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Holger G. sagt im NSU-Prozess aus: Falsche Freundschaft

Holger G. entschuldigt sich im NSU-Prozess bei Opfern und Angehörigen. Obwohl er einst eine Waffe überbrachte, will er nicht gewusst haben, dass seine Freunde ein mordendes Terror-Trio waren.

Von Lena Kampf, München

Freundschaft, sagt Holger G., sei ein Gefühl, das tief geht. Ein Freund sei einer, auf den man sich verlassen kann. Einer, der einem auch sagt, wenn man Scheiße baut.

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, das seien Freunde gewesen für ihn. Als er damals in Jena einen Neonazi-Kameraden bei der Polizei identifizierte und der daraufhin angezeigt wurde - eine "Riesendummheit" sei das gewesen - habe Uwe Mundlos zu ihm gesagt: "Mach dir keinen Kopf, du bist halt so." Sie hätten ihn akzeptiert, wie er sei, sagt Holger G. Bis zuletzt. Da musste er sie zwar mit Gerry, Max und Liese ansprechen, ihren Tarnnamen. Aber wenn sie zusammen um die Häuser gezogen sind in Hannover, dann habe sich das nicht angefühlt, als lebten sie im Untergrund. Unterhalten hätten sie sich über seine Beziehung, sie hätten von ihren Urlauben erzählt, und manchmal habe Uwe Mundlos "endlose Monologe" über Computerspiele gehalten. Er fühlte sich den "Dreien" gegenüber verpflichtet, wollte helfen. Freiwillig habe er seinen Führerschein zur Verfügung gestellt, eine Krankenkassenkarte für Beate Zschäpe organisierte. Was man eben so macht, für richtige Freunde in Not.

Es ist der 5. November 2011, halb zwei Uhr morgens, als die Polizei Bad Nenndorf ihn in seiner Firma von der Nachtschicht zum Verhör abholt. Bei seiner ersten Vernehmung, so steht es im Protokoll, wird er gefragt, was er mit dem Banküberfall in Eisenach zu tun habe. Er soll ein Wohnmobil angemietet haben, ein Fluchtauto. Die beiden Bankräuber: tot. Einer der beiden habe erst den einen, dann sich selbst erschossen. Ihre Leichen konnten noch nicht identifiziert werden. Doch seinen Führerschein habe man bei ihnen gefunden.

Treue und Kameradschaft sind ihm wichtig

Da wurde mir klar, wozu sie meine Identität wirklich verwendet haben", sagt Holger G. heute. Um als terroristische Gruppe im Untergrund zu bestehen nämlich. Um Morde zu begehen, Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle. Davon will er nichts geahnt haben. "Ich möchte mich dafür entschuldigen. Das ist die Wahrheit", sagt er. Es falle ihm immer noch schwer, das Bild seiner Freunde in Einklang zu bringen, mit dem, was er heute von ihnen weiß. Dass sie Terroristen waren. Dass sie ihn belogen haben, benutzt.

Holger G. sind Treue und Kameradschaft sehr wichtig. Dreimal muss er erzählen, dass er die "klassische DDR-Erziehung" erlebt habe: "Pioniere, Jung-Pioniere, FDJ". Dreimal, weil er aus Nervosität zu Beginn seiner Einlassung immer wieder neu ansetzen muss. Zu schnell redet er, zu undeutlich. Der Vorsitzende Richter Götzl unterbricht ihn. "Bitte bemühen Sie sich", sagt er dem großen Mann in Jeans und blauen Hemd. "Wir haben Zeit." Sollten nicht alle im Saal die Einlassungen des Angeklagten deutlich gehört haben, ist das ein Revisionsgrund. Die Saaldiener verteilen Kopfhörer in Plastiktütchen. Beate Zschäpe setzt sich einen auf, dabei sollte sie eigentlich gut hören, schließlich sitzt sie nur einen halben Meter vor ihrem ehemaligen Kameraden.

Gemeinsam haben sie 1997 eine Hausdurchsuchung erlebt. Auch die Wohnungen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wurden damals durchsucht, wegen "Störung öffentlichen Friedens durch Androhung von Gewalttaten und Verstoßes gegen das Waffengesetz", so steht es in Akten des Thüringer LKA. Bei Holger G. wurde ein Neonazi-Aufnäher beschlagnahmt, und das Buch: "Meine Ehre heißt Treue", betitelt nach dem Wahlspruch der SS.

Sein Spitzname war "Hucke"

Später ist es fehlende Treue, die ihn 2004 zum Ausstieg aus der rechten Szene bewogen haben will. Ein Kamerad habe ihn mit seiner Freundin betrogen. Ein "bitteres Erlebnis", sagt er. Holger G., Spitzname "Hucke", bis zu seinem Umzug nach Hannover 1997 Mitglied der "Sektion Jena", einer elitären Untergruppe des Thüringer Heimatschutzes, zusammen mit Ralf Wohlleben, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, will daraufhin ausgestiegen sein. Er beschreibt aufrichtig, wie er sich von der rassistischen Ideologie distanziert habe, als Lagerist in Hannover Kollegen hatte, die Migranten waren, "normal und gut" gewesen seien. Auch sein Entsetzen über die Taten des NSU wirkt ehrlich.

