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Geheime Krankenakte Von Lepra bis Parkinson: Diese Krankheiten wurden Putin bereits nachgesagt

Wie krank ist Wladimir Putin? Aus seinem Gesundheitszustand macht der Kreml-Chef ein Staatsgeheimnis.
Wie krank ist Wladimir Putin? Aus seinem Gesundheitszustand macht der Kreml-Chef ein Staatsgeheimnis.
© Sefa Karacan / Picture Alliance
Der Welt präsentiert sich Wladimir Putin als Alpha-Männchen: sportlich, agil und junggeblieben. Jede noch so kleine Schwäche ist ein Tabu. Doch Spekulationen um seinen Gesundheitszustand kann er dennoch nicht unterbinden. 

Der Gesundheitszustand von Wladimir Putin ist ein Staatsgeheimnis. Seit seiner ersten Amtszeit sind keine offiziellen Informationen darüber veröffentlicht worden. Aber große Geheimnisse wecken große Neugier und verlangen nach großen Enthüllungen. Die möglichen Gebrechen des Diktators im Kreml landen daher wenig überraschend immer wieder im Fokus von wilden Spekulationen. Das Informationsvakuum will gefüllt werden. Ob ein Husten oder zitternde Hände – alles wird genauestens beobachtet, analysiert und ferndiagnostiziert.

In der vergangenen Woche sorgten geleakte Tonbandaufnahmen eines russischen Oligarchen für ein erneutes Auflodern der Gerüchte. Putin sei "sehr krank" und leide an "schwerem Blutkrebs" heißt es in dem aufgezeichneten Gespräch. Die heimlich gemachten Tonbandaufnahme sind dem US-Magazin "New Lines" nach eigenen Angaben zugespielt worden. Außenminister Sergej Lawrow sah sich sogar genötigt, in einem Interview mit dem französischen Fernsehen ein Dementi abzugeben. 

Doch Lawrow und die gesamte russische Regierung haben in den letzten Monaten das letzte Fünkchen an Glaubwürdigkeit eingebüßt, das sie vielleicht vor dem Ukraine-Krieg noch gehabt haben. Und so wird das Dementi von vielen Beobachtern als Bestätigung ausgelegt. Die Öffentlichkeit hat sich längst an das Paralleluniversum in Moskau gewöhnt: Wenn der Kreml etwas sagt, muss das Gegenteil stimmen.  

Wladimir Putin unter der Lupe 

Dies ist jedoch keineswegs das erste Mal, dass Putin ernsthafte Gesundheitsprobleme nachgesagt werden. Hier eine kleine Auswahl der körperlichen Leiden, die dem russischen Staatschef im Laufe der Jahre zugesetzt haben sollen. Einige Diagnosen wurden ungewollt bestätigt, andere entsprangen wohl eher einem Wunschdenken. 

Ekzeme

Im Jahr 2003 veröffentlichte das Magazin "Kommersant-Wlastj" ein Foto eines Treffens zwischen Putin und Tony Blair, dem damaligen britischen Premierminister. Die Bildunterschrift lautete damals: "Am 29. April empfing Wladimir Putin Tony Blair in Nowo-Ogarjowo und scherzte viel mit dem Gast. Die Komik des Treffens wurde durch den Anzug des russischen Präsidenten unterstrichen, der offenbar noch für Boris Jelzin geschneidert wurde", scherzte das Blatt in Anbetracht des sichtlich zu groß geratenen Garderobe Putins.

Die Witzelei gefiel dem Putin-Kreis so gar nicht. Der Präsident sei gezwungen, weite Hosen zu tragen, weil er Ekzeme an den Beinen habe, ließ man verlauten. Und über eine Krankheit zu spotten, gehöre sich nicht.

