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SPD im Aufwind: Bringt Martin Schulz eine linke Mehrheit zustande?

Die Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidaten bringt der SPD immer bessere Umfragewerte. Laut einer neuen Erhebung soll derzeit sogar ein Regierungsbündnis mit Linken und Grünen realistisch sein.

Martin Schulz und die SPD hoffen auf Erfolg

Dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz schlägt zur Zeit viel Begeisterung entgegen

Die SPD reitet dank der großen Sympathie für ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf einer Erfolgswelle. Die Umfrageergebnisse sind derzeit sogar so gut, dass SPD, Grüne und Linke auf eine rot-rot-grüne Mehrheit nach der Bundestagswahl am 24. September hoffen dürfen.

Einer Umfrage zufolge liegen die drei Parteien in der Wählergunst mit zusammen 48 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder knapp vorn, wie die "Bild" unter Berufung auf eine Insa-Befragung berichtete. In anderen Umfragen hat Rot-Rot-Grün jedoch unverändert keine Mehrheit.

SPD, Grüne und Linke nähern sich langsam an

Seit längerem gibt es zwischen SPD, Grünen und Linken Lockerungsübungen. Für Dienstagabend war nun ein Treffen der Parteimanager von SPD, Grünen und Linken angesetzt. Dabei wollten SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner und sein Kollegen von der Linkspartei, Matthias Höhn, über Gemeinsamkeiten und Trennendes reden. Alle drei Parteien ziehen jedoch ohne Koalitionsfestlegungen in den Wahlkampf.

Die Union reagierte auf die rot-rot-grünen Zahlenspiele erwartungsgemäß. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Jetzt ist es amtlich: Seit Schulz da ist, werden die Planungen für die rot-rot-grüne Linksfront intensiviert. Die meinen es ernst." Die Union werde nicht zulassen, "dass Rot-Rot-Grün Deutschland herunterwirtschaftet".

Linkes Regierungsbündnis seit längerem ein Thema

Rot-rot-grüne Anhänger bei SPD, Grünen und Linken reden allerdings seit langem miteinander und nicht erst, seit Schulz Ende Januar zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde. So nahm im Oktober Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel an einem Treffen mit vielen Bundestagsabgeordneten teil.

An diesem Mittwoch soll in einem rot-rot-grünen Kreis über Leitlinien für eine restriktivere deutsche Rüstungsexportpolitik gesprochen werden, wie der SPD-Abgeordnete Frank Schwabe mitteilte. Noch vor der Sommerpause soll außerdem ein im Januar geplatzter Termin mit Schulz nachgeholt werden.

In allen drei Parteien gibt es unverändert erhebliche Widerstände gegen Rot-Rot-Grün. Zudem bemüht sich die Union um die Grünen. Nach Angaben von Grünen-Parteichef Cem Özdemir haben sowohl SPD als auch Union um Gespräche mit seiner Partei gebeten: "Beide wissen, dass sie nicht alleine regieren können, dass sie auf Partner angewiesen sind", sagte Özdemir.

Martin Schulz als rot-rot-grüner Bundeskanzler?

Eine Koalition mit der SPD im Bund dürfte die Linkspartei vor eine Zerreißprobe stellen. Positionen der Linken zur Europa- und Sicherheitspolitik werden wiederum in der SPD als größtes Hindernis gesehen. Zuletzt betonte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auf einer Linie mit Schulz, dass seine Partei keine Rücksicht auf die möglichen Partner im linken Lager nehmen werde. "Die Union will einen Lagerwahlkampf. Den Gefallen werden wir ihr nicht tun", sagte er.

Eine Koalition mit Grünen und Linken ist nach aktuellen Umfragen die wahrscheinlichste Möglichkeit für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, nach der Wahl Bundeskanzler zu werden, da die Union vor der SPD liegt. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, käme die SPD laut Insa auf 31 Prozent, die Linkspartei auf zehn Prozent und die Grünen auf sieben Prozent. Das sind zusammen 48 Prozent. Die Union bringt es auf 30 Prozent, die AfD auf zwölf Prozent und die FDP auf fünf Prozent.

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mrk / DPA