Doch das Alibi für die Anmietung des Wohnmobils, das "die beiden Uwes" für ihren letzten Banküberfall benutzten, bekommt Holger G. ausgerechnet von einem der führenden Neonazi-Kader Hannovers. Marc-Oliver M., Ex-NPD-Funktionär und Führer einer mittlerweile verbotenen Kameradschaft, hat bezeugt, Holger G. habe ihn zusammen mit etwa. zehn anderen zum Gericht begleitet, wo M. gegen zwei Antifaschisten aussagt hat. Dass er nach seinem angeblichen Ausstieg zweimal auf rechten Demonstrationen war, auch das seien für ihn "Freundschaftsdienste" gewesen, sagt er in seiner Einlassung, die er schriftlich verliest.

Es sind "Freundschaftsdienste", die dafür gesorgt haben, dass er nun in Saal A101 sitzt, angeklagt wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Er lebt jetzt im Zeugenschutz anstatt seines "Spießerlebens". Stolz scheint Holger G. darauf zu sein, dass er durchgehend in Arbeit war, seitdem er nach Hannover zog. Er blieb auch, als seine Firma sich von 120 auf 21 Mitarbeiter verkleinerte, war Vorarbeiter und im Betriebsrat. Nach einer langen Phase der privaten Orientierungslosigkeit, Drogen, Spielsucht, habe er 2007 seine jetzige Lebensgefährtin kennengelernt. Sein "Fels in der Brandung", sagt er, und: "der Hammer, die Frau." Sie wollte von seinen alten Freunden nichts wissen. Holger G. arrangierte die konspirativen Treffen mit "den Drei", wenn sie nicht zu Hause war.

G. belastet Zschäpe schwer

Nur zwei Mal, da sei der Freundschaftsdienst nicht mehr freiwillig gewesen. Beim letzten Mal in Hannover kamen die drei mit Kuchen zu Besuch - und einer Haarschneidemaschine. Der Reisepass, den Hoger G. vor Jahren zur Verfügung gestellt hatte, sei abgelaufen, sie bräuchten einen neuen. Holger G. erzählt, dass er nicht mehr helfen wollte. Doch Mundlos habe ihn unter Druck gesetzt - und ihm dann gleich die Haare geschoren, damit er auf den Fotos Uwe Böhnhardt ähnlicher sah.

Und auch der Waffentransport soll unfreiwillig gewesen sein. 2000 oder 2001 war es, gesteht Holger G.. Da war er zu Besuch bei Ralf Wohlleben in Jena gewesen. Der bat ihn, etwas für die drei Untergetauchten nach Zwickau zu transportieren und holte einen Jutebeutel aus seinem Schlafzimmer. Erst im Zug habe er gefühlt, was im Beutel war: eine Waffe.

Beate Zschäpe habe ihn vom Bahnhof abgeholt, in der Wohnung habe einer der Uwes die Waffe durchgeladen.

Holger G. belastet seine frühere Freundin Beate Zschäpe schwer. Einmal fragt der Richter präzise nach: " Wen meinen Sie, wenn sie von den "Drei" sprechen?" "Alle drei", sagt Holger G. Also auch Beate Zschäpe.

Der Mann, der in der Frühphase der Ermittlungen als der vierte Mann galt, will nicht gewusst haben, was seine Freunde treiben. Er sagt: "Allein der Umstand, dass man sich konspirativ verabreden musste, trübte nicht meine Wahrnehmung: Ich mochte diese Leute." Heute tue ihm das alles leid. Als er fertig ist, fällt er nach hinten in den Stuhl, wirft seinen Kopf in den Nacken und stöhnt.

Nebenkläger froh über die Entschuldigung

Am Ende der Verhandlung meldet der Vater des Ermordeten Halit Yozgat zu Wort. Ohne zu fragen, was Ismail Yozgat sagen wolle, kanzelt ihn Richter Götzl ab: Für Stellungnahmen sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, er solle sich jetzt bitte wieder setzen.

Einige der Nebenkläger, Hinterbliebene der NSU-Opfer sagen nach der Verhandlung, sie seien froh, dass sich zum ersten Mal jemand entschuldigt. Richtig glauben, können sie es nicht. Die Reue wurde vom Blatt abgelesen. Und auch ein anderer im Saal scheint Zweifel zu haben. Während Holger G. sich bei den Opfern entschuldigt, lehnt sich Ralf Wohlleben im Stuhl zurück und grinst.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(