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Merkels Schattenkabinett: Super-Stoiber wird Nummer eineinhalb

Union und FDP haben die Bundestagswahl zwar noch nicht gewonnen, dennoch wird in Berlin bereits eifrig über die Verteilung der Ministerposten spekuliert. Sicher scheint dabei nur eines - für Edmund Stoiber soll es ein Super-Ministerium geben.

Von Florian Güßgen

Dieser Traum ist geplatzt. Kanzler wird er nach menschlichem Ermessen nicht mehr, der ehrgeizige CSU-Chef Edmund Stoiber. Weil das die Seele der CSU sehr schmerzt, hat Landesgruppenchef Michael Glos am Montag schon einmal laut aufgeschrien. Wenn schon Angela Merkel die Nummer eins werde, dann solle Stoiber mindestens Nummer eineinhalb werden, so der Tenor. Mit Nummer zwei könne man sich kaum begnügen. Formuliert hat Glos das freilich etwas anders. "Edmund Stoiber wird die wichtigste Rolle spielen, die man als CSU-Vorsitzender in einer Bundesregierung spielen kann", sagte er dem "Münchner Merkur".

Minister für Finanzen und Wirtschaft

Nummer eineinhalb also. Weil eine Doppelspitze im Kanzleramt unmöglich ist, wird davon ausgegangen, dass Stoiber ein "Super-Minister" wird, zuständig für Finanzen und Wirtschaft, Chef eines Ministeriums, das erst noch neu geschaffen werden müsste. Dass dies Merkels Plan für den Fall eines Wahlsiegs ist, meldet der stern in seiner neuesten Ausgabe, die am Mittwoch erscheint. Auch die "Bild"-Zeitung vermeldet diese Personalie. Stoiber selbst sagte am Montag, er wolle sich die Entscheidung bis zum Wahltag offen halten. "Das ist meine ureigene persönliche Entscheidung und das bitte ich zu respektieren", sagte er nach Angaben des "Münchner Merkur".

Westerwelle als Schily-Nachfolger

Nach Informationen des stern plant Merkel, den derzeitigen saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller als Minister für ein zweites Riesenressort Arbeit, Soziales und Gesundheit nach Berlin zu holen. Im Tandem sollen sich die Super-Minister dann um die zentralen Probleme kümmern: die Sanierung des maroden Staatshaushalts und die Arbeitslosigkeit.

Neuer Außenminister soll der derzeitige FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt werden. Schon länger hat sich Gerhardt für diesen Posten warm gelaufen. Bislang galt es jedoch als wahrscheinlich, dass auch Gerhardts Parteichef Guido Westerwelle das Auswärtige Amt für sich beansprucht. Von diesen Plänen hat Westerwelle nach Informationen des stern jedoch jetzt abgesehen. Demnach erhofft er sich, vom Innenministerium aus das Profil der FDP als Bürgerrechtspartei schärfen zu können. Die "Bild"-Zeitung sieht Westerwelle indes als Justizminister. Sie spekulierte am Dienstag darüber, dass das Innenressort an die CSU und deren Sicherheitsmann, den derzeitigen bayerischen Innenminister Günter Beckstein, fallen könnte.

Kauder könnte das Kanzleramt managen

Als Ministerin für Familie, Senioren und Frauen wird die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen gehandelt. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach könnte nach Angaben des stern das Justizministerium übernehmen, dem auch der Bereich Verbraucherschutz zugeteilt werden soll. Als Verteidigungsminister ist CSU-Landesgruppenchef Michael Glos im Gespräch.

Für Bildung und Forschung ist Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan vorgesehen, für den Aufbau Ost Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Im Kanzleramt will Merkel demnach zwei enge Vertraute positionieren: CDU-Generalsekretär Volker Kauder soll als Kanzleramtsminister die Regierungsarbeit koordinieren, der Außenpolitiker Friedbert Pflüger den neu geschaffenen Posten eines Staatsministers für Europapolitik besetzen.

Spekulationen um Stoiber-Nachfolge

Wie der stern weiter berichtet, soll ein sieben- bis achtköpfiges "Kompetenzteam" eine Kanzlerkandidatin Merkel im Wahlkampf unterstützen. Fest eingeplant sind neben CSU-Chef Stoiber die Regierungschefs Roland Koch (Hessen), Dieter Althaus (Thüringen), Christian Wulff (Niedersachsen) und Peter Müller (Saarland). Koch und Wulff galten bislang als die parteiintern schärfsten Rivalen Merkels.

Ach ja. Über die mögliche Nachfolge des möglichen Super-Stoibers wird natürlich auch schon spekuliert. So nennt die "Süddeutsche Zeitung" drei Kandidaten für den Job des bayerischen Ministerpräsidenten: Günter Beckstein, falls der doch in München statt in Berlin bleiben soll, Erwin Huber, der Chef der Staatskanzlei in München, und Joachim Herrmann, der die CSU-Fraktion im bayerischen Landtag führt. Sicher ist dabei noch nichts, weder der Sieg von Union und FDP, noch die Personalien in Bayern. Sicher ist nur, dass der Schrödersche Beschluss, viele Karrierefantasien beflügelt.