Verzicht auf Raketenabwehr Obama versetzt Russen in Siegerstimmung


Russland lobt, Russland jubelt, Russland triumphiert: Der Verzicht der Amerikaner auf das umstrittene Raketenabwehrschild in Osteuropa wird in Moskau als Sieg des Kreml gewertet - aber auch als kluger Schachzug von US-Präsident Barack Obama.

Der Verzicht der USA auf das geplante Raketenabwehrsystem hat in Russland reichlich Beifall hervorgerufen - und wird sogar als Sieg des Kreml gefeiert. "Das ist eine logische Folge der kompromisslosen Haltung Russlands", sagte der außenpolitische Sprecher des Föderationsrates in Moskau, Michail Margelow, der Nachrichtenagentur Interfax. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses der Staatsduma, Konstantin Kossatschow. "Das ist ein Hinweis, dass US-Präsident Barack Obama unsere Befürchtungen ernster nimmt als sein Vorgänger George W. Bush." Von Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin gibt es noch keinen Kommentar.

Obama will technisch erprobtes und effektives System

Obama erläuterte am Nachmittag, was zuvor der tschechische Ministerpräsident Jan Fischer verkündet hatte. Er habe die Pläne für einen Raketenschild in Osteuropa gekippt und verfolge einen neuen Ansatz in der Angelegenheit, sagte der US-Präsident in Washington. Ziel sei eine intelligentere, stärkere und schnellere Verteidigung der amerikanischen Verbündeten in Europa. Er wolle nun ein technisch erprobtes und effektives System einsetzen, mit dem besser auf die vom Iran ausgehenden Bedrohungen reagiert werden könne. Obama bekräftigte zugleich, dass die USA eng an der Seite Polens und Tschechiens stünden.

Fischer hatte zuvor erklärt, Obama haben ihn über ein Aus des geplanten Raketenschildes informiert. Ein Pentagonsprecher bestätigte zudem Medienberichte, wonach die Bedrohung durch iranische Langstreckenraketen nicht mehr als so hoch eingeschätzt werde wie zur Zeit, als Obama-Vorgänger George W. Bush die Pläne für den Raketenschild entwickelte.

Russische Experten loben USA

Aus Sicht russischer Experten haben die USA einen klugen Schachzug gemacht: Ein ranghoher russischer Militärdiplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, der Verzicht gebe Russland und den USA mehr Spielraum bei den aktuellen Abrüstungsverhandlungen. Der kremlnahe Politologe Sergej Markow erinnerte daran, dass das US- Raketenabwehrprojekt innerhalb der Nato umstritten war. "Vermutlich wollen die USA mit einem Verzicht diese Spaltung der Allianz überwinden", sagte Markow. Alexander Pikajew vom Moskauer Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen sagte der Staatsagentur Ria Nowosti, die Entscheidung trage "bedeutend zur Entspannung der russisch-amerikanischen Beziehungen" bei.

Russland hatte die geplante US-Radaranlage in Tschechien und die in Polen vorgesehenen Raketensilos stets vehement als Bedrohung seiner Sicherheit bezeichnet. Kremlchef Medwedew hatte damit gedroht, im Gegenzug Kurzstreckenraketen im Raum Kaliningrad um die frühere Stadt Königsberg nahe der polnischen Grenze zu stationieren.

DPA/Reuters/ben DPA Reuters

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