Rückenprobleme

Im Oktober 2012 meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einer Quelle in der russischen Regierung, Putin leide unter Rückenschmerzen und müsse sich angeblich sogar einer schweren Operation unterziehen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow dementierte die Information, erzählte aber, Putin habe sich beim Sport einen Muskel gezerrt. Die Absagen von Putins Besuchen in der Türkei, in Pakistan und in einer Reihe anderer Länder, die in den Medien mit einer Erkrankung des Präsidenten in Verbindung gebracht wurden, erklärte Peskow jedoch mit organisatorischen Problemen. 

Wenig später aber verplapperte sich ein Kollege Putins. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko beklagte sich in einem Interview mit Reuters, er könne aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung des russischen Präsidenten nicht mit Wladimir Putin Hockey spielen. "Ich weiß, dass er ein Problem hat. Er liebt Judo. Da hat er einen Kerl hochgehoben, ihn runtergeworfen und dabei sich den Rücken verrenkt", wusste Lukaschenko in seiner angeberischen Art zu berichten. Auf der Website des belarussischen Präsidenten wurde sein Statement zu den Wirbelsäule-Problemen Putins später gelöscht.

Bei einem Auftritt am 4. November 2012 demonstrierte Putin selbst, dass an den Berichten um seine Rückenprobleme etwas dran ist. Bei einer Zeremonie auf dem Roten Platz hinkte der Staatschef unübersehbar. Das Humpeln war so deutlich, dass der Pressedienst des Kremls das entsprechende Video nicht auf der offiziellen Website veröffentlichte und sich nur auf Fotos beschränkte. Zudem verbot der Kreml den russischen Nachrichtenagenturen kategorisch das Hinken auch nur zu erwähnen.

Doch auf der Website des Patriarchats wurde das Video von der Zeremonie dennoch veröffentlicht – und verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer.

Die Probleme mit dem Rücken, könnten auf einen Sturz vom Pferd zurückzuführen sein. Am Anfang seiner Amtszeit begeisterte sich Putin für Pferdesport. Einer der Stürze aus dem Sattel soll so schwerwiegend gewesen sein, dass der Staatschef einige Zeit nicht "auf den Beinen stehen" konnte, erzählte einer seiner Weggefährten der angesehenen Investigativ-Plattform "Projekt". 

Rückenmarkkrebs

Im Januar 2014 veröffentlichte das amerikanische Magazin "The Week" einen Bericht, in dem behauptet wurde, Putin leide möglicherweise an Rückenmarkkrebs. Der Autor berief sich dabei auf "erfahrene Experten", denen zufolge eine solche Krankheit durchaus die Ursache für periodische Rückenschmerzen sein kann. Er behauptete gar, Putin habe aufgrund dieser Diagnose eine Begnadigung von Michail Chodorkowski befohlen, um vor "seinem bevorstehenden Tod sein Gewissen zu reinigen". Acht Jahre später ist Putin aber immer noch am Leben. 

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Im Oktober 2014 meldete die US-Zeitung "New York Post" in einer Beilage, dass bei Putin Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden sei. Der Autor des Artikels, der Journalist Richard Johnson, schrieb damals, der russische Präsident werde von einem älteren Arzt aus der ehemaligen DDR wegen der tödlichen Krankheit behandelt. Außerdem behauptete er, Putin sei eine Steroidinjektion verschrieben worden, die der russische Präsident jedoch nicht abgeschlossen habe, da der behandelnde Arzt nicht gerne nach Russland reise. Kreml-Sprecher Peskow dementierte diesen Bericht. 

Schilddrüsenkrebs

Die russische Investigativ-Platform "Projekt" brachte in diesem Jahr eine mögliche Krebs-Diagnose wieder ins Gespräch. Die Journalisten veröffentlichten Daten und Informationen zu dem Ärzte-Team, das Putin behandelt. Auffällig dabei: die fortwährende Betreuung durch einen Onkologen und zwei Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten. So soll der onkologische Chirurg Ewgeni Seliwanow binnen vier Jahren 35 Mal zu Putin allein nach Sotschi geflogen sein. Insgesamt habe dieser 166 Tage am Schwarzen Meer im Umfeld des russischen Präsidenten verbracht, berichtete "Projekt". Seliwanow gilt als Spezialist für Schilddrüsenkrebs. Der NHO-Arzt Alexej Schcheglow stattete in dieser Zeit Putin gar 59 Mal einen Besuch in Sotschi ab und blieb 282 Tage bei ihm. In den Zuständigkeitsbereich eines Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten fällt auch die Schilddrüsendiagnostik.

