieren". Nun müsse man versuchen, mit ihnen zu reden. Die Kanzlerin bekräftigte erneut, dass es dem Westen mit seinem Einsatz gelungen sei, die von Afghanistan ausgehende akute Terrorgefahr zu bannen. "Aber sie ist nicht dauerhaft gebannt." Alle weitergehenden Ziele seien jedoch nicht erreicht worden.

16.46 Uhr: Putin warnt Taliban vor Machtanspruch über Afghanistan hinaus

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Taliban davor gewarnt, ihre Macht über Afghanistan hinaus auszuweiten. "Die Taliban dürfen nicht über die Grenzen des Landes hinwegschreiten", sagte Putin nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das sei von "zentraler Bedeutung". Der Staatschef plädierte für den Aufbau und die Stärkung der Demokratie in Afghanistan. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die afghanische Regierung zerfällt." Die radikal-islamischen Taliban seien bereits dazu übergegangen, eine Rechtsordnung in dem Land zu schaffen. Putin plädierte noch einmal für ein international abgestimmtes Vorgehen. Er hoffe, dass die internationale Gemeinschaft zusammenhalte.

16.42 Uhr: Amnesty wirft Taliban Massaker vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International macht die Taliban für ein Massaker an der Hazara-Minderheit in Afghanistan Anfang Juli verantwortlich. Nach der Machtübernahme in der Provinz Ghazni hätten die militanten Islamisten neun Männer auf grausame Weise getötet, hieß es in einem Bericht. "Diese gezielten Tötungen sind ein Beweis dafür, dass ethnische und religiöse Minderheiten auch unter der neuen Herrschaft der Taliban in Afghanistan besonders gefährdet sind", sagte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard.

16.13 Uhr: Früherer US-Kommandeur verteidigt afghanische Streitkräfte

Der frühere Kommandeur der amerikanischen und der internationalen Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hat die afghanischen Streitkräfte nach dem Siegeszug der Taliban verteidigt. "Sie hatten plötzlich keine Rückendeckung mehr", sagte der frühere US-General dem Onlineformat STRG_F vom NDR. "Unsere Luftwaffe war weg." US-Präsident Joe Biden hatte neben der inzwischen entmachteten politischen Führung in Afghanistan auch die Sicherheitskräfte des Landes für die Rückkehr der Taliban an die Macht verantwortlich gemacht. "Wie kann man von Streitkräften erwarten, dass sie kämpfen, wenn sie wissen, dass keiner mehr zur Unterstützung kommt?", sagte Petraeus. "Die Situation, in der sich die afghanischen Streitkräfte als Resultat unserer politischen Entscheidung befanden, war eine ausweglose."

14.38 Uhr: Mehrere Vertreter der bisherigen afghanischen Regierung offenbar vermisst

Mehrere Vertreter der bisherigen afghanischen Regierung werden einem lokalen Medienbericht zufolge vermisst. Verwandte mehrerer Regierungsbeamter sagten dem TV-Sender ToloNews, ihre Familienmitglieder seien verschwunden oder würden seit der Machtübernahme der Taliban vermutlich von den Islamisten festgehalten. Der bisherige Gouverneur sowie der bisherige Polizeichef der Provinz Laghman im Osten des Landes hätten sich den Taliban ergeben, befänden sich aber weiter in Gefangenschaft der Islamisten, hätten die Verwandten gesagt. Auch der Polizeichef von Gasni im Südosten des Landes sei unauffindbar.

Die Taliban haben eine Generalamnestie erlassen, die ihren eigenen Angaben zufolge alle Menschen umfassen soll, auch Regierungsvertreter oder Angehörige der Sicherheitskräfte. Mitte der Woche erklärten die Islamisten zudem, alle politischen Gefangenen sollten entlassen werden. Ein Verwandter des Polizeichefs von Laghman habe gesagt, alle Regierungsvertreter seien freigelassen worden, nur der Polizeichef nicht, heißt es in dem ToloNews-Bericht weiter.

14.07 Uhr: Bundeswehr-Hubschrauber unterstützen ab Samstag Evakuierungen

Die Bundeswehr verlegt für ihren Evakuierungseinsatz zwei Hubschrauber nach Kabul. Die beiden Helikopter sollen in Afghanistans Hauptstadt bereits an diesem Samstag einsatzbereit sein, wie Generalinspekteur Eberhard Zorn in Berlin ankündigte. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums geht es dabei um eine "Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten". Die Maschinen könnten für die Rettung einzelner Bundesbürger oder auch Ortskräfte aus Gefahrenlagen eingesetzt werden.

