Waffenhändler Bout Logistiker des Todes


Er spricht sechs Sprachen und begann seine Händlerkarriere mit Schnittblumen. Irgendwann stieg der Russe Viktor Bout auf Waffen um und belieferte so ziemlich jeden Krisenherd dieser Welt. Jetzt wurde der "Händler des Todes" festgenommen. Porträt eines Kriegsgewinnlers.
Von Florian Schneider

Er ist sehr viel gereist und kennt die Welt wie kaum ein anderer, doch als Autor von Reiseführern sollte er sich nicht probieren: Er würde kein Geld verdienen. Die Länder, die Viktor Bout am besten kennt, in und mit denen er Geschäfte gemacht hat, werden vom Auswärtigen Amt meist mit dem Stempel "Reisewarnung" versehen: Kriegsgebiete und Rebellenhochburgen. Nicht ohne Grund wird der 41-jährige Russe als "Händler des Todes" bezeichnet. Bout gilt als einer einflussreichsten und skrupellosesten Waffenhändler der Welt, gesucht mit internationalem Haftbefehl.

Nun ist er in einem Luxushotel in Bangkok von thailändischen Polizeieinheiten und Mitarbeitern der US-Anti-Drogen-Behörde DEA festgenommen worden. Die DEA-Agenten hatten sich als Mitglieder der kolumbianischen Rebellenorganisation Farc ausgegeben und einen Deal eingefädelt. Bei dem Treffen in Bangkok wurde Bout überwältigt, sein Komplize, Andrew Smulian, konnte laut Polizeiangaben flüchten.

Nicht nur optisch ein Schwergewicht

Spezialkräfte führten Viktor Bout ab, denn er ist nicht nur optisch ein Schwergewicht. Sein Leben übertrifft jeden Agententhriller, es diente sogar als Vorlage für den Hollywood-Film "Lord of War" mit Nicolas Cage. "Beim Töten geht es nicht um Waffen, es geht um die Menschen, die sie benutzen", sagte er dem Reporter Peter Landesman, der ihn 2003 in Moskau interwiewte.

Geboren am 13. Januar 1967, als Kind russischer Eltern in Duschanbe, Tschadikistan oder in Aschgabat, Turkmenistan - er besitzt zahlreiche Pässe mit verschiedenen Angaben. Als Heranwachsender besucht er eine Kaderschule für Fremdsprachen in Moskau und legt einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften ab. Eine gute Basis für sein späteres, globales Geschäft mit Boden-Luft-Raketen, Helikoptern, Granaten und Kalaschnikows.

Nach seinem Studium geht Bout, er beherrscht mittlerweile sechs Sprachen, als Übersetzer für die sowjetische Luftwaffe nach Mosambik. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks wird er arbeitslos aber erfinderisch: 1993 kauft er für 120.000 US-Dollar drei rostige Antonow-Frachtmaschinen, für die es in der ehemaligen Sowjetarmee keine Verwendung mehr gibt. Da ist er gerade mal 26 Jahre alt.

Südafrikanische Schnittblumen für Arabien

Er beginnt Schnittblumen aus Südafrika in die Vereinigten Arabischen Emirate zu importieren und knüpft schnell Kontakte. 1995 dehnt er seine Frachtgeschäfte aus und aus Blumen werden Diamanten und Bergbaugerät, dann Waffen. Aus anfänglich drei Flugzeugen werden 60, 1996 hat seine Lufttransportfirma rund 1000 Angestellte. Über eine Schar von Mittelsmännern verschafft er sich millionenschwere Aufträge, wie den Transport von 120 Tonnen russischer Waffen nach Bosnien. Die Helikopter, die Maschinengewehre, die Bomben und die Raketen bezieht er vor allem aus der Ukraine. Generäle und Politiker verkaufen die todbringende Ware in den 90er Jahren zu Spottpreisen, um an Devisen zu kommen.

So hat der beleibte Russe leichtes Spiel. Mehrmals umgeht er Zeitungsberichten zufolge UN-Embargos und beliefert die berüchtigten RUF-Rebellen in Sierra Leone sowie die Unita in Angola. Bout besorgt den angolanischen Rebellen Waffen im Wert von 14 Millionen US-Dollar. Auch der Kriegsverbrecher Charles Taylor bekommt während des Bürgerkrieges in Liberia seine Waffen, genauso wie die islamische Terrorgruppe Abu Sayyaf auf den Philippinen, die im Jahr 2000 21 Geiseln nahm und 2004 eine Fähre in die Luft sprengte.

In Uganda Dörfer geplündert

Als dem kongolesischen Warlord Jean-Pierre Bemba in seinem Buschcamp die Biervorräte ausgehen, soll der anwesende Bout vorgeschlagen haben, im angrenzenden Uganda ein Dorf zu plündern. Augenzeugenberichten zufolge flogen zwei Mi-24-Kampfhubschrauber mit 20 Rebellen in ein ugandisches Dorf und zwangen alle Bewohner, ihre Biervorräte herauszurücken.

Aber der geschäftstüchtige Waffenhändler kann auch anders: Für insgesamt 60 Millionen Dollar unternimmt er hunderte Transportflüge für die US-Armee im Irak und bringt UN-Truppen in afrikanische Krisengebiete. Vorwürfe, dass er die Taliban in Afghanistan und die al Kaida mit Waffen versorgt habe, wies er stets zurück.


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