HOME

Berlin vertraulich!: Käßmann schlägt Guttenberg

Er hat in den Medien zwar hohe Wellen geschlagen, aber im internen Ranking des Herder-Verlags liegt "KT" deutlich hinter Ex-EKD-Chefin Margot Käßmann. Und noch deutlicher hinter einem weiteren Würdenträger.

Von Hans Peter Schütz

Wetten, dass... Karl-Theodor zu Guttenberg beim deutschen Adel nicht so schnell in Ungnade fällt, auch wenn er nicht nur bei seiner Doktorarbeit abgekupfert hat. Sondern zum Beispiel auch auf 13 von 23 Textseiten seines Aufsatzes mit dem Titel "Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU - eine privilegierte Partnerschaft." Das hat jetzt die Internet-Plattform GuttenPlag enthüllt. Dass derlei Schmu sein Ansehen in Kreisen des deutschen Adels schmälert, ist jedoch unwahrscheinlich. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, in der Adelsskala weit oberhalb der Guttenbergs angesiedelt, leistete dem Plagiator jedenfalls bereits im Februar Beistand. "Ich habe häufig abgeschrieben", sagte sie dem "Focus". "Sonst wäre ich ja auch nicht bis zur mittleren Reife gekommen!"

*

Übrigens hat Karl-Theodor zu Guttenberg die 80.000 Exemplare der Erstauflage seines Interviewbuches "Vorerst gescheitert" schon verkauft, 35.000 werden gerade nachgedruckt. Das spielt seiner Haushaltskasse ein hübsches Sümmchen ein. Im internen Ranking des Herder-Verlags liegt "KT" gleichwohl weit hinten. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat von ihrem Buch "In der Mitte des Lebens" inzwischen mehr als 420.000 an den Leser gebracht, Papst Benedikt XVI. schlug mehr als 500.000 Stück seines Bestsellers "Jesus von Nazareth" los. Das kann dem überehrgeizigen Freiherren eigentlich nicht gefallen. Aber, ist ja klar: Sollte er den Papst doch noch überrunden, würde er das natürlich nie mit "Vorsatz" tun.

*

Seit Michael Adam, blutjung, schwul, evangelisch und Sozi im bayerischen Kreis Regen mit 42 Prozent den Posten des Landrats erobert hat, glaubt auch die lange politisch verunsicherte bayerische SPD wieder an sich selbst. Das hat auch die Berliner Landesgruppe der SPD-Abgeordneten aufgemuntert, zumal Adam der sensationelle Wahlerfolg ausgerechnet im Wahlkreis des urbayerischen CSU-Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken gelang. Wie der SPD-Landesgruppenschef Martin Burkert berichtet, führt der SPD-Aufschwung sogar zu organisatorischen Problemen. Bisher feierte die SPD den politischen Aschermittwoch im "Wolferstetter Keller" in der Gemeinde Vilshofen. Der bietet Platz für maximal 600 Gäste. Doch zum nächsten Aschermittwoch muss jetzt in Vilshofen ein gewaltiges Zelt aufgebaut werden, weil sich bereits 2000 Besucher angemeldet haben. Selbst aus dem Ausland reisen Fans an, wenn nächstes Jahr dort Adam, SPD-Chef Gabriel und Christian Ude, SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013, gemeinsam antreten. Burkert hält es inzwischen sogar für möglich, den Besucherandrang zum CSU-Aschermittwoch 2012 in Passau zu übertreffen. "Dann sind wir endgültig auf Augenhöhe mit der CSU. Es gibt eine klare Machtperspektive für die SPD in Bayern."

*

Thomas Strobl, CDU-Landeschef in Baden-Württemberg und Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble, hat jetzt einen neuen Journalistentreff in Berlin ins Leben gerufen, den so genannten "Brezelkreis ". Dort will er künftig über politische Interna informieren und diskutieren. Beim ersten Treffen verblüffte er die Presseleute mit ungewöhnlichem Lob auf den grünen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Trotz der Schlappe bei Stuttgart 21 stehe der "Landesbischof" Kretschmann, so Strobl, "kurz vor der Heiligsprechung."

*

SPD-Kanzlerkandidaten-Kandidat Peer Steinbrück ist immer einen Tick zu schnell. So war es auch vergangene Woche in der Astor Filmlounge am Berliner Kudamm. Auf Einladung der Deutschen Filmakademie stellte Steinbrück dort den Streifen vor, der ihn am meisten beeindruckt hat: Es ist "Dear Hunter" ("Die durch die Hölle gehen") von Michael Cimino, ein episches Drama über den Vietnam-Krieg aus dem Jahr 1978. Das Problem: In seinem Einführungsvortrag schilderte Steinbrück den Inhalt minutiös und killte damit jegliche Spannung. Als ihn Akademiepräsidentin Iris Berben dann auf der Bühne die Frage stellte "Mal angenommen, sie wären in einer herausgehobenen politischen Position …" unterbrach Steinbrück sie sofort, weil er keine Silbe zur K-Frage hören wollte: "Ich sage mal: Film ab!", flehte er vor dem feixenden Publikum. Dabei wollte Berben nur etwas ganz harmloses wissen: Nämlich ob Steinbrück den deutschen Film als Wirtschafts- oder Kulturgut sehe. Steinbrück antwortete mit einem diplomatischen "beides", räumte aber ein, dass der Film für ihn auch schierer Zeitvertreib sein kann. Privat jedenfalls schaue er sich mit seiner Frau derzeit die zweite Staffel der englischen Adelsserie "Downton Abbey" an. Womöglich reflektiert das Plan B des konservativen Sozialdemokraten: Wenn schon nicht Kanzler, würde ihm der Titel "Sir" vielleicht auch reichen.