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Bombenfunde: Bahnhöfe als Hochsicherheitszone?

Vor der Bahnfahrt Taschenkontrolle und Leibesvisitation wie auf dem Flughafen? Unionspolitiker haben zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei der Bahn gefordert. Dort hält man wenig von diesen Vorschlägen.

"Wir müssen die Schwelle zur Abschreckung möglicher Täter erhöhen", sagte der CDU-Innenpolitiker Clemens Binninger der "Passauer Neue Presse" vom Donnerstag. Er plädiere daher für eine durchgängige Videoüberwachung mit Aufzeichnung auf den deutschen Bahnhöfen. Die Bahn kann diesem Vorschlag wenig Positives abgewinnen. Denn der Vorteil der Bahn sei ihre Offenheit, die bei intensiveren Kontrollen verloren ginge, sagt Sprecher Michael Baufeld. Die Bahn ist ein offenes System und das wollen wir uns erhalten." Zudem werden schlecht einsehbare Bereiche oder auch Fahrscheinautomaten auf größeren Bahnhöfen schon per Kamera überwacht, sagt Baufeld. "Ich weiß nicht, ob eine Ausdehnung zu mehr Sicherheit führen würde. Auch gibt es keine 100-prozentige Sicherheit."

"Vergleich mit Flughäfen greift nicht"

Doch die Union fordert sogar Videoüberwachung in Zügen. CSU-Politiker Stephan Mayer: "Das erhöht die Sicherheit und trägt zur Abschreckung bei", sagt er. "Was in Madrid und London geschehen ist, kann auch in München oder Berlin passieren", warnt er. Der CSU- Bundestagsabgeordnete Norbert Geis sprach sich für ähnliche Sicherheitskontrollen bei Bahn- wie bei Flugreisen aus. "Wir können es nicht darauf ankommen lassen, dass die erste Bombe in einem ICE explodiert", mahnte er. Die Bahn weist diese Forderungen zurück. "Der Vergleich greift nicht. Wir haben rund 5700 Stationen und jährlich fünf Milliarden Passagiere und Besucher in den Bahnhöfen. Das sind einfach andere Dimensionen", sagt ein Sprecher. Es gebe zwar Kameras in Zügen ohne Schaffner, vor allem in S-Bahnen. Aber, so der Sprecher, "eine flächendeckende Videoüberwachung ist nicht praktikabel".

Ermittler untersuchen Bomben

Nach den Bombenfunden in Zügen in Dortmund und Koblenz hoffen die Ermittler auf Erkenntnisse aus der Untersuchung der Sprengsätze. Die kriminaltechnische Auswertung der in Dortmund und Koblenz aufgetauchten Koffer und ihres Inhalts sei aber noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe. Er bestätigte Medienberichte, wonach eine Tüte mit Speisestärke gefunden worden sei. Die Bundesanwaltschaft gebe aber "keine Bewertung" des Fundes ab und werde sich nicht an Spekulationen beteiligen.

"Focus online" hatte einen nicht genannten Ermittler mit der Vermutung zitiert, der oder die Täter hätten damit womöglich einen chemisch-biologischen Anschlag vortäuschen wollen. Denn nach einer Explosion hätte sich die aus weißem Pulver bestehende Stärke überall verteilt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatten Unbekannte weltweit Päckchen mit dem Milzbranderreger Anthrax verschickt, der in weißer Pulverform vorkommt.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen der in zwei Regionalzügen gefundenen Sprengsätze gegen unbekannt wegen eines möglichen terroristischen Hintergrunds. Unklar ist aber nach wie vor, ob ein Terroranschlag oder eine Erpressung der Bahn geplant war, oder ob es sich um die Tat eines verwirrten Menschen handelt.

Malte Arnsperger mit Material von Reuters und DPA