VG-Wort Pixel

Baden-Württemberg und Hessen Südländer schließen Castor-Aufnahme nicht generell aus


Kommt Bewegung in die Zwischenlager-Frage? Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander fordert Alternativen in anderen Bundesländern. Baden-Württemberg und Hessen schließen es nicht grundsätzlich aus, künftig auch Castoren zu übernehmen.

Baden-Württemberg wäre offenbar unter Umständen bereit, künftig auch Castoren zu übernehmen, die noch aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich oder Großbritannien nach Deutschland transportiert werden sollen. Bayern lehnt dagegen den Vorschlag strikt ab, Gorleben durch Lagerung der Atombehälter an süddeutschen AKW-Standorten zu entlasten. Das von Greenpeace stammende Konzept war von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) aufgegriffen worden.

Laut dem Stuttgarter Umweltministerium sind die Zwischenlager an den beiden AKW-Standorten im Land, Philippsburg und Neckarwestheim, derzeit so bemessen, dass sie nur die dort bis zur Stilllegung anfallenden radioaktiven Abfälle aufnehmen können. "Wir sehen deshalb keine großen Chancen für den Sander-Vorschlag", sagte ein Ministeriumssprecher der "Frankfurter Rundschau". Das bedeute aber "kein völliges Nein" zur dezentralen Zwischenlagerung. Er verwies darauf, dass ohnehin geprüft werde, ob die Castoren in Standort-Zwischenlagern enger gestellt werden könnten, da durch die AKW-Laufzeitverlängerung mehr abgebrannte Brennstäbe anfallen.

In Bayern wird ein strikter Kurs gefahren

Uneinheitlich ist die Position dagegen im Atomland Hessen. Anders als seine Umweltministerin Lucia Puttrich wies Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) das Ansinnen nicht grundsätzlich zurück. "Wenn ein Zwischenlager gesucht wird, können wir als Hessen nicht sagen, überall, nur nicht bei uns", zitierte ihn der Sender HR-Info. Die Ministerin hatte zuvor gesagt: "Die Genehmigung des Zwischenlagers in Biblis lässt die Lagerung von Castoren mit Abfällen aus der Wiederaufbereitung nicht zu." An dem bestehenden Lagerkonzept für Brennelemente sei nicht zu rütteln.

In Bayern wird ein strikter Kurs gefahren: Die Lagerung von Material aus Wiederaufbereitungsanlagen sei in den AKW-Lagern nicht zugelassen. "Die Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ist eindeutig", sagte eine Sprecherin des Umweltressorts.

Greenpeace: "Die Öffentlichkeit wird getäuscht"

Greenpeace-Sprecher Tobias Münchmeyer wies dies zurück: "Damit wird die Öffentlichkeit getäuscht." Die Genehmigung für die Zwischenlager ließen sich für Wiederaufbereitungs-Abfälle erweitern, dies habe man juristisch prüfen lassen.

Niedersachsens Umweltminister Sander hatte dafür plädiert, Alternativen zur Einlagerung der Castoren zu prüfen: "Der Protest wäre bestimmt weit geringer. Das würde Niedersachsen entlasten." Greenpeace argumentiert, die Hälfte des Atommülls stamme ursprünglich aus den AKW in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg, nur 20 Prozent aus Niedersachsen.

zen/Reuters/DAPD/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker