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Werbemaßnahmen: Afrikas umworbene Mitglieder im Weltsicherheitsrat

Die USA machen drei Ländern des schwarzen Kontinents den Hof: Angola, Guinea und Kamerun werden beim Ringen um eine diplomatische Koalition im UN-Sicherheitsrat zum Zünglein an der Waage.

Derart umworben wird Afrika selten. Beim Ringen um eine diplomatische Koalition für einen Irak-Krieg im UN- Sicherheitsrat machen die USA drei Ländern des schwarzen Kontinents den Hof: Angola, Guinea und Kamerun. Seit Anfang des Jahres nichtständige Mitglieder, könnten die Länder das Zünglein an der Waage zur völkerrechtlichen Legitimierung eines Angriffs sein. Bislang sagen die Afrikaner Nein zum Krieg. Doch wirtschaftliche Verlockungen könnten ihre Linie ins Wanken bringen.

Guinea übernimmt heikle Aufgabe

Den schwierigsten Spagat muss zunächst Guinea meistern. Das westafrikanische Land übernimmt am Samstag von Deutschland für einen Monat den Vorsitz im Sicherheitsrat. Mit der Übergabe übernimmt das vornehmlich moslemische Land eine heikle Aufgabe. Außenminister Francois Louceny Fall hat in der vergangenen Woche erneut unterstrichen, dass Conakry eine Fortsetzung der Waffeninspektionen im Irak begrüßen würde.

Die Anti-Kriegs-Haltung resultiert aber weniger aus Einigkeit mit der ungeliebten Ex-Kolonialmacht Frankreich. Guinea ist Mitglied der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), und seine Bevölkerung ruft nach Solidarität mit der arabischen Welt.

Amerika konzentriert sich aufs Öl

Dagegen pflegt die Regierung um Premierminister Lamine Sidimé ein herzliches Verhältnis und junge wirtschaftliche Beziehungen zu den USA. Amerika unterstützte vergangenes Jahr das guineische Militär zum Ausbau des Grenzschutzes mit drei Millionen US-Dollar. Auf seinem Werbefeldzug durch Guinea, Kamerun und Angola im Oktober machte der Afrika-Beauftragte im US-Außenministerium, Walter Kansteiner, Conakry das Angebot zu einer neuen "Partnerschaft für wirtschaftliche Entwicklung".

Die konzentriert sich aus amerikanischer Sicht in erster Linie auf Öl. Die USA wollen ihre Abhängigkeit von Importen aus dem Nahen Osten reduzieren. Öl-Lieferungen aus Afrika sollen bis zum Jahr 2015 von heute 15 Prozent auf dann ein Viertel des US-Bedarfs steigen. Für den Kontinent bedeutet das hohe ausländische Investitionen. Allein der US-Konzern ChevronTexaco will in den nächsten fünf Jahren seine Investitionen in Afrika um ein Vierfaches, von 5 auf 20 Milliarden US-Dollar, steigern.

Nicht umsonst machte US-Außenminister Colin Powell letztes Jahr nach seinem Auftritt beim UN-Weltgipfel in Johannesburg (Südafrika) einen Zwischenstopp in Angola. Das ehemalige Bürgerkriegsland ist nach Nigeria der größte Ölproduzent südlich der Sahara. Um die Wirtschaftsbeziehungen nicht zu gefährden, ist im Sicherheitsrat viel Diplomatie gefragt, das weiß auch Angolas UN-Botschafter Ismael Gaspar Martins. "Diplomatie ist ein Akt des Gebens und Nehmens", sagte er am Dienstag in New York. Dabei ließ er offen, was das für die Haltung Angolas zum Irak bedeutet. Informationsminister Hendrik Vaal Neto erklärte, Angola sei unabhängig genug, um keine Art von Druck zu akzeptieren.

Ngoubeyou fordert strikteres Vorgehen

Auch das derzeit größte Investitionsprojekt des Kontinents, die 1100 Kilometer lange Öl-Pipeline von Tschad nach Kamerun, dirigieren maßgeblich die USA. Das von Exxon Mobil angeführte vier Milliarden Dollar umfassende Projekt soll im nächsten Jahr fertig sein. Öl aus dem Wüstenstaat Tschad soll dann nach Kamerun befördert werden.

Kameruns Außenminister Francois-Xavier Ngoubeyou vertritt bislang dennoch eine klare Linie, die den USA widerstrebt. Er fordert ein strikteres Vorgehen der Waffeninspekteure. Das Problem sei nicht ein Konflikt zwischen dem Irak und den USA, sondern ein völkerrechtliches.

"Es gibt eine Alternative zum Krieg", verkündeten auch 53 afrikanische Staaten vor einer Woche auf Werben Frankreichs. Auf einem Gipfeltreffen in Paris schlossen sie sich der Position von Staatspräsident Jaques Chirac an und forderten mehr Zeit für die Inspekteure.

Dass dieses Wort nicht unbedingt lange gelten muss, zeigt wenige Tage später Ruandas Präsident Paul Kagame. Der Staatschef, der massive Unterstützung aus den USA erhält, distanzierte sich in einem Interview mit der Berliner "tageszeitung" von der Pariser Linie. "Krieg kann gerechtfertigt sein", sagte er. "Und wenn er gerechtfertigt ist, sollte man ihn führen."

Antje Passenheim / DPA