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TV-Debatte der US-Republikaner Gingrich wittert seine Chance - und teilt mächtig aus


Das Rennen ist wieder offen. Nach Rückschlägen für den bisherigen Favoriten Mitt Romney wittert Konkurrent Newt Gingrich seine Chance, Herausforderer von Präsident Barack Obama zu werden. In einer TV-Debatte der republikanischen Kandidaten teilte er mächtig aus.

Zwei Tage vor der Vorwahl der Republikaner im US-Bundesstaat South Carolina hat der Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich in einer Fernsehdebatte schwer ausgeteilt. Der Konservative wies am Donnerstagabend (Ortszeit) Aussagen seiner Ex-Frau zurück, er habe von ihr eine "offene Ehe" verlangt, und attackierte in dem Zusammenhang die Medien. Seinen Hauptrivalen Mitt Romney griff Gingrich ebenfalls scharf an.

Gleich die erste Frage von CNN-Moderator John King betraf ein Interview des Senders ABC, in dem Gingrichs zweite Ehefrau Marianne über das Scheitern ihrer Ehe sprach. Ihre Aussage, ihr damaliger Mann habe sie um eine "offene Ehe" gebeten, um seine Affäre mit der Kongress-Mitarbeiterin Callista Bisek fortzuführen, wies er vehement zurück. "Diese Geschichte ist falsch", sagte der ehemalige Sprecher des US-Repräsentantenhauses, der mittlerweile mit Bisek verheiratet ist.

Der Politiker warf den Medien vor, das Interview mit seiner Ex-Frau auszuschlachten, und beschuldigte ABC, "alle republikanischen Kandidaten angreifen" zu wollen. "Ich habe genug von diesen elitären Medien, die Barack Obama schützen, indem sie die Republikaner angreifen", sagte Gingrich und löste mit der Äußerung Standing Ovations im Publikum aus.

Romney soll Steuerunterlagen offen legen

Im Verlauf der Fernsehdebatte attackierte Gingrich auch den derzeit aussichtsreichsten Bewerber der Republikaner, Romney. Gingrich forderte den Ex-Gouverneur von Massachusetts auf, seine Steuerunterlagen offen zu legen. Romney hatte am Dienstag eingeräumt, nur rund 15 Prozent Einkommensteuer zu zahlen. Romney, dem ein Vermögen von mehreren hundert Millionen Dollar nachgesagt wird, bekräftigte auf eine Frage aus dem Publikum hin sein Versprechen, die Unterlagen bis April offenzulegen. Gingrich selbst veröffentlichte seine Steuerpapiere kurz vor der TV-Debatte.

Er werde sich "nicht dafür entschuldigen, erfolgreich zu sein", sagte Romney unter dem Applaus des Publikums. Er wisse, dass Obama die Republikaner bei dem Thema angreifen werde. "Aber wir werden ihm eintrichtern, dass es der Kapitalismus und die Freiheit sind, die Amerika stark machen." Gingrich griff auch den Vorwurf gegen Romney auf, als Chef der Investmentfirma Bain Capital Arbeitsplätze vernichtet zu haben. Ihr wird vorgeworfen, sich mit Fremdkapital angeschlagene Unternehmen eingekauft zu haben, um diese ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze zu sanieren und mit hohen Gewinnen wieder zu verkaufen.

Obama: Republikaner wollen Reiche reicher machen

Romney, der vom Partei-Establishment favorisiert wird, hatte die ersten beiden Vorwahlen der Republikaner in Iowa und New Hampshire gewonnen - zunächst, denn am Donnerstag wurde der Sieg in Iowa laut endgültiger Auszählung Rick Santorum zuerkannt. Im erzkonservativen South Carolina, wo am Samstag Vorwahlen stattfinden, dürfte er es jedoch wegen seiner gemäßigten Positionen schwerer haben. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Romney und Gingrich voraus. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, zog sich am Donnerstag aus dem Rennen zurück und stellte sich hinter Gingrich. Den anderen übrig gebliebenen Kandidaten der Republikaner, neben Santorum noch Ron Paul, werden kaum Chancen eingeräumt.

US-Präsident Obama kritisierte seine Herausforderer am Donnerstag als Vertreter extremer Positionen. Die Kandidaten der Republikaner wollten die Reichen auf Kosten der einfachen Bürger reicher machen, sagte er in New York, wo er auf mehreren Spendensammel-Events sprach.

dho/AFP AFP

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