Bundespräsidenten-Wahl Standing Ovations für Gauck


Für das Publikum im Deutschen Theater von Berlin ist der Fall klar: Joachim Gauck muss der neue Bundespräsident werden. Mit einer nachdenklichen Grundsatzrede hat der Kandidat von Grünen und SPD die Leute von den Stühlen gerissen. Selbst ein prominentes CDU-Mitglied stimmte in die Standing Ovations ein.

In einer umjubelten Grundsatzrede hat der Kandidat von SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck, Wirtschaft, Politik und Parteien gegen wachsende Kritik verteidigt. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler warnte am Dienstag im Deutschen Theater in Berlin davor, die Grundlagen von Freiheit und Demokratie in Zeiten der Krise in Frage zu stellen. Stehenden Beifall erhielt Gauck für seine Ausführungen auch vom ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU), der sich für eine Freigabe der Abstimmung am 30. Juni in der Bundesversammlung ausgesprochen hat.

An der von einem Unterstützerkreis für Gauck aus der Netzwelt organisierten Veranstaltung nahmen auch die Partei- und Fraktionsspitzen von SPD und Grüne teil.

Biedenkopf riss es von seinem Sitz

Der ehemalige Leiter der Stasi-Akten-Behörde sagte in seiner Rede, jetzt sei Tatkraft gefragt: "Wir haben den vorhandenen Sachverstand und unseren - freilich dürren - Mut zusammenzubringen, um den aktuell nächsten Schritt zu tun!" Die Zuschauer des überfüllten Theaters quittierten seine Ausführungen mit minutenlangem Beifall. Biedenkopf erhob sich mit den anderen Zuhörern von seinem Sitz, um Gauck zu applaudieren und zu gratulieren.

SPD-Chef Sigmar Gabriel wertete das Kommen des CDU-Politikers als "großartiges Signal". "Joachim Gauck hat eine reale Chance, es sei denn, Union und FDP machen aus der Bundesversammlung eine Delegiertenversammlung", sagte Gabriel nach der Veranstaltung. Der Koalition warf er vor, kritische Geister systematisch auszugrenzen. "Da zeigt der Parteienstaat noch einmal die Fratze, die die Leute ohnehin vermuten."

Die Schriftstellerin Monika Maron warf den Parteien in ihrer Eingangsrede eine "Selbstermächtigung" vor, weil sie die Wahl des Staatsoberhauptes der Parteidisziplin unterwerfen wollten. Gauck grenzte sich davon jedoch ab. "Wir brauchen unsere Parteien, weil wir ohne sie noch langsamer, ineffizienter wären", betonte er. Zugleich warnte er davor, als Konsequenz aus der Krise die Freiheit der Wirtschaft einzuschränken. Wer das wolle, werde "immer mehr verlieren als gewinnen". Nötig seien stattdessen feste Regeln.

Linke erwägen Stimme für Gauck im dritten Wahlgang

Indirekt ging Gauck auf Distanz zur Linkspartei: "Wenn ich also die höre, die den Systemwechsel nahelegen, und gleichzeitig diese unglaublichen Vorstellungen über die Versorgung der Schwachen höre, frage ich mich doch, wie soll das gehen, wenn wir keine Wirtschaft haben, die diese ungeheuren Summen erbringt."

Gleichwohl gibt es auch innerhalb der Linken Stimmen für eine Wahl Gaucks zumindest bei einem dritten Wahlgang in der Bundesversammlung. Der von der Linkspartei als Delegierter benannte Jenaer Universitätsprofessor Klaus Dörre stellte dies in der "Rheinischen Post" in Aussicht und bezeichnete Gauck als "respektable Persönlichkeit". Sollte der von SPD und Grünen benannte Kandidat ein Signal der Kritik an der sozialen Schieflage im Land senden und Stimmen von links tatsächlich haben wollen, könne er sich "sehr gut vorstellen, ihm in einem dritten Wahlgang meine Stimme zu geben", wird Dörre zitiert.

Auch der thüringische Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow ließ Sympathien für Gauck erkennen und sagte der Zeitung, dass es "nach dem zweiten Wahlgang spannend" werde. Im ersten Wahlgang will die Linke mit der Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, Luc Jochimsen, gegen Gauck und den Kandidaten von CDU/CSU und FDP, Christian Wulff, antreten.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker