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Flüchtlingskrise: Kroatien öffnet Grenze zu Serbien für tausende Flüchtlinge

Nachdem Slowenien und Kroatien vorübergehend ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen haben, lässt Kroatien die Menschen wieder einreisen. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Ein Kind wird an der slowenisch-kroatischen Grenze über eine Absperrung gehoben

Tausende werden derzeit an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien festgehalten. Polizisten befreien ein Mädchen aus der drangvollen Enge

Eine Gruppe von Unionsabgeordneten im Bundestag will Kanzlerin Angela Merkel zur Abkehr von der Politik der offenen Grenzen zwingen. Unterdessen wendet sich die FDP gegen Asyl für Kriegsflüchtlinge in Deutschland. Und die Deutsche Polizeigewerkschaft stößt mit ihrer Foderung nach einem Grenzzaun bei Kollegen auf Ablehnung. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

+++ 17.46 Uhr: Griechenland maßlos überfordert +++

Die Flüchtlingskrise erreicht in der Ägäis einen neuen Höhepunkt. Tausende Menschen kamen auf den griechischen Inseln an. Die Behörden sind heillos überfordert. Die griechische Küstenwache hat in den vergangenen zwei Tagen mehr als 2500 Flüchtlinge in der Ägäis aufgegriffen. Insgesanmt seien nach Angaben der Polizei zwischen Sonntag und Montagnachmittag allein auf den drei großen Ostägäis-Inseln Lesbos, Chios und Samos 9763 Migranten und Flüchtlinge angekommen. 

+++ 17.36 Uhr: Kroatien öffnet Grenze zu Serbien +++

Kroatien öffnet seine Grenze für tausende Flüchtlinge aus Serbien. Das berichtet ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP am serbischen Grenzübergang Berkasovo, wo zwischen 2000 und 3000 Menschen in Regen und Kälte ausgeharrt haben. Alle Flüchtlinge hätten die Grenze nach Kroatien passiert, sage ein freiwilliger Helfer aus Tschechien, Jan Pinos, vor Ort. 

+++ 15 Uhr:Tausende stauen sich an Sloweniens Grenzen +++

Die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Melita Sunjic, nennt es schlicht den "Vorhof zur Hölle". 2000 Flüchtlinge warten am serbischen Übergang Berkasovo im Westen des Landes darauf, nach Kroatien eingelassen werden. Doch sie müssen beim strömenden Regen auf freiem Feld ausharren. Kroatien hat die Grenzen dicht gemacht und lässt nur wenige Menschen weiterziehen. Der Grund: Bei der Ausreise nach Slowenien waren ebenfalls Tausende, weil aus Slowenien wiederum nur wenige weiter nach Österreich und Deutschland gelassen werden. Wie Innenminister Bostjan Sefic mitteilt, haben bisher an diesem Montag 5000 Flüchtlinge Slowenien erreicht; weitere 1200 würden per Bahn erwartet. Laut Sunjic sind viele Hilfsgüter verteilt, es werden dringend Lebensmittel, Decken und Regenkleidung erwartet. Hinzu kommt: Aus Mazedonien und Griechenland kommend sind 10.000 weitere Asylsuchende in Serbien auf dem Weg zu den Grenzen des Landes.

+++ 14.53 Uhr: Mehr als 520 Angriffe auf Flüchtlingsheime seit Jahresbeginn +++

Bundesinnenminister Thomas de Maizière nennt die Zahl "sehr hoch". Vom Beginn des Jahres bis zum 12. Oktober haben Polizei und Behörden 520 Straftaten gegen Asylbewerbereinrichtungen registriert - von Sachbeschädigungen bis zu Brandstiftungen. In den vergangenen Tagen sind weitere hinzu gekommen. Dabei seien allein in diesem Monat 43 Menschen verletzt worden, so de Maizière im TV-Nachrichtensender N24. "Das sind Dinge, denen müssen wir hart entgegentreten", so der Minister.

+++ 14.30 Uhr: Geplante Flüchtlingsunterkunft unter Wasser gesetzt +++

Erneut ist eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge beschädigt worden - diesmal in Thüringen. In Frauenwald im Ilm-Kreis setzten Unbekannte einen Teil eines Wohnblocks unter Wasser, den die Kreisverwaltung für die Unterbringung von Asylsuchenden nutzen wollte. Betroffen ist nach Angaben des Landratsamtes ein Plattenbau mit insgesamt 17 Wohnungen, den der Kreis von einem privaten Eigentümer angemietet hatte. Die Kreisverwaltung erstattet Anzeige.

