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Berlin³: Franziska Giffey plant ihren Aufstieg: der Stoff, aus dem die SPD-Träume sind

(Noch-)Bundesfamilienministerin Franziska Giffey könnte die erste Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Und dann?  SPD-Vorsitzende. Und dann? Abwarten, meint stern-Hauptstadtreporter Axel Vornbäumen.

Franziska Giffey

Kurs Rotes Rathaus? Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will sich um den Landesvorsitz der SPD in Berlin bewerben

DPA

Vergangenes Wochenende war Franziska Giffey in Nürnberg. Die Familienministerin tauchte, wie es hieß, einigermaßen "überraschend"auf der Klausurtagung der SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses auf, hielt eine kurze Rede und lobte dabei Berlin als "tolle Stadt". So weit, so gut. Noch besser war, dass Giffey offenkundig im Anschluss an ihren Auftritt im Tagungshotel sogar von Nicht-Sozialdemokraten erkannt und um Selfies gebeten wurde. So etwas können in diesen Tagen nicht allzu viele Sozis von sich behaupten, die beiden neuen SPD-Vorsitzenden inklusive.

Man muss das nicht zu hoch hängen, aber eines stimmt schon: Die 41-Jährige umgibt als eine von ganz wenigen Sozialdemokratinnen in diesen Zeiten jener Resthauch von Popularität und Prominenz, der eine wie sie auch mal auf (noch) bedeutendere Posten wehen kann. Um es kurz zu machen: Seit der Ankündigung des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, im Mai nicht mehr für den Vorsitz der Berliner SPD zu kandidieren, ist der Weg nach ziemlich weit oben für sie frei. Quasi mit Verkündung Müllers ist Giffey auch erste Anwärterin auf den Posten des Regierenden Bürgermeisters, der dann der einer Regierenden Bürgermeisterin wäre, erstmals in der Geschichte Berlins – und zwar ganz unabhängig davon, ob der uninspirierte Müller nun noch bis zu den Wahlen im nächsten Jahr im Amt bleiben will oder (was besser wäre) vorher geht.

Wie weit geht's für Franziska Giffey nach oben?

Es ist der Stoff, aus dem die Träume sind, der "Stairway to Polit-heaven" sozusagen: Giffey, klappt alles so wie gedacht, stünde dann in einer Reihe mit Ernst Reuter, Willy Brandt und Richard von Weizsäcker. Und vermasselt sie es nicht so total wie Technokraten-Müller, gilt dann in Anlehnung des Reuter-Satzes "Schaut auf diese Stadt" ganz zwangsläufig die Aufforderung "Schaut auf diese Bürgermeisterin". Oh ja, Berlin kann Sprungbrett sein.

Genossen-intern hat Giffey ja ohnehin längst den Status einer Hoffnungsträgerin. Das mag einerseits mit der überschaubaren Hoffnungsträgerdichte in der SPD zusammenhängen. Hat andererseits aber auch mit dem leutseligen Pragmatismus zu tun, der Giffeys Politikstil prägt. Der wird übrigens auch beim politischen Gegner anerkannt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beispielsweise hält große Stücke auf seine Kabinettskollegin. Das will was heißen.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Ist da nun also wieder ein erstes Lichtlein am Ende des Tunnels zu entdecken, durch den die Sozialdemokratie seit Jahren kriechen muss? Abwarten. In Umfragen nähert sich die SPD bundesweit bedenklich der Zehn-Prozent-Schwelle. Die Zeiten sind trist. Und auch in Berlin ist der Machterhalt kein Selbstläufer.

Franziska Giffey – die Kandidatin der Herzen?

Ja, hätte sich der Schlammassel mit den Plagiatsvorwürfen in ihrer Doktorarbeit (sie durfte nach längerer Prüfung ihren Titel behalten) nicht so ewig hingezogen, wäre Giffey wohl aufs Kandidaten-Karussell um den SPD-Vorsitz aufgesprungen, hätte vermutlich gewonnen und könnte nun ganz anders als ...

Stopp! Die Sehnsucht mag groß sein bei vielen Sozis, dass nun mit Verspätung alles ganz schnell geht. Dass das neue Führungsduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken nur ein Platzhalter für die Kandidatin der Herzen ist. Franziska Giffey aber wird wissen, dass es meist besser ist, wenn man die Treppe nach oben besser Schritt für Schritt nimmt.

wue