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"Eine Strunz-Frage hat drei Facepalms": Fragen für die AfD: Claus Strunz zieht den Hass bei Twitter auf sich

Umstrittene Zitate und Zahlen, populistische Äußerungen: Claus Strunz hat sich im TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz unglückliche Ungenauigkeiten geleistet. Die Debatte wurde zu einem "Duell zwischen Strunz und Twitter".

Scharfe Kritik an Claus Strunz - warum das Netz über den Sat.1-Mann empört ist

Die Performance von Sat.1-Moderator Claus Strunz im TV-Duell hat für scharfe Kritik in den sozialen Netzwerken gesorgt

Claus Strunz, der gefühlige Populist, könnte im TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz immerhin für Überraschungen sorgen, hieß es. Das tat er auch. Allerdings von der eher unangenehmen Sorte.

Der "Akte"-Moderator, der am Sonntag für den Privatsender Sat.1 das Kanzler-Duell bestritten hat, hat sich grobe Schnitzer geleistet. Er hat unvollständig zitiert, falsche Zahlen präsentiert und mit scharfen bis populistischen Formulierungen für harte Kritik hervorgerufen - vor allem in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke. 


Claus Strunz leistet sich schnell ersten Fauxpas

Der ehemalige "Bild am Sonntag"-Chefredakteur hat sich bereits zu Beginn der Debatte einen unangenehmen Patzer geleistet. Strunz wollte wissen, ob Martin Schulz die Mehrzahl der Flüchtlinge in Deutschland auch heute noch als "Gold" bezeichnen würde. Obwohl der SPD-Kanzlerkandidat das so nie gesagt hat - Strunz hat das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. Im Original sagte Schulz einmal: "Was Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der unbeirrbare Glaube an den Traum von Europa (...)."

Der SPD-Parteichef wies Strunz auf die verkürzte Wiedergabe des Zitats hin, dürfte sich aber trotz Richtigstellung geärgert haben. Immerhin unterstellte ihm Strunz einen laxen Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland. Mit journalistischem Handwerk habe das nichts zu tun, kritisierte die Netzgemeinde. 

 

Zwar sorgte das Thema Flüchtlingspolitik im Allgemeinen für Aufsehen - doch Strunz' Fragen dazu im Besonderen. So konfrontierte der studierte Germanist und Politikwissenschaftler die Duellanten mit einer Zahl: 226.000 - so viele Ausreisepflichtige würden sich aktuell in Deutschland aufhalten. Zwar hantierten Merkel und Schulz auch mit unterschiedlichen Zahlen, fakt ist aber, dass am 30. Juni 2017 insgesamt 226.457 Menschen ausreisepflichtig waren - davon aber 159.678 geduldet sind (wie etwa "Spiegel Online" berichtet). "Wann sind die weg?", fragte Strunz provokant. Seine spitzen und oftmals populistischen Formulierungen rückten ihn schon in der Vergangenheit oftmals ins rechte Spektrum der AfD - auch in diesem Fall musste sich der Sat.1-Moderator diese Kritik gefallen lassen. 

 

 

Dementsprechend gefeiert wurde der vermeintlich "Klartext" redende Strunz von Seiten der AfD. "Ohne Strunz wäre das 'Duell' noch langweiliger gewesen", heißt es etwa von AfD-Mitglied Götz Frömming

Der "Spalter" wurde seinem Ruf gerecht

Claus Strunz wurde bereits im Vorfeld kritisiert. Etwa für seine oftmals populistischen Kommentare im "Sat.1-Frühstücksfernsehen" und die eher auf Gefühlen und Ahnungen statt auf Fakten basierende Berichterstattung in seiner Sendung "Akte". Er sei ein "Spalter" ("Süddeutsche Zeitung"), gewissermaßen "eine Mischung aus AfD, CSU und einem besserwissenden Mittelstufenschüler" ("Übermedien") und "nicht unbedingt der Philosoph unter den deutschen Journalisten" ("FAZ"). Diesen unliebsamen Eindruck scheint er, den Twitter-Kommentatoren nach zu urteilen, wohl gefestigt zu haben. 

 

 

 

Manch einer befürchtete auch, Strunz würde ähnlich oberflächliche Fragen stellen, wie beim kleinen TV-Duell zwischen den Spitzenkandidaten der Opposition. Dort sorgte er für Fassungslosigkeit, als er etwa den FDP-Chef Christian Lindner als "Posterboy" darstellte und ihn fragte, ob es "eitle Leute in der Politik" brauche. 

Es war bezeichnend, dass die Kritik an Strunz zu den erfolgreichsten Tweets des Abends gehörten. Wie der Branchendienst "Meedia" berichtet, gelang der ARD-Radiomoderatorin Sophie Passmann mit über 3000 Interaktionen der erfolgreichste Tweet:  

Dicht gefolgt von Dennis Horn, ebenfalls unter anderem Radiomoderator bei öffentlich-rechtlichen Sendern, der rund 1350 Likes erreichte. 

Was vom TV-Duell bleibt, hat die ZDF-Satire "heute show" in einem Tweet zusammengefasst:

 

fs