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Nato-