HOME
Glosse

Vermaledeite Grammatik: Heiliger Bimbam! Markus Söder ist jetzt auch Papst

Markus Söder hat Papst Franziskus im Vatikan besucht. Auf Twitter hatte er seine Reise zuvor angekündigt und dafür Spott und Häme kassiert - völlig unverdient.

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, vor der Kulisse von Rom

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und heiliger Vater, vor der Kulisse von Rom

DPA

Markus Söder ist nicht unbedingt für außergewöhnliche Demut berühmt. Auf der Fernsehsitzung "Fastnacht in Franken" erschien er schon mal verkleidet als Mahatma Gandhi, als weiser Zauberer Gandalf und in diesem Jahr als Prinzregent Luitpold von Bayern. Sein Vorgänger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer, warf dem Fan von Edmund Stoiber, Franz Josef Strauß und des 1. FC Nürnberg sogar mal "pathologischen Ehrgeiz" vor. Mittlerweile hat Söder Seehofer in die Verbannung nach Berlin geschickt, selbst den Thron in der Münchner Staatskanzlei bestiegen und mal eben ganz nebenbei sein Volk zum Christentum verdonnert - ähh bekehrt.

Seit diesem 1. Juni gilt in Bayern der Kreuzerlass. Dank Markus Söder weiß ab sofort jeder Besucher bayerischer Behörden, woran er zu glauben hat. Bei aller Krittelei an Söders Emsigkeit beim Karrieremachen: Nach so erfolgreichem Einsatz für das Christentum ist es nur recht und billig, dass er sich ab sofort nicht mehr Landesvater, sondern heiliger Vater nennt. 

Völlig unverständlich deshalb die Aufregung über einen Tweet, den der 51-Jährige vor seinem Abflug nach Rom veröffentlichte: "Heute Besuch des heiligen Vaters im Vatikan", steht da über einem Foto, das Söder beim Besteigen eines Düsenjets auf dem Münchner Flughafen zeigt.

Was gibt es daran zu meckern? Soll Franziskus sich doch freuen, dass er den Job nicht mehr alleine machen muss. Und auch die Twitter-User könnten ruhig mal anerkennen, dass Söders erste Dienstreise als protestantisches Oberhaupt der katholischen Kirche ihn noch am Tag der Bekreuzigung Bayerns zum anderen Papst führt. Aber nein, Undank ist der Twitterer Lohn, und so muss denn auch der heilige Markus jede Menge Spott über sich ergehen lassen.

Pontifex Markus Maximus hat sich, wie es so seine Art ist, von den neidischen Nörglern nicht provozieren lassen und zu den hämischen Kommentaren einfach geschwiegen. Deshalb soll an seiner Stelle Johann Wolfgang von Goethe all denjenigen Antworten, welche die wahre Bedeutung und die Errungenschaften seiner Heiligkeit nicht zu würdigen wissen: "Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, dass tüchtige Menschen undankbar gewesen wären."

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder steht vor einer Wand und hängt ein Kreuz auf. Er ist im Profil zu sehen und trägt Anzug