+++ 13.07 Uhr: Steinmeier weist Unionsüberlegungen zu Grenzzäunen zurück +++

Überlegungen einiger Unionsabgeordneter zur Befestigung der Grenzen erteilt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine Absage. Was die Idee angehe, "Zäune zu bauen an den Grenzen der Europäischen Union, so scheint mir das eine Idee zu sein, die weder praktikabel ist noch in Übereinstimmung steht mit den Vorstellungen von Fraktionsführung und Regierung", sagt der SPD-Politiker.

+++ 13.05 Uhr: Steinmeier sieht "tiefe Gräben" zwischen dem Iran und Saudi-Arabien +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht bei den Bemühungen für ein Ende des Syrien-Kriegs noch immer "tiefe Gräben" zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Nach einem Treffen mit dem saudischen König Salman in der Hauptstadt Riad dämpft Steinmeier die Hoffnungen auf direkte Friedensgespräche mit Beteiligung der beiden verfeindeten Golfstaaten. In Saudi-Arabien gebe es weiterhin "großes Misstrauen" gegenüber dem Iran.

+++ 12.42 Uhr: Unbekannte bedrohen Leipzigs Oberbürgermeister Jung +++

Unbekannte bedrohen Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit einer Hassbotschaft. Sie schmierten auf einen Container in der Leipziger Innenstadt einen Galgen und die Worte "OB Jung wir kriegen Dich", wie die Polizei mitteilt. Weitere Einzelheiten können sie noch nicht nennen, allerdings ist ein Bezug zu rechten Demonstranten denkbar.

+++ 12.25 Uhr: Küstenwache greift binnen 48 Stunden 2500 Flüchtlinge in Ägais auf +++

Die griechische Küstenwache greift in den vergangenen zwei Tagen mehr als 2500 Flüchtlinge in der Ägäis auf. Fast genauso viele Menschen können mit eigenen Mitteln die griechischen Inseln in der östlichen Ägäis erreichen.

+++ 12.15 Uhr: Ein Verletzter bei Schlägerei in Hamburger Flüchtlingsunterkunft +++

In einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft ist ein junger Mann bei einer Schlägerei schwer verletzt worden. Der 18-jährige Afghane habe Kopfverletzungen erlitten und sei mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilt die Polizei in der Hansestadt mit. In der Nacht waren in einer Erstaufnahmeeinrichtung im Stadtteil Osdorf demnach zwei Gruppen mit insgesamt etwa 40 bis 50 Menschen aneinandergeraten. Der Grund für die Schlägerei bleibt zunächst noch unklar.

+++ 11.28 Uhr: Pegida sät Hass, der zur Gewalt wird, so Justizminister Maas +++

Nach Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellt sich auch Bundesjustizminister Heiko Maas mit scharfen Worten gegen die antiislamische Pegida-Bewegung. "Wer Galgen und Hitlerbärten hinterher läuft, für den gelten keine Ausreden mehr", erklärt Maas in Berlin. Niemand, der bei Pegida mitlaufe, werde sich von der Verantwortung frei machen können, daran mitzuwirken, "dass Hemmschwellen sinken". "Pegida sät den Hass, der dann zur Gewalt wird", warnt Maas.

+++ 10.37 Uhr: "Pegida, AfD und Co. heizen die Stimmung an" +++

Die Parteichefin der Linken, Katja Kipping, warnt vor einer Eskalation der Gewalt in Deutschland. Das gesellschaftliche Klima sei deutlich rauher geworden, sagt sie im Inforadio des RBB. "Es gibt eine neue Unverfrorenheit, auch eine neue Gewalteskalation. Wenn der braune Mob einmal loslegt, kann es jeden treffen." Bündnissen wie Pegida warf Kipping vor, Gewaltausbrüche wie das fremdenfeindlich motivierte Attentat auf die Kölner  Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker zu begünstigen. "Pegida, AfD und Co haben ganz klar eine gesellschaftliche Stimmung mit angeheizt, die dann genau zu solchen erschreckenden Übergriffen führen." Kipping fordert deshalb ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen den - so wörtlich - "braunen Mob".

+++ 09.34 Uhr: Tausende Flüchtlinge sitzen in Kroatien fest +++

Tausende Flüchtlinge sitzen auf dem Weg nach Österreich und Deutschland in Kroatien fest. An der Grenze zu Serbien verhindert die kroatische Polizei, dass Migranten in das Land einreisen, berichtet ein Reuters-Reporter. "Öffnet das Tor", rufen von Kälte und Müdigkeit gezeichnete Flüchtlinge.

