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Bundeswehr-Pannen: So sieht's aus bei der Truppe

Gewehre, die ungenau schießen, Hubschrauber mit Rissen und abstürzende Drohnen: Die Bundeswehr gibt in diesen Tagen ein verhereendes Bild ab. Doch wie schlimm steht es wirklich um die Truppe?

Soldaten der 10. Panzerdivision in Bad Reichenhall in Oberbayern. Einige Politiker fordern einen höheren Wehretat.

Soldaten der 10. Panzerdivision in Bad Reichenhall in Oberbayern. Einige Politiker fordern einen höheren Wehretat.

Die Liste der Pannen bei der Bundeswehr ist lang: Von den 31 Tiger-Kampfhubschraubern stehen dem Heer derzeit nur 10 zur Verfügung, nur 8 von 33 NH90-Transporthubschrauber sind aktuell einsatzbereit, der sogenannte Buchbestand an Eurofighter-Kampfjets liegt bei 109, davon sind theoretisch 74 verfügbar, aber nur 42 einsatzbereit. Besonders düster sieht es bei der Hubschrauberflotte der Marine aus. Nur 3 von 15 Hubschraubern des Typs Sea King könnten derzeit abheben. Bei den Sea Lynx sind es 4 von 18. Eine neue Aufstellung des Ministeriums zeigt, wie zahlreich die Ausfälle vor allem bei Flugzeugen und Hubschraubern, aber auch bei Panzern und bei der Marine sind. Es stellt sich die Frage: Kann die Bundeswehr ihre Aufgaben der Landesverteidigung und internationalen Krisenbewältigung überhaupt noch erfüllen? Die wichtigsten Fragen ...

Warum gibt es so viele Pannen?

Ein Teil der Bundeswehr-Ausrüstung ist schlichtweg überaltert. Beispiel Transall: Der Erstflug der Transportmaschine fand 1963 statt. Bei den Einsätzen der Bundeswehr spielen die Flugzeuge trotz ihres Alters eine zentrale Rolle. In Afghanistan werden sie ebenso benötigt wie im Kosovo. In Mali versorgten Transall-Maschinen der Bundeswehr afrikanische Truppen mit Nachschub. Jetzt sollen sie sich an der Luftbrücke in die westafrikanischen Ebola-Gebiete beteiligen. Die Intensität der Einsätze und die Altersschwäche führen zu häufigen Ausfällen.

Warum werden die alten Maschinen nicht ausgemustert?

Das ist längst geplant. Die Auslieferung des Nachfolgers Airbus A400M hat sich allerdings um Jahre verzögert. Die erste Maschine soll nun im November in den Dienst gehen. Auch bei anderen Rüstungsprojekten gibt es massive Verzögerungen und Kostensteigerungen.

Welche Gründe gibt es noch für die häufigen Pannen?

Rüstungsgüter sind in der Regel technisch hoch kompliziert und deswegen anfällig für Schäden. Zudem müssen sie hohen Sicherheitsanforderungen genügen. Deswegen ist die Schwelle, sie wegen eines Schadens aus dem Verkehr zu ziehen, relativ niedrig.

Hat die Bundeswehrreform von 2010 keine Verbesserungen gebracht?

Schlichtweg: Nein! Sie hat die Situation eher noch verschlechtert. Die Bundeswehrreform folgt dem Prinzip "Breite vor Tiefe". Das heißt, möglichst viele Fähigkeiten sollen erhalten bleiben und damit auch möglichst viele unterschiedliche Waffensysteme. Je mehr Waffensysteme es gibt, desto aufwendiger wird aber die Wartung und Instandhaltung.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sitzt während ihres Besuches im Nordirak in einer Transall-Maschine der Bundeswehr

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sitzt während ihres Besuches im Nordirak in einer Transall-Maschine der Bundeswehr

Was tut Verteidigungsministerin von der Leyen ?

Die Ministerin hat wenige Monate nach ihrem Amtsantritt den bisherigen Rüstungsstaatssekretär Stéphane Beemelmans entlassen und die frühere Unternehmensberaterin Katrin Suder auf seinen Posten berufen. Sie soll nun im Rüstungsbereich aufräumen. Weiterhin hat sie eine Unternehmensberatung damit beauftragt, den Stand bei den größten Rüstungsprojekten zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen Anfang Oktober vorliegen.

Muss der Verteidigungsetat erhöht werden?

Es gibt Unions-Politiker, die das fordern. Die Bundesregierung hat das aber nicht vor. Kanzlerin Angela Merkel hat zusätzlichen Verteidigungsausgaben trotz massiven Drucks der USA eine Absage erteilt - obwohl Deutschland weit unter dem Nato-Ziel liegt, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Der deutsche Verteidigungsetat kommt mit 32,8 Milliarden Euro nur auf 1,3 Prozent.

Ist die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr gefährdet?

Laut von der Leyen ist sie das nicht. Bei den internationalen Einsätzen helfen sich die Bündnispartner in der Regel aber auch gegenseitig aus.

Gibt es auch positive Beispiele?

Die gibt es. Der Kampfpanzer "Leopard 2" hat sich zum Exportschlager entwickelt. Die Panzerhaubitze 2000 zählt zu den modernsten Artilleriegeschützen der Welt. Und um ihre gepanzerten Fahrzeuge wie den "Dingo" wird die Bundeswehr von Bündnispartnern beneidet.

nck/DPA / DPA