Jugendgewalt CSU will "Killerspiele" verbieten


Die CSU hat ein altes Wahlkampfthema wiederentdeckt: die sogenannten Killerspiele. Da die freiwillige Selbstkontrolle der Industrie nicht funktioniere, müssten die Spiele endlich verboten werden, forderten CSU-Politiker. stern.de sprach darüber mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer.

Die CSU will die sogenannten "Killerspiele" vom Markt nehmen. Das forderten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), am Montag in Berlin. Sie wurden dabei von vom Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, unterstützt, mit dem stern.de im "Café Einstein" über das Problem sprach. Pfeiffer glaubt, dass "Killerspiele" die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen fördern.

Herrmann bezeichnete "Killerspiele" als Machwerke von abstoßender Brutalität und Grausamkeit. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen reichten nicht aus, um deren Verbreitung einzudämmen. Im Übrigen stehe ein Verbot solcher Computerspiele bereits im Koalitionsvertrag. Pfeiffer und Hermann forderten zudem, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien - und nicht die industrienahe Freiwillige Selbstkontrolle USK - bei der Indizierung der Spiele das letzte Wort haben müsse. Das Bußgeld für Verstöße gegen den Jugendschutz solle von 50.000 auf 500.000 Euro steigen.

"Dick, dumm und aggressiv"

Pfeiffer verlangte, dass gewaltverherrlichende Computerspiele umfassend indiziert werden müssten. Wenn die Spiele nicht mehr frei verkaufbar seien, würden sie nicht bekannt, und der Umsatz breche ein: "Das Indizieren ist ökonomisch höchst wirksam." Pfeiffer kritisierte die Freigabepraxis der USK. Nur bei einem Drittel von nachgeprüften 72 Spielen sei die Alterseinstufung nachvollziehbar. Die Kontrolle sei eine Farce. "Der Jugendschutz ist ein Papiertiger." Als Beispiel für abstoßende Gewaltspiele nannte er "Grand Theft Auto IV": Das von der USK ab 18 Jahren freigegebene Spiel wurde in den ersten Wochen weltweit sechs Millionen Mal verkauft. "Die lustvolle Gewaltanwendung wird zum Selbstzweck des Spiels." Mord und Totschlag würden mit Punkten belohnt.

Viel zu wenig Beachtung findet nach Einschätzung Pfeiffers die Suchtgefahr durch Computerspiele. Vor allem Jungen neigten zu übermäßigem Konsum. In der Schule schnitten sie deutlich schlechter ab. Zudem gehöre kein Bildschirmgerät in ein Kinderzimmer. "Zuviel Medienkonsum macht dick, dumm und möglicherweise auch aggressiv."

DPA DPA

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