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Bundeswehr in Afghanistan: Unions-Sicherheitsexperte fordert schnellen Abzug

Zwar hat der Bundestag der Ausweitung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan mit breiter Mehrheit zugestimmt. Die Debatte um einen Ausstieg in dem Land am Hindukusch geht jedoch weiter. Während die Kanzlerin den Einsatz vehement verteidigt, fordert der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl den Abzug der Bundeswehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich entschieden hinter den Afghanistan-Einsatz gestellt. "Wir sind mit Einverständnis der afghanischen Regierung in Afghanistan, und wir werden vor dieser Aufgabe nicht weglaufen, sondern wir werden sie Stück für Stück erfüllen", betonte Merkel am Donnerstag im Bundestag. Der Einsatz sei gefährlich, aber ohne Alternative. Im thüringischen Bad Salzungen nahmen derweil Familien und Kameraden mit einer Trauerfeier Abschied von drei Soldaten, die vergangene Woche bei Kundus getötet worden waren.

Am Abend beschloss der Bundestag die Erweiterung der Mission. Bis zu 300 zusätzliche deutsche Soldaten sollen zum Einsatz kommen, wenn die Nato demnächst wie geplant Awacs-Aufklärungsflugzeuge an den Hindukusch schickt. Die fliegenden Radarstationen sollen den Luftverkehr in Afghanistan sicherer machen. Dies würde auch der Bundeswehr zugute kommen, die die Mehrzahl der Transportflüge für die Nato erledigt.

Der Unions-Sicherheitsexperte Hans-Peter Uhl (CSU) sagte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Es ist an der Zeit, die Priorität des Afghanistan-Einsatzes vom Militär zur Polizei zu verlagern". Ziel müsse ein baldiger Abzug der Bundeswehr sein, möglichst innerhalb der nächsten Jahre. Uhl forderte, die Zahl der deutschen Polizei-Ausbilder am Hindukusch kurzfristig zu verdoppeln. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte dagegen: "Jetzt eine kopflose Exit-Diskussion zu führen, halte ich für nicht verantwortlich." Es gelte nach wie vor der Grundsatz, dass in Afghanistan der internationale Terrorismus zurückgedrängt werden müsse, sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend in Berlin.

Bei der Trauerfeier in Bad Salzungen kündigte Verteidigungsminister Franz Josef Jung an, die Bundeswehr werde sich den "Handlangern des Terrorismus" weiter entschieden in den Weg stellen. Das sei sie den Toten schuldig. Die Angreifer wollten die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen und einen Abzug der Bundeswehr zu erzwingen. "Das wird ihnen nicht gelingen", betonte Jung. "Diejenigen, die jetzt an Rückzug denken, würden Afghanistan wieder in die Hände der Taliban geben. Genau das ist es, was die Taliban erreichen wollen".

Die drei Soldaten im Alter zwischen 21 und 23 Jahren waren Dienstag vor einer Woche bei Gefechten nahe Kundus mit ihrem Panzer von der Straße abgekommen und in einen Wassergraben gestürzt. Sie hatten an dem Tag nach den Worten Jungs den Auftrag, eine wichtige Straße auf Sprengfallen zu überprüfen, damit die Einheimischen sie wieder sicher befahren könnten. Kundus ist mit Abstand der gefährlichste Einsatzort der Bundeswehr. Zuletzt hatte sich die Sicherheitslage mit quasi militärischen Attacken auf die deutschen Soldaten deutlich verschärft.

Im Süden Afghanistans begann die US-Armee unterdessen ihre größte Offensive seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama. Zugleich wurde bekannt, dass die Taliban einen US-Soldaten als Geisel festhalten. Der Soldat sei während einer Patrouille in der südöstlichen Provinz Paktika verschleppt worden, sagte der ranghohe Taliban-Kommandeur Mullah Sangin Reuters. Die Geisel werde nur im Austausch gegen von den USA gefangen gehaltene Taliban-Kämpfer freikommen. Die US-Armee bestätigte die Angaben. Der Soldat werde seit Dienstag vermisst. Die Armee setze alles daran, um den entführten Soldaten zu finden und ihn in Sicherheit zu bringen, teilte die US-Armee in Washington mit.

DPA/Reuters / DPA / Reuters