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Berlin vertraulich!: Schäubles Dinner auf Schloss Bellevue

Fasan gab es, Kabeljau und Schlosspark-Quitte - aber Finanzminister Schäuble dürfte sich über das Gespräch noch mehr gefreut haben. Bundespräsident Gauck hatte ihn zu einem privaten Dinner gebeten.

Von Hans Peter Schütz

Ein ganz besonderes Geschenk hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ein wenig verspätet zu seinem 70.Geburtstag bekommen: ein privates Dinner mit Bundespräsident Joachim Gauck auf Schloss Bellevue. Serviert wurden Roulade mit Kraftbrühe vom mittelfränkischen Fasan, Kabeljau und Bauchspeck mit Ferkelbäckchen sowie Schlosspark-Quitte. Mehr als das Drei-Gänge-Menü dürften Schäuble die Worte gemundet haben, mit denen Joachim Gauck ihn würdigte. Ohne Schäuble, so Gauck, wäre die Einheit Deutschlands weniger gut gelungen. Im Herbst 1990 sei ihm in der Person Schäuble der erste hochrangige westdeutsche Politiker begegnet, der "intensiv zuhörte und verstand, dass wir eine Öffnung der Stasi-Unterlagen wirklich wollten". Gauck gestand, er sei "ergriffen vom ruhigen Ernst und vom Weitblick dieses Mannes, dem das Nahe und Kleine vertraut ist, der aber dennoch vollkommen sicher das Wichtigste herausspürt". Und Gauck dankte den Offenburgern, dass sie Schäuble wieder in ihrem Wahlkreis als Direktkandidat nominiert hätten – "wie schon seit unglaublichen 40 Jahren".

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Warum steigt Ulrich Maurer aus und kandidiert 2013 nicht mehr für den nächsten Bundestag? Nicht etwa, wie man vermuten könnte, weil er frustriert ist von den ewigen Stellungskämpfen der Linkspartei. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, bis 1999 baden-württembergischer SPD-Chef und bis 2001 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart, hat sich, wie er stern.de verriet, aufgrund einer klugen Redensart zum Aufhören entschieden: "Es gibt schließlich ein Leben vor dem Tod." Maurer, verheiratet mit der ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Christine Rudolfs, will sich in Zukunft mehr mit seinen beiden Kindern beschäftigen als mit der Zukunft des Sozialismus, was vielleicht auch erfreulicher ist. Außerdem sagt er: "Es gibt zu viele, die nicht loslassen können." Ob auch sein Freund Oskar Lafontaine gemeint sein könnte?

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Der CDU-Bundesparteitag in Hannover zeichnet sich durch ungewöhnliche Nähe zu den Gewerkschaften aus. Zum ersten Mal sind alle Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften sowie der ganze DGB-Vorstand zu Besuch. Wollen sie sich bei Kanzlerin Merkel einschmeicheln? DGB-Chef Michael Sommer winkt ab: Sie seien nur da, weil zufällig zur gleichen Zeit auch der DGB in Hannover tage. Es bleibe dabei: "Wir sind parteipolitisch unabhängig, aber nicht neutral." Die CDU werde in Hannover allein an den Ergebnissen gemessen.

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Der renommierte Journalist Peter Blechschmidt wird am 1. Januar neuer Sprecher der FDP, deren bisheriger Pressemann Wulf Oehme, 64, in den Ruhestand geht. Blechschmidt hat zuletzt 13 Jahre für die "Süddeutsche Zeitung" in Berlin gearbeitet – Schwerpunkt: die FDP. Früher war er beim stern und Chefredakteur des deutschen Dienstes der Nachrichtenagentur Reuters. Er ist ebenfalls 64 und daher müssen sich die Liberalen mit spöttischen Kommentaren zum neuen Sprecher auseinandersetzen: Weil sie unsicher seien, ob sie wieder in den Bundestag einziehen, hätten sie einen Pressesprecher engagiert, der ebenfalls bald Rente bekomme. Das schone im Fall des Falles die Parteifinanzen. Das stimmt gewiss nicht, denn Blechschmidt wartet nicht sehnsüchtig auf den Ruhestand. Er freut sich darauf, dass die FDP mit ihrem Stuttgarter Dreikönigstreffen und der Landtagswahl in Niedersachsen in aufregende Zeiten steuert.

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Rednerandrang beim FDP-Dreikönigstreffen. Es wollen politische Signale setzen: Noch-Parteichef Philipp Rösler, Vielleicht-Parteichef Rainer Brüderle, Vielleicht-Vielleicht-Parteichef Dirk Niebel, die Noch-Landesvorsitzende Birgit Homburger und FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Da war keine Redezeit mehr frei für FDP-Generalsekretär Patrick Döring. Der muss jetzt einen Tag früher auf dem Stuttgarter FDP-Landesparteitag reden. Ob Niebel wirklich FDP-Chef werden will anstelle von Rösler, wie er in einem Interview andeutete ist ungewiss. In der Berliner Szene macht man sich lustig über den Entwicklungshilfeminister: Es gebe tatsächlich einen, der meine, Dirk Niebel könne FDP-Chef werden. Seine Name: Dirk Niebel. Auf dieses Bonmot hin darf laut gelacht werden, was derzeit bei den Liberalen selten der Fall ist. Aber: Niebel wollte auch mal das Entwicklungshilfeministerium abschaffen und wurde dann Entwicklungshilfeminister. Seitdem hält man beim Kandidaten Niebel alles für möglich.