Dabei handelt es sich um Maschinen des Typs H-145M mit insgesamt 13 Soldaten. Sie sind Spezialkräften zugeordnet und wurden von den USA angefordert. Die US-Truppen flögen hauptsächlich mit großvolumigen Hubschraubern und benötigten im städtischen Umfeld eine kleinere Maschine, sagte Zorn. "Die haben wir." Wie der ranghöchste General der Bundeswehr weiter ausführte, sollen die Helikopter nur in Kabul eingesetzt werden. Es gebe keine Möglichkeit, über den Hindukusch nach Masar-i-Scharif zu fliegen, um jemanden abzuholen.

14.00 Uhr: Noch 700 Niederländer in Afghanistan

In Afghanistan sind nach Angaben der niederländischen Regierung noch 700 Niederländer. Sie müssten schnell evakuiert werden, teilte Außenministerin Sigrid Kaag am Freitag in Den Haag mit. Das Land fliegt mit zwei Militärmaschinen regelmäßig nach Kabul, um eigene Bürger, andere Europäer sowie Afghanen mit einem Visum wie lokale Mitarbeiter zu evakuieren.

Nach den Worten der Ministerin ist es äußerst schwierig, die Menschen zum Flughafen zu bringen. Die Taliban hätten die Kontrollen an den militärischen Checkpoints verschärft. Kaag sprach sich dafür aus, dass die US-Amerikaner auch nach dem 31. August in Afghanistan bleiben sollten, um die Evakuierung sicherzustellen. "Wir sind total von ihnen abhängig", sagte sie. Bisher wurden erst einige dutzend Niederländer aus dem Land geflogen.

13.36 Uhr: Polen will 300 afghanische Ortskräfte der Nato aus Kabul holen

Polen will Ministerpräsident Mateusz Morawiecki zufolge 300 Afghanen retten, die für die Nato-Staaten gearbeitet haben. Dies habe er mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vereinbart, schrieb Morawiecki am Freitag auf Facebook. "Wir werden sie erst nach Polen bringen, und dann in andere Nato-Länder."

Unabhängig davon landete am Freitag ein dritter Flug mit Geretteten aus Kabul in Warschau. Zum gegenwärtigen Stand habe man mehr als 130 Personen aus Afghanistan ausgeflogen, sagte ein Regierungssprecher laut Agentur PAP. Für einen weiteren Flug aus der Hauptstadt Kabul stehen demnach auf dem dortigen Flughafen bereits hundert Passagiere bereit, die im Laufe des Tages in Sicherheit gebracht werden sollen.

12.04 Uhr: Deutscher auf dem Weg zum Kabuler Flughafen angeschossen

In der angespannten Lage in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen durch Schüsse verletzt worden. Es handele sich dabei um einen Zivilisten, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Bei dem Mann bestehe keine Lebensgefahr. Er solle demnächst aus Kabul aufgeflogen werden.

Laut Demmer wurden bisher mehr als 1600 Menschen von der Bundeswehr aus der afghanischen Hauptstadt in Sicherheit gebracht. Bald sollen zwei Hubschrauber die Evakuierungsaktion unterstützen. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin sagte, wurden die Helikopter bereits zum Transport nach Afghanistan verladen. Sie sollten dort schnellstmöglich zum Einsatz kommen. Denkbar sei unter anderem die Rettung einzelner Menschen aus "Gefahrenlagen" oder deren Abholung von abgelegenen Orten, sagte der Sprecher. Die Helikopter sollten insgesamt dafür sorgen, dass die Bundeswehr vor Ort ein "erweitertes Handlungsspektrum" erhalte.

11.59 Uhr: Amnesty wirft Taliban Massaker vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International macht die Taliban für ein Massaker an der Hazara-Minderheit in Afghanistan Anfang Juni verantwortlich. Nach der Machtübernahme in der Provinz Ghazni hätten die militanten Islamisten neun Männer auf grausame Weise getötet, hieß es in einem heute veröffentlichten Bericht. "Diese gezielten Tötungen sind ein Beweis dafür, dass ethnische und religiöse Minderheiten auch unter der neuen Herrschaft der Taliban in Afghanistan besonders gefährdet sind", sagte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard.