+++ 09.19 Uhr: Bayerischer Innenminister weist Forderung nach Grenzzaun zurück +++

Der bayerische Innenminister, Joachim Herrmann (CSU), spricht sich gegen den Vorschlag der Deutschen Polizeigewerkschaft aus, einen Zaun an Deutschlands Südgrenze zu bauen. "Davon halte ich wenig", sagt Herrmann dem Radiosender WDR5. Statt eines Zauns brauche es eine "klare politische Entscheidung", wie Deutschland künftig mit den ankommenden Flüchtlingen umgehen wolle, sagt Herrmann weiter.

+++ 08.16 Uhr: Slowenische Polizei stoppt Flüchtlinge auf Weg nach Westeuropa +++

Die slowenische Polizei stoppt rund 2000 Flüchtlinge gewaltsam, die von Kroatien einreisen wollten. Sloweniens Aufnahmekapazitäten seien erschöpft, teilt die Polizei in Ljubljana mit.

+++ 05.18 Uhr: Kollegen lehnen Zaunforderung von Deutscher Polizeigewerkschaft ab +++

Mit ihrer Forderung nach einem Zaun an der Grenze zu Österreich stößt die Deutsche Polizeigewerkschaft auch bei Kollegen auf Ablehnung. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Grenzzäune Flüchtlinge nicht aufhalten, das haben auch die Verantwortlichen in Ungarn gesehen", sagt der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, den "Ruhr Nachrichten".

+++ 04.51 Uhr: IS-Anhänger unter Flüchtlingen überschätzte Gefahr +++

Die Gefahr eines unbemerkten Einsickerns von Anhängern des Islamischen Staats im Zuge des Flüchtlingsstroms nach Deutschland wird aus Sicht eines Migrationsforschers überschätzt.  "Das wäre strategisch nicht klug, der IS braucht seine Leute vor Ort", sagt der Politikwissenschaftler Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

+++ 03.40 Uhr: FDP wendet sich gegen Asyl für Kriegsflüchtlinge +++

Die FDP wendet sich gegen Asyl für Kriegsflüchtlinge in Deutschland. Die Bundesrepublik solle Kriegsflüchtlinge nur noch "dulden, aber vom weitgehenden Asylverfahren ausschließen", zitiert die "Bild"-Zeitung aus einem Fünfpunkteplan von FDP-Chef Christian Lindner.

+++ 03.06 Uhr: Innenminister ruft vor Demos in Dresden zu Gewaltfreiheit auf +++

Unmittelbar vor Großkundgebungen von Pegida und Gegnern des fremdenfeindlichen Bündnisses in Dresden mahnt Sachsens Innenminister Markus Ulbig Gewaltfreiheit an. Aufgrund der zu erwartenden "besonderen Anspannung" zum Jahrestag der Pegida-Gründung am heutigen Montag appelliere er an die Teilnehmer aller Demonstrationen, gewaltfrei und ohne Hetze gegen Ausländer, Politiker oder Andersdenkende zu agieren, so Ulbig.

+++ 01.44 Uhr: CSU warnt nach Merkels Besuch in Türkei vor zu großem Entgegenkommen +++

Nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Türkei warnt die CSU vor einem zu starken Zugehen auf Ankara. Der Türkei dürften nicht zu viele Zugeständnisse gemacht werden, sagt die Chefin der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, der Zeitung "Die Welt" aus Berlin. "Ein EU-Beitritt steht nicht auf der Tagesordnung", fügt sie hinzu.

+++ 00.49 Uhr: Golfstaaten sollen mehr Flüchtlinge aufnehmen +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier fordert die Golfstaaten zum Auftakt seines Besuchs in Saudi-Arabien indirekt auf, in der Flüchtlingskrise mehr Menschen Schutz zu bieten. "Die Solidarität darf sich (...) nicht allein auf Europa beschränken", sagt Steinmeier in einem Interview der saudischen Tageszeitung "Aschark al-Ausat", das am heutigen Montag erscheinen solle.

+++ 00.36 Uhr: Unionspolitiker bereiten Antrag zu Grenzbefestigung vor +++

Eine Gruppe von Unionsabgeordneten im Bundestag will Kanzlerin Angela Merkel zur Abkehr von der Politik der offenen Grenzen zwingen. Der Parlamentskreis Mittelstand (PKM) erarbeite einen Antrag für eine Grenzschließung, berichtet die "Bild"-Zeitung. Dieser soll demnach in zwei Wochen in der Fraktionssitzung diskutiert werden. Dem PKM gehören 188 der 310 Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an.

and / DPA / AFP / Reuters