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Berlin vertraulich! Immerhin - Riexinger war mal Pfadfinder


Wie orientiert sich der neue Linken-Chef Riexinger im Berlin Dschungel? Was hat Ramauser auf polnischen Bierdosen zu suchen? Und: Es gibt eine neue Nationalhymne. Zumindest einen Vorschlag.
Von Hans Peter Schütz

Als "Letztes Aufgebot" hat die Berliner Zeitung den neuen Linksparteichef Bernd Riexinger in Berlin begrüßt. Mit dem unüberhörbaren Unterton: Dieser Schwabe weiß nichts von Berlin und wie Politik dort läuft sowieso nicht. Eine arge Fehleinschätzung! Riexinger braucht ganz bestimmt nicht jenes in Flaschen abgefüllte Leitungswasser zu kaufen, das ab Herbst feilgeboten wird, um "Berlin-Gefühl" zu vermitteln. Denn seine politische Karriere hat Riexinger vergangene Woche sehr sachkundig gestartet. Wo und wie? Natürlich im "Café Einstein", wo zuweilen mehr Politik gemacht wird als im Bundestag. Dort gab er sein erstes Interview, ehe er in Berlin auch nur eine feste Bleibe gefunden hatte. Zunächst bleibt Stuttgart sein Hauptwohnsitz, dort lebt er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und der 19-jährigen Tochter. In der Hauptstadt ist er von Montag bis Donnerstag. Und vorerst muss er auch viele unpolitische Fragen beantworten. Woher er denn komme? Riexinger: "Geboren in Leonberg. Aufgewachsen in Hausen an der Würm." Wooo? Kennt natürlich keiner, also klärt er auf: "Nahe bei Pforzheim." Wann ist er zur Linkspartei gekommen? 2004 war er Mitbegründer der WASG im Ländle und deren Landessprecher. 2007 wechselte er zur Linkspartei, denn "ich war immer links von der SPD". Die sei schon damals keine "Partei gewesen, die die soziale Frage in den Mittelpunkt stellt", sagt der gelernte Gewerkschafter. Er werde sich in Berlin nicht verirren, ist sich Riexinger sicher. "Ich war schließlich mal Landesvorsitzender des Bundes deutscher Pfadfinder." Die seien schon zu seiner Jugendzeit "auf dem richtigen Kurs marschiert: links und antiautoritär". Na ja, dann kann es auch mit der Linkspartei nicht schief gehen! Dass er in Berlin zuweilen als "Herr Ratzinger" angesprochen wird, trägt er mit Fassung. Als Papst Benedikt XVI der Linkspartei fühlt er sich nicht. Das Pastorale gehöre nicht zu seinen Eigenheiten. Er will seine Partei nicht gesundbeten, aber ihr klar sagen, wohin es mit ihr gehen soll.

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Heiß gehandelt in der politischen Spekulation: Wolfgang Schäuble nönnte nach der Wahl 2013 Bundestagspräsident werden. Als Nachfolger im Amt des Bundesfinanzministers wird Thomas de Maizière erwartet, derzeit Verteidigungsminister. Denn der gilt seit dem Abgang von Norbert Röttgen als "Muttis neuer Liebling". *

Heiklen Fragen sah sich dieser Tage Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ausgesetzt. Etwa der, ob denn das bayerische Bier so schlecht sei, dass er neuerdings für polnischen Gerstensaft Reklame mache. Das werde niemals geschehen, versicherte er. Erklären aber konnte er nicht, weshalb auf einer Dose des polnischen Tatra-Biers ein Bauer mit Trachtenhut abgebildet ist, der genau Ramsauers Züge trägt. Er habe auch keinen Werbevertrag mit der polnischen Brauerei, versichert er. Im Interesse guter deutsch-polnischer Beziehungen werde er, so Ramsauer, gegen die Brauerei auch nicht vorgehen.

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Interessante Post von dem Schriftsteller Herward Eylers, alias Howard Ayles, hat vergangene Woche Bundespräsident Joachim Gauck bekommen. Darin wurde ihm von Eylers nicht weniger als eine neue deutsche Nationalhymne vorgeschlagen. Ein Text lag bei, "vielleicht aber zum Absingen noch nicht geschmeidig genug". Eylers Urteil über die bisherige Nationalhymne: "Sie ist teilweise falsch, missverständlich, unschön, einfallslos, veraltet, verstaubt, machohaft." Nur weil man sie, so der Schriftsteller, "innerlich strammstehend und mit Gänsehaut eben als Hymne singt, muss sie noch lange nicht gut sein". Als "entstaubter, entrümpelter" Text der Nationalhymne wird von ihm vorgeschlagen:

"Deutschland, Deutschland, über alles
liebt mein Herz es in der Welt,
wenn es Wort, die Rechte aller
zu verteidigen, stets hält."

Und weiter:

"Auferstanden aus Ruinen
und dem Unrecht abgewandt.
Ja. So lieben wir es alle,
unser schönes deutsches Land."

Und am Ende lautet der vorgeschlagene Text:

"Nie mehr Fahnen und Parolen,
folgen wir, nur dem Verstand. Recht
und Freiheit woll´n wir leben
einiglich mit Herz und Hand."

Was laut Ayles, der auch Gedichte schreibt, für den neuen Text spricht: Er beziehe sich nicht nur auf den männlichen Teil der Bevölkerung, sei "ehrlicher, sachlicher" als die alte Hymne, und enthalte eine eindeutige Absage an Fahnen, Zeichen, Symbole und Parolen des Faschismus, Stalinismus, religiösem Fanatismus. Den "Rattenfängern" wollen wir nie wieder auf den Leim gehen."

Die Deutschen sollten nicht länger ein "Vaterland" unbedingt um jeden Preis lieben, sondern ein Deutschland, als liebenswerten Staat, "der ein Rechtsstaat nicht nur von der goldenen Überschrift her ist und seine Bürger schützt und nicht missbraucht".

Antwort von Gauck gibt es bislang nicht, was bei Eylers die Befürchtung weckt, seine Hymne könnte vielleicht in den Müll des Präsidialamts gewandert sein. Wenn ja, dann bestimmt nur versehentlich.


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