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Erneuter Atommülltransport: Castor passiert deutsche Grenze

Fünf Wochen nach den Protesten von Gorleben werden wieder Castorbehälter durch Deutschland transportiert. Aus Frankreich kommend hat der Zug mit den Brennstäben die deutsche Grenze passiert und soll Donnerstag im Zwischenlager in Lubmin eintreffen. Die Demonstrationen halten sich bisher in Grenzen.

Begleitet von kleineren Protesten hat der neue Atommülltransport aus Frankreich am Mittwoch Deutschland erreicht. Der für das Zwischenlager Nord bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern bestimmte Zug mit vier Castor-Behältern voller hochradioaktiver Brennstäbe überquerte nach Angaben der deutschen Polizei am frühen Nachmittag die Grenze zwischen Forbach und Saarbrücken. Der Atommülltransport soll am Donnerstag in Lubmin eintreffen.

Die Strecke für den weiteren Transport der aus Deutschland stammenden mehr als 2000 Brennstäbe wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Es gebe verschiedene Gerüchte, aber keine konkreten Hinweise auf den weiteren Weg, sagte eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation Greenpeace. In Frankreich kam es während des Transports am Mittwoch nach Angaben von Atomkraftgegnern zu vereinzelten kleineren Demonstrationen entlang der Strecke. Blockaden wie bei dem vorigen Castor-Transport nach Gorleben Anfang November gab es zunächst nicht.

Transport enthält Brennstäbe aus Karlsruhe und "Otto Hahn"

Der Zug mit den vier Castoren war am Dienstagabend in der südfranzösischen Kernforschungsanlage Cadarache losgefahren. Der Transport enthält Brennstäbe aus einem ehemaligen staatlichen Forschungsreaktor bei Karlsruhe und dem atomgetriebenen deutschen Versuchsfrachter "Otto Hahn", dessen Reaktor 1979 abgeschaltet worden war. Der hochradioaktive Müll gehört dem deutschen Staat.

Die Brennstäbe aus Karlsruhe waren ursprünglich zur Wiederaufarbeitung nach Cadarache gebracht worden, was sich jedoch später bei rund 2400 als teilweise unmöglich erwies. Die Brennstäbe aus der "Otto Hahn" lagerten jahrelang in Geesthacht bei Hamburg und waren erst vor kurzem nach Cadarache gebracht worden, um sie in den Transport nach Lubmin zu verladen. Dort befindet sich das bundeseigene Zwischenlager Nord, in dem ohnehin Atommüll aus ehemaligen DDR-Kernkraftwerken aufbewahrt wird.

Greenpeace: Transport durch Deutschland "absurd"

In der Region rund um das Zwischenlager versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 100 bis 150 Atomkraftgegner in einem Camp. Sie beschränkten sich bislang auf Mahnwachen, sagte ein Sprecher der Zentralen Pressestelle der Bundes- und Landespolizei für den Castor-Transport in Anklam. Insgesamt sollen rund 4000 Beamte den Atommüllzug sichern.

Ein Greenpeace-Sprecher kritisierte den Transport der Brennstäbe quer durch Deutschland als "absurd". Er forderte, die vier Castoren statt in der Nähe der französischen Grenze in Baden-Württemberg statt in Mecklenburg-Vorpommern zwischenzulagern. Das entspreche dem "Verursacherprinzip", da die bei weitem meisten Brennstäbe aus dem Versuchsreaktor in Karlsruhe stammten, der bis 1991 in dem Bundesland stand.

Vor rund fünf Wochen hatten zehntausende Atomkraftgegner gegen einen Castor-Transport aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das zentrale deutsche Zwischenlager Gorleben in Niedersachen protestiert. Mit Schienen- und Straßenblockaden hatten sie den Transport mit Rückständen aus der Aufarbeitung von Brennstäben aus kommerziellen deutschen Atomkraftwerken viele Stunden aufgehalten, so dass er seinen Bestimmungsort erst mit rund einem Tag Verspätung erreichte. Rund 20.000 Polizisten waren damals im Einsatz.

mm/AFP / AFP