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Berlin³ Die AKK-Frage: Wenn sie Kanzlerin werden will, sollte sie es sagen – denn die Zeit spielt gegen sie

Berlin hoch drei AKK
Mittlerweile fühlen sich sogar bedächtige Figuren dazu berufen, öffentlich die Säge an den Stuhl von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer anzusetzen 
© Peter Kneffel / DPA
Annegret Kramp-Karrenbauer muss schleunigst erklären, dass sie Kanzlerkandidatin der Union werden will. Sonst hört die Quälerei in der CDU nicht mehr auf.

Es sieht nicht gut aus. Und besser wird's leider auch nicht mehr werden. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) tatsächlich Kanzlerin werden will – und daran, DASS sie es will, besteht kein Zweifel – dann muss sie das jetzt erklären. Offen und nicht im verschwiemelten Konjunktiv und mit dem schwammigen Verweis darauf, dass eine CDU-Vorsitzende im Prinzip immer erste Wahl sei. Sie hat für dieses "Ja, ich will" eine sehr schöne Gelegenheit – die Bühne steht schon bereit: in drei Wochen auf dem CDU-Parteitag in Leipzig. It's now or never.

AKK muss in die offene Schlacht ziehen

Sie könnte, nein: Sie MUSS von dort von vorn in die offene Feldschlacht gegen die notorischen Skeptiker, Nörgler und Hinterzimmer-Heckenschützen ihrer Partei ziehen, die ihr das CDU-Vorsitzendenleben in diesen Wochen und Monaten zur Qual machen. Es ist überfällig. Alles andere grenzt an Selbstverleugnung, mit Tendenz zur Selbstverstümmelung. Mittlerweile vergeht ja kein Tag mehr, an dem das Erscheinungsbild der Union nicht kritisiert wird. Und jeder einzelne Kritikpunkt zahlt auf das Konto der Chefin ein, auf das Konto von AKK.  Nun ist sie auch noch an Thüringen "Schuld".  Das Konto ist tief im Minus.  Und die "Bild"-Zeitung schießt eh schon seit Wochen gegen sie.

Leipzig, das wäre ihre Chance. Sie hat nur noch diese. So wie der Hamburger Parteitag im Dezember vor knapp einem Jahr die Chance des ewig frustrierten Friedrich Merz gewesen war, die Macht in der Partei an sich zu reißen. Doch wir erinnern uns: Merz versagte kläglich, es war die größte verpasste Gelegenheit seit jenem verschossenen Elfmeter, den Uli Hoeness 1976 im EM-Endspiel in den Nachthimmel von Belgrad jagte. (Der Autor weiß wovon er schreibt – er hat Hoeness im Stadion schießen und Merz auf dem Parteitag reden hören). 

Vielleicht ein paar Fehler zu viel gemacht

AKK hat es in den zurückliegenden elf Monaten nicht geschafft, ihre Kritiker hinter sich zu vereinen. Im Gegenteil: Jeder Fehler, den die CDU-Chefin machte  (und davon gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche)  ließ das Lager ihrer heimlichen Rivalen (und auch davon gibt es zahlreiche) nur neue Hoffnung schöpfen, dass das Rennen um die Kanzlerkandidatur doch noch offen ist. Warum sollte sich daran in den kommenden Monaten substanziell etwas ändern? Mittlerweile fühlen sich sogar sonst so bedächtige Figuren wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet dazu berufen, öffentlich die Säge an den Stuhl von AKK anzusetzen.

Soll das ewig so weitergehen?

Laschet kritisierte AKKs Syrien-Vorstoß, der beim Berliner Koalitionspartner SPD für große Verstimmung gesorgt hatte: "Ich glaube, so etwas kann man besser abstimmen." Das ist eine vergiftete Aussage vom Parteifreund aus NRW, der sich selbst noch Hoffnung macht, Angela Merkel im Kanzleramt beerben zu können. Sie trägt den Zweifel in sich, ob AKK der Aufgabe auf großer Bühne gewachsen ist. 

Soll das ewig so weiter gehen? AKKs Rivalen werden insgeheim sagen: Warum nicht? Die Zeit spielt für sie, solange die Union die AKK-Frage offen hält.


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