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Abschaltungen Zwei Atomkraftwerke melden Zwischenfälle


Gleich zwei deutsche Atomreaktoren sind am Freitag abgeschaltet worden. Es handelte sich in Lingen und Philippsburg allerdings nach bisherigen Erkenntnissen nicht um größere Störfälle. Immerhin wurde der Reaktor in Lingen per Schnellabschaltung heruntergefahren.

Nach dem Pannenmeiler Krümmel ist auch das Atomkraftwerk Lingen im Emsland wegen eines Trafoschadens abgeschaltet worden. Eine Überwachungseinrichtung am Schalter eines Maschinentrafos habe das Kraftwerk in den frühen Morgenstunden vom Netz getrennt, teilte der Betreiber RWE Power am Freitag in Lingen mit. Dadurch sei eine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst worden. Man habe den Vorfall der Stufe 0 der internationalen Störfallskala Ines zugeordnet.

Auch ein Block des Kernkraftwerks Philippsburg bei Karlsruhe wurde vom Netz genommen. Als Grund nannte der Betreiber Energie EnBW die Suche nach einem möglichen Fehler im Bereich der Maschinentransformatoren. Messungen hätten ergeben, dass die Isolationseigenschaft des Öls der Isolierkerzen eventuell vermindert sei. Der Block 2 habe vom Netz genommen werden müssen, weil während des laufenden Betriebs keine Ölproben entnommen werden könnten. Die Aufsichtsbehörde, das Umweltministerium Baden-Württemberg, sei informiert. Eine Meldepflicht bestehe derzeit nicht.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers ist in Longen noch unklar, warum die Überwachungseinrichtung um Freitagmorgen gegen 3 Uhr Alarm gab. Nach der genaueren Ursache der Schnellabschaltung werde noch gesucht. Die Analysen würden noch rund zwei Tage dauern, solange werde das Atomkraftwerk abgeschaltet bleiben.

Eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums sagte, nach ersten Erkenntnissen habe ein Fehler in der Überwachungseinrichtung zu der Schnellabschaltung geführt. Beamte der niedersächsischen Atomaufsicht seien zusammen mit Experten des TÜV vor Ort, um das Ereignis zu untersuchen. Vorsorglich habe man auch den Hersteller des Maschinentrafos informiert. Dieser sei aber augenscheinlich nicht Ursache der Störung.

Der Stufenschalter, dessen Überwachungseinrichtung die Schnellabschaltung auslöste, regelt den Strom, den die Turbine des Kraftwerks über den Trafo an das Netz abgibt. Das AKW Lingen hat eine Leistung von 1400 Megawatt. Es produziert seit 1988 Strom und gehört damit zusammen mir den Reaktoren Isar 2 und Neckarwestheim 2 zu den drei jüngsten deutschen Atommeilern. Ab Januar durfte das AKW bis zu seiner Abschaltung noch eine Restrommenge von 131.000 Gigawattstunden produzieren. Eine höhere Strommenge stand nur noch dem Reaktor Neckarwestheim 2 zu.

Der Atommeiler Krümmel wurde am 4. Juli nach einem Kurzschluss in einem Trafo ebenfalls abgeschaltet worden und steht seither still. Das AKW in Schleswig-Holstein war eine Woche vor dem Störfall nach zweijähriger Reparaturpause erstmals wieder ans Netz gegangen.

Mehrheit für Atomausstieg

Angesichts der Pannenserie im Krümmel schwindet in der Bevölkerung die Unterstützung für die Atomkraft. Nur noch 39 Prozent der Bundesbürger befürworten, dass der Atomausstieg in Deutschland später als im Jahr 2021 erfolgen soll, wie das ZDF-Politbarometer ergab. Eine klare Mehrheit von 55 Prozent unterstützt dagegen den gesetzlich vorgesehenen Ausstieg bis 2021. Vor einem Jahr sprachen sich noch 54 Prozent für einen späteren Atomausstieg aus. Damals war die Diskussion von hohen Energiepreisen geprägt. Die deutschen Atomkraftwerke halten der aktuellen Umfrage zufolge 61 Prozent aller Befragten für sehr sicher oder sicher und 35 Prozent für weniger sicher oder überhaupt nicht sicher.

AP AP

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