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"Wir sind extrem besorgt" Erst Covid, dann Bomben – Gazas Gesundheitssystem am Limit

Sehen Sie im Video: Erst Covid, dann die Bomben – Gazas Gesundheitssystem am Limit.




Im Shifa-Krankenhaus, das mitten in der Stadt Gaza liegt, kämpfen Ärzte und Pfleger derzeit an zwei Fronten. Schon vor den Angriffen des israelischen Militärs auf den Gazastreifen hatten die Mitarbeiter hier alle Hände voll zu tun – mit der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Der Chef der Chirurgie Marwan Abu Sada erzählt, dass das palästinensische Gesundheitssystem bereits vor den Raketenbeschüssen überlastet gewesen sei. "Aufgrund des Coronavirus' wurde diese Station in eine Intensivstation mit zehn Betten umfunktioniert. Aber wegen des Ausnahmezustands und der zunehmenden israelischen Angriffe auf Gaza, wurde der Bereich der Chirurgie wieder für unseren Bedarf eingerichtet, um Patienten zu behandeln, die durch die Angriffe verwundet wurden." In Shifa, der größten Gesundheitseinrichtung unter den 13 Krankenhäusern und 54 Kliniken, die die zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens versorgen, wurde die Zahl der Intensivbetten auf 32 verdoppelt, da die Zahl der Verwundeten durch den Konflikt weiter ansteigt. Dennoch wird die Versorgung schwieriger. Mirjam Lea Muller, Direktorin des Gaza-Büros des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sagt: "Wir sind extrem besorgt wegen der Situation, die Intensität und Gewalt ist sehr hart gewesen, es war herzzerbrechend das alles zu sehen, gerade während der Feierlichkeiten rund ums Fastenbrechen. Wir möchten gegenüber den Parteien nochmal die Wichtigkeit wiederholen, die internationalen Menschenrechte zu respektieren. Diese beinhalten, Zivilisten, die zivile Infrastruktur, aber vor allem Rettungsaktionen zu respektieren, sodass es den Kräften möglich ist, zu den Verwundeten zu gelangen, um Leben zu retten." Sacha Bootsma von den Vereinten Nationen in Gaza unterstreicht die Sorgen den Roten Kreuzes: "Obendrein beginnen wir jetzt wirklich schwere Schäden an Gesundheitseinrichtungen zu sehen und kleine Schäden an einigen großen Krankenhäusern. Und das schlimmste ist, dass die Zerstörung der Infrastruktur den Zugang zu den Schwerverletzten und umgekehrt zu den Krankenhäusern erschwert." Zudem habe es Engpässe bei Medikamenten und der Ausrüstung gegeben, bevor die Kämpfe ausbrachen. Mediziner geben nun Israel und Ägypten wegen einer Grenzblockade die Schuld. Beide Länder haben eine Grenze zum palästinensischen Gebiet. Israel behauptet, es wolle verhindern, dass Waffen geschmuggelt werden. Alles zum Leid der vielen Patienten. Und damit nicht genug. Auch der Treibstoff für die Generatoren, die die Krankenhäuser mit Strom versorgen, geht zur Neige – der Strom ist zu unregelmäßig, als dass man sich darauf verlassen könnte, heißt es.
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Das Gesundheitssystem im Gazastreifen ist im Ausnahmezustand. Neben der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie müssen die Medizinerinnen und Mediziner nun auch die Versorgung der Verletzten durch die Angriffe aus Israel sicherstellen.

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