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US-Außenpolitik Donald Trump und wie er die Welt sieht

Donald Trump telefoniert
Außenpolitik Donald Trump per Telefon. Ende Januar spricht der US-Präsident mit dem saudischen König Salman
© Mandel Ngan/AFP
Engste Verbündete hat er brüskiert, alten Feinden geschmeichelt. Die Außenpolitik des neuen US-Präsidenten - oft via Twitter und rüde kommuniziert - schüttelt den Globus durch. Ein Blick auf die Weltlage nach vier Wochen Donald Trump.

Donald Trump schert sich wenig um Amerikas alte Freunde in seiner Außenpolitik. Er nennt die Nato und die Europäische Union obsolet. Er bezeichnet Brüssel als "Höllenloch" und ganz Belgien als "eine schöne Stadt". Das könnte man noch abtun als ignorante Dampfplauderei. Allein: Dahinter steckt tatsächlich eine tiefe Aversion gegen die EU, die sich manifestiert in Drohungen mit Strafzöllen auf deutsche Autos, dem Einreiseverbot für Muslime aus mutmaßlichen Terrorstaaten, auf dass amerikanische Straßen nicht denen von Nizza oder Berlin ähneln. Insbesondere aber mit seiner Wahl des vermutlich künftigen EU-Botschafters Ted Malloch, 64.


Der Ökonom und Geschäftsmann lehrt als Professor für "Strategische Führung" an der "Henley Business School" im englischen Reading, er gilt als expliziter Brexit-Fan und EU-Feind. Malloch prophezeit den Zerfall des Euros und auch das "Ende des globalen Konsenses nach dem Fall der Berliner Mauer". Der Hardliner beriet Trump während des Wahlkampfs, hat darüber ein Buch mit dem Titel "Hired" geschrieben. Und das Nachwort stammt vom englischen Rechtspopulisten Nigel Farage. Diese Männer bestimmen im Verbund mit Trumps Berater und Chefideologen Steve Bannon den künftigen Kurs in der Europa- und Außenpolitik. Und da geht es vor allem um eines, wie Bannon einst selbst sagte: Er wolle "alles zusammenstürzen lassen und das Establishment zerstören".

Donald Trump von der Rabaukenkanzel

Der US-Autor und Außenpolitikexperte James Kirchick sieht die alten Bündnisse in Gefahr und zugleich neue im Entstehen. Er warnt vor Trumps Putin-Nähe. Und davor, dass sich "die Europäer auf einen Präsidenten einrichten müssen, der von einer Rabaukenkanzel aus über die Köpfe gewählter Regierungen hinweg mit anti-europäischen Fraktionen paktiert".

Wie steht die USA zu welchem Land - eine Übersicht:

Russland - Verhältnis: (noch) freundlich

Die Russen wollen, dass Trump die Sanktionen aussetzt, die Krim als russisch anerkennt und dass die Ukraine Nato und EU fernbleibt. Kritik an Russland wischt Trump beiseite: Wichtig sei vor allem der Kampf gegen den sogenannten IS; Russland ein möglicher Allianzpartner. Putin bezeichnete er als "große" Persönlichkeit. Jedoch: Die Sanktionen hob die Trump-Regierung zunächst nicht auf, zudem forderte sie zuletzt Moskau auf, die Krim an die Ukraine zurückzugeben.

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China - Verhältnis: feindlich

Nicht wenige in der Kommunistischen Partei hofften, dass ein Präsident Trump die USA schwächen werde. Dann telefonierte Trump nach seinem Amtsantritt mit der Präsidentin des chinesischen Erzfeindes Taiwan. Und stellte Chinas Exportüberschuss und Geldpolitik infrage. Chinesische Staatsmedien reden jetzt bereits von einem kommenden Krieg - wie auch Trumps Chefstratege Steve Bannon.

Europäische Union - Verhältnis: durchwachsen

Am deutlichsten kritisierte bisher der französische Präsident Hollande den US-Präsidenten, Merkel gab Trump während einer Telefonkonferenz Lehrstunden in Menschenrechten. Dagegen lobten die rechtskonservativen Regierungen in Ungarn und Polen die neue amerikanische Administration. Auf dem Gipfel in Malta rückten die EU-Chefs angesichts eines Trump wieder enger zusammen. Als die britische Premierministerin Theresa May sich mit besonderen Beziehungen zu Trump brüstete und anbot, "Brücken zu bauen", wurde sie abgebügelt. Die litauische Präsidentin brachte es auf den Punkt: "Wir kommunizieren mit den Amerikanern einfach auf Twitter."

Mexiko - Verhältnis: feindlich

Auf kein anderes Land hat sich Trump so eingeschossen wie auf Mexiko. Er will eine Mauer bauen, Fabriken zurückholen, Einwanderer ausweisen und schlug vor, die US-Armee über die Grenze zu schicken, um die "bad hombres" der Drogenkartelle zu bekämpfen. Mexiko ist eigentlich einer der engsten Verbündeten der USA. Und angesichts der Beleidigungen fassungslos.

Syrien/Irak - Verhältnis: feindlich

"Bomb the hell out of IS" - so klang Trump im Wahlkampf. Am Aufstieg des "Islamischen Staats" seien Barack Obama und Hillary Clinton schuld. Trump will nun schnelle Erfolge. Vor Ort überlässt er aber Putin und seinen Verbündeten das Feld. Das Einreiseverbot traf dagegen auch Iraker, die für die US-Armee gearbeitet haben im Kampf gegen Terroristen. Es geht gerade viel durcheinander in dieser Region.

Iran - Verhältnis: feindlich

Trump nennt Obamas Atomabkommen "den schlechtesten Deal". Gegen den Iran verhängte er zunächst ein Einreiseverbot. Daraufhin testete der zwei Raketen, die man nuklear bestücken kann - eine bewusste Provokation. Die USA verschärften umgehend ihre Sanktionen. Die Situation wird wahrscheinlich weiter eskalieren. Ein Krieg ist aber unwahrscheinlich: Der Iran ist zu mächtig, in Syrien gibt es ohne Teheran keinen Frieden.

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