Ashley Grossman, Professorin für Endokrinologie an der Universität Oxford, verwies im Gespräch mit "New Lines" darauf, dass eine mögliche Krebserkrankung auch Putins verändertes Aussehen erklären könnte. In den vergangenen Monaten waren mehrfach Bilder aufgetaucht, auf denen der Kreml-Chef ein geschwollenes Gesicht hatte. "Putin war immer ein sehr fit aussehender Mann mit einem leicht hageren Aussehen", sagte Grossmann. "Aber in den letzten Jahren scheint er im Gesicht und am Hals fülliger geworden zu sein." Dieses Aussehen werde mit der Verwendung von Steroiden in Verbindung gebracht, die wiederum zur Behandlung von verschiedenen Arten von Lymphomen oder Myelomen eingesetzt werden.

Asperger-Syndrom

Im Februar 2015 veröffentlichte die US-Zeitung "USA Today" einen Artikel, dass im Pentagon bei Putin das Asperger-Syndrom vermutetet wird. Diese autistische Störung beeinflusse alle Entscheidungen des russischen Präsidenten, hieß es. Dies sei das Ergebnis einer Studie des Office of Comprehensive Program Evaluation des US-Verteidigungsministeriums, für die Videoaufnahmen des russischen Präsidenten ausgewertet worden seien. 

Ukraine-Krieg: Reporter aus Moskau über Putins Gesundheitszustand

Lepra

Im Sommer 2020 sorgte der Arzt und Professor Igor Gundarow für Aufsehen, als er behauptete, Putin sei an Lepra erkrankt. Der Kreml-Chef habe sich beim Ex-Präsidenten der Ukraine, Viktor Juschtschenko, angesteckt. In einem Interview mit dem Fernsehsender "Stalingrad" sagte Gundarow, dass viele berühmte Menschen an dieser Krankheit leiden würden, aber sie wüssten oft nicht einmal davon, weil erste Symptome der Krankheit erst fünf bis 30 Jahre nach der Infektion auftreten können. 

Juschtschenko ist aber wohl nicht an Lepra erkrankt. Er wurde im Präsidentschaftswahlkampf 2004 mit Dioxin vergiftet und dadurch lebensgefährlich verletzt, sein Gesicht wurde stark entstellt. Der heute 66-Jährige ist immer noch davon gezeichnet. Juschtschenkos Konkurrent war damals Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, der offen von Putin unterstützt wurde.

Parkinson 

Die Spekulationen, Putin könnte an Parkinson leiden, halten sich bereits seit Jahren. Seltsame Auftritte des Kreml-Chefs nähren immer wieder dieses Gerücht – zuletzt bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergei Schoigu und dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. In einem Video ist zu sehen, wie der Kreml-Chef mit seinem rechten Bein wippt und sich mit seiner rechten Hand fest an den Tisch klammert. "Putin hat Parkinson", schrieb daraufhin Louise Mensch, eine ehemalige Abgeordnete der britischen konservativen Partei. 

Experten erkannten auf den Aufnahmen jedoch keine Anzeichen für Parkinson. "Meiner Meinung nach gibt es keine Anzeichen für Parkinsonismus", sagte John Hardy, Neurogenetiker am UK Dementia Research Institute der "Deutschen Welle". "Er sah nicht gut aus... aber keine Parkinson-Erkrankung."

Ray Chadhuri, ein Neurologe an der Universität London, stimmte dieser Einschätzung zu. "Wenn ich mir den kurzen Clip ansehe, kann ich keinen Hinweis auf Parkinsonismus bei Putin finden", so Chadhuri.


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