US-Fernsehduell Cheney und Edwards streiten über Irak-Krieg


Am Dienstagabend waren die Vizepräsidenten dran: Richard Cheney und sein demokratischer Herausforderer John Edwards haben sich im US-Fernsehen ein leidenschaftliches Rededuell geliefert. Zentraler Streitpunkt war einmal mehr die Irak-Politik.

US-Vizepräsident Richard Cheney und sein demokratischer Herausforderer John Edwards haben sich am Dienstagabend (Ortszeit) ein leidenschaftliches Fernsehduell über den Irak-Krieg, den Kampf gegen den Terror und eine Reihe innenpolitischer Themen geliefert. Edwards warf der Regierung von Präsident George W. Bush Versagen im Irak und den Verlust von Millionen Arbeitsplätzen in den USA vor. Cheney zeichnete dagegen einen optimistischen Ausblick für den Irak und versucht, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry Führungsstärke abzusprechen.

Er verwies auf die Erfolge, die seit Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak erzielt worden seien: Die Machtübergabe an eine Übergangsregierung, der Aufbau irakischer Sicherheitskräfte und die für Januar geplante Wahl. "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Job erledigen werden." Cheney rechtfertigte den Krieg als Teil des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Saddam Hussein habe eine "etablierte Beziehung" zum Terrornetzwerk al Kaida unterhalten.

Irak-Krieg "Gipfel der Scheinheiligkeit"

Edwards konterte, die Bush-Regierung führe die amerikanische Bevölkerung noch immer in die Irre. "Sie gehen im Land umher und behaupten, es gebe eine Verbindung zwischen dem 11. September 2001 und Saddam Hussein. Aber es gibt sie nicht." Die Irak-Politik kritisierte er scharf. Die Vereinigten Staaten hätten 90 Prozent der Kriegskosten und 90 Prozent der Opfer erbracht. Als "Gipfel der Scheinheiligkeit" habe Bush die Truppen ohne ausreichende Ausrüstung in den Irak geschickt und für Gehaltskürzungen bei der Armee geworben.

Cheney unterstellte Kerry, immer auf der falschen Seite zu stehen, wenn es um die Landesverteidigung gehe. So habe dieser gegen den ersten Irak-Krieg 1991 gestimmt. Den zweiten Krieg habe er zunächst befürwortet, dann aber gegen ein Aufbauprogramm von 87 Milliarden Dollar für den Irak und Afghanistan gestimmt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Demokraten noch ihren Präsidentschaftskandidaten gesucht, und Howard Dean habe dank seiner kriegskritischen Haltung Stimmen bekommen. "Wenn Kerry nicht mal dem Druck von Howard Dean standhalten konnte, wie können wir erwarten, dass er al Kaida standhält?"

In der innepolitischen Debatte attestierte Edwards Präsident Bush, der erste Präsident seit Herbert Hoover zu sein, in dessen Amtszeit mehr Arbeitsplätze verschwunden als entstanden seien. Mehr Amerikaner seien in die Armut gerutscht und müssten ohne Krankenversicherung leben.

Cheney für gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Cheney, der eine lesbische Tochter hat, sprach sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Die Menschen sollten die Freiheit haben, jede Art von Beziehung zu führen. Zu Bushs Drängen auf eine Verfassungsänderung zum Verbot der so genannten Homo-Ehen sagte Cheney: "Er macht die Politik in der Regierung, und ich unterstütze ihn." Edwards erklärte, die Cheneys liebten ihre Tochter ganz offenkundig, und er empfinde dafür nichts als Respekt. "Aber ich glaube, die Ehe ist etwas für Mann und Frau, und das glaubt auch John Kerry. Wir sollten jedoch nicht die Verfassung benutzen, um unsere Land zu teilen."

Das Fernsehduell am späten Dienstagabend war das einzige der Vizepräsidentschaftskandidaten vor der Wahl am 2. November. Bush und Kerry werden am Freitag zum zweiten Mal im Fernsehen aufeinander treffen. Aus der ersten Debatte vergangene Woche ging Kerry als Sieger hervor. Jüngsten Prognosen zufolge liegen Bush und Kerry in der Gunst der Wähler wieder fast gleich auf.

AP / DPA AP DPA

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