Für den Amnesty-Bericht sprach ein Recherche-Team vor Ort mit Augenzeuginnen und Augenzeugen. Die Morde geschahen demnach zwischen dem 4. und 6. Juli in dem Dorf Mundarakht im Bezirk Malistan. Sechs Männer seien erschossen worden, drei zu Tode gefoltert. Diese Tötungen seien wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Todesopfer, die die Taliban bislang zu verantworten hätten, schrieb Amnesty.

11.13 Uhr: Augenzeuge berichtet von großer Verzweiflung am Flughafen Kabul

Die Verzweiflung rund um den Flughafen von Afghanistans Hauptstadt Kabul wird angesichts des zunehmenden Zeitdrucks von Stunde zu Stunde größer. Das berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Demnach halten sich am Eingang zum zivilen Teil, der an einem großen Kreisverkehr liegt, weiterhin Hunderte Menschen auf, die versuchen, auf das Gelände und dann mithilfe von westlichen Flugzeugen außer Landes zu kommen. Kämpfer der militant-islamistischen Taliban feuerten dort in die Luft und schlugen mit Peitschen, um die Leute zu vertreiben.

In einem Schreiben der deutschen Botschaft an Menschen, die auf einen Flug hoffen, hieß es heute: "Die Lage am Flughafen Kabul ist aber äußerst unübersichtlich. Es kommt an den Gates immer wieder zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Der Zugang zum Flughafen ist derzeit möglich. Zwischendurch kann es aber immer wieder kurzfristig zu Sperrungen der Tore kommen, auch weil so viele Menschen mit ihren Familien versuchen, auf das Gelände zu kommen. Wir können Sie leider nicht vorab informieren, wann die Tore geöffnet sein werden."

Afghanistan: Kinder werden am Flughafen Kabul über Mauern gereicht

10.39 Uhr: Ischinger macht Trump für "Sündenfall" Afghanistan verantwortlich

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump trägt nach Ansicht des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine große Mitschuld an der Lage in Afghanistan. "Der Sündenfall, der passierte ja lange vor dem Dienstantritt von (US-Präsident) Joe Biden", sagte der ehemalige Botschafter im Deutschlandfunk. "Der Sündenfall war das Abkommen, das unter Donald Trump mit den Taliban geschlossen wurde." Die militanten Islamisten hätten dann nur noch auf den Abzug der US-Truppen warten müssen. Aus einer solchen Position der Schwäche mit den Taliban zu verhandeln, wünsche man nicht einmal seinem Feind. "Da war ja nichts mehr zu retten."

Ischinger betonte, die Schuld für die aktuelle Lage sei nicht allein bei der afghanischen Armee zu suchen, deren Streitkräfte sich schnell ergeben haben. Vielmehr hätte eine reduzierte militärische Präsenz der Nato, auch mit wenigen Tausend Soldaten, dieses "schlimme Debakel" vielleicht verhindern können.

10.18 Uhr: Bundeswehr verlegt laut Medienbericht zwei Hubschrauber nach Kabul

Die Bundeswehr will für die Evakuierung von Deutschen und Ortskräften aus Afghanistan offenbar zwei Hubschrauber in die Hauptstadt Kabul verlegen. Die Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sollten zur Rettung von Schutzsuchenden aus der Luft eingesetzt werden, berichtet der "Spiegel". Die Hubschrauber seien eigentlich auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet, sehr beweglich und könnten selbst in eng bebauten Städten landen. Mit den Helikoptern könnten KSK-Soldaten in den nächsten Tagen kleine Gruppen aus Kabul oder anderen von den Taliban kontrollierten Zonen an den schwer zugänglichen Flughafen bringen, schreibt das Magazin unter Berufung auf Bundeswehrkreise. Bisher ist die Bundeswehr nur innerhalb des Flughafens Kabul im Einsatz, der von US-Truppen abgesichert wird. 

Andere Länder wie die USA und Frankreich haben in Kabul jetzt schon Hubschrauber im Einsatz, um Schutzbedürftige zum Flughafen zu bringen. Die Lage rund um den Flughafen im Norden der Stadt ist seit Tagen von großem Chaos geprägt. Tausende versuchen verzweifelt, auf das Gelände und dann zu den Flugzeugen zu kommen – die meisten ohne Erfolg.

9.01 Uhr: Bundeswehr bringt erstmals selbst 184 Menschen aus Afghanistan nach Deutschland

Die Bundeswehr hat bei ihrer Evakuierungsmission erstmals selbst "Schutzpersonen" aus Afghanistan nach Deutschland ausgeflogen. An Bord eines Airbus A310-MRTT sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 185 Passagiere. Das in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartete Flugzeug soll am Mittag in Hannover landen. Bislang gab es nur Pendelflüge der Bundeswehr zwischen der afghanischen Hauptstadt Kabul und Taschkent. Von dort ging es dann mit Passagiermaschinen weiter nach Deutschland.

Der Afghanistan-Einsatz gilt als bisher größte Evakuierungsmission der Bundeswehr. Bislang seien in elf Flügen über 1640 Menschen aus Afghanistan evakuiert worden, twitterte die Bundeswehr.

8.15 Uhr: Facebook will afghanische Nutzer vor Taliban schützen

Facebook will afghanische Nutzer nach der Machtübernahme der Taliban online durch neue Sicherheitsmaßnahmen schützen. "Wir arbeiten eng mit unseren Partnern in der Industrie, der Zivilgesellschaft und der Regierung zusammen, um jede erdenkliche Unterstützung zum Schutz der Menschen zu leisten", schrieb der für die Sicherheitsstrategie zuständige Nathaniel Gleicher auf Twitter. Auch Nutzer des zu Facebook gehörenden Dienstes Instagram in Afghanistan sollen Informationen zum Schutz ihrer Konten erhalten. Es sei in Afghanistan vorübergehend nicht mehr möglich, die Freundeslisten anderer Nutzer zu durchsuchen. So will das Unternehmen verhindern, dass die Taliban durch das Online-Netzwerk Menschen ins Visier nehmen können. Auch könnten Nutzerinnen und Nutzer die Sichtbarkeit von Beiträgen auf Menschen beschränken, die sie kennen.

Auch Taliban-Konten beim Onlinedienst Whatsapp wurden offenbar gesperrt. So war der Sprecher der Islamisten, Sabihullah Mudschahid, dort nicht mehr erreichbar. Die "Financial Times" berichtete zudem, dass ein Taliban-Konto, bei dem Afghanen Plünderungen anzeigen konnten, gesperrt wurde.

7.41 Uhr: Maas kritisiert BND-Einschätzungen zu Afghanistan

Bundesaußenminister Heiko Maas hat die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes (BND) zu Afghanistan kritisiert. "Der BND hat offensichtlich eine falsche Lageeinschätzung vorgenommen, so wie andere Dienste auch", sagte der Minister dem "Spiegel" in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Damit habe der Geheimdienst eine erhebliche Verantwortung für das außenpolitische Debakel rund um den Afghanistan-Einsatz. "Die Entscheidungen, die aufgrund dieser fehlerhaften Berichte getroffen wurden, sind nach bestem Wissen und Gewissen gefallen", erklärte Maas. Sie seien aber "im Ergebnis falsch" gewesen, mit katastrophalen Folgen. Das könne nicht ohne Konsequenzen für die Arbeitsweise der deutschen Nachrichtendienste bleiben, sagt der SPD-Politiker. Zudem sollten Erkenntnisse anderer Dienste künftig vor einer Übernahme intensiv geprüft werden. 

Es brauche eine Debatte über den Sinn von Bundeswehr-Einsätzen. "Das Scheitern in Afghanistan darf nicht dazu führen, dass wir uns außen- und sicherheitspolitisch komplett der Verantwortung auf der Welt verweigern", sagte der Minister. "Aber Afghanistan darf sich auch nicht noch einmal wiederholen", sagte Maas.

7.03 Uhr: Mehr als 9000 Menschen bisher bei Rettungsaktion aus Kabul ausgeflogen - laut Nato sogar 18.000

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan haben westliche Länder inzwischen weit über 9000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Die Bundeswehr flog bis spät in die Nacht deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul aus. Zuletzt landete eine Transportmaschine der Bundeswehr vom Typ A400M mit 181 Menschen an Bord in der Nacht in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Zuvor war ein A400M mit 184 Menschen an Bord aus der afghanischen Hauptstadt eingetroffen. "Bisher wurden in elf Umläufen mehr als 1640 Menschen aus Afghanistan evakuiert", teilte die Bundeswehr auf Twitter mit. Die USA meldeten am Donnerstag, sie hätten in den vergangenen fünf Tagen rund 7000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Auch andere westliche Länder haben bereits hunderte Landsleute ausgeflogen, darunter Frankreich, die Türkei oder Großbritannien.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sprach ein Nato-Mitarbeiter sogar von 18.000 Menschen, die bislang ausgeflogen worden seien. 

Am Flughafen der Stadt warten aber weiter tausende Afghanen, um einen Platz in einem rettenden Flieger zu bekommen. Nach unbestätigten Berichten gab es mehrere Tote am Flughafen, wo sich die Menschen in einem Streifen zwischen US-Soldaten und Taliban drängen.

6.42 Uhr: Berlin gibt 100 Millionen Soforthilfe für afghanische Flüchtlinge

Die Bundesregierung stellt 100 Millionen Euro Soforthilfe für Flüchtlinge aus Afghanistan zur Verfügung. Dies teilte das Auswärtige Amt auf Twitter mit. Mit dem Geld sollen internationale Hilfsorganisationen unterstützt werden, die sich in den Nachbarländern um geflüchtete Afghanen kümmern. Weitere Hilfen sollen folgen. Seit der Machteroberung der militant-islamischen Taliban Mitte August versuchen viele Menschen verzweifelt, aus dem Land zu kommen. Finanzminister Olaf Scholz hatte die Hilfe schon gestern angekündigt. Der Deutschen Presse-Agentur sagte der SPD-Kanzlerkandidat: "Dies ist ein erster Schritt, der zeigt, dass wir uns verantwortlich fühlen und uns kümmern."

5.07 Uhr: Afghanische Ortskräfte in Brandenburg angekommen

Brandenburg Ortskräfte
Ortskräfte aus Afghanistan kommen am frühen Morgen auf dem Gelände der DRK-Flüchtlingshilfe in Doberlug-Kirchhain an.
© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Rund 60 afghanische Ortskräfte und ihre Angehörigen sind in Brandenburg angekommen. Zwei Busse aus Frankfurt/Main trafen am Morgen in der Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) ein. Die ursprünglich für Donnerstagabend geplante Ankunft hatte sich wegen der Registrierung der Menschen erheblich verzögert. Die Afghanen, darunter mehrere Kinder, wurden zunächst mit Essen und Trinken sowie medizinisch versorgt. Sie müssen drei Tage in Quarantäne und sollen voraussichtlich bis Dienstag in Doberlug-Kirchhain bleiben. Dann könnten sie auch in andere Bundesländer verteilt werden.

Lage in Afghanistan: Merkel bittet Putin um Unterstützung bei Evakuierungen aus Kabul

2.57 Uhr: Laschet plädiert für diplomatische Kontakte zu den Taliban

Der Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, plädiert für direkte diplomatische Kontakte zu den Taliban. "Die Kunst guter Außenpolitik besteht gerade darin, mit solchen Staaten zu Lösungen zu kommen, deren Ziele und Menschenbild unsere Gesellschaft zu Recht ablehnt", sagte Laschet der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Den Dialog mit den Taliban zu verweigern, helfe den Menschen nicht, die aus Afghanistan hinauswollten, fügte er hinzu. Auch die dort nun wieder geltende strenge islamische Rechtsordnung der Scharia sei kein Hinderungsgrund für Gespräche, betonte Laschet. "Die Scharia ist grausam – und ich lehne sie aus tiefstem Herzen ab", sagte der CDU-Vorsitzende. "Den Menschen aber hilft, Druck auf die Taliban auszuüben. Das bedeutet auch, miteinander zu sprechen." 

Laschet bekräftigte, dass ein neuer, ungeregelter Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland verhindert werden sollte. "Es gibt sicher eine große Bereitschaft, die Menschen aufzunehmen, die uns in Afghanistan geholfen haben, und darüber hinaus auch besonders bedrohte Menschen", sagte der Spitzenkandidat der Union. Die Furcht vor den Taliban könne wohl jeder nachvollziehen. "Gleichzeitig gibt es aber auch den Wunsch nach einer geordneten Migration", sagte Laschet. Dafür sei es wichtig, internationale Organisationen wie den UNHCR oder Unicef sowie die Nachbarländer Afghanistans zu unterstützen. Es sei "die Priorität, Hilfe in der Region zu leisten".

Nachrichten zur Lage in Afghanistan von Montag, 16. August, bis Donnerstag, 19. August, lesen Sie hier.  

rös/mad/tkr DPA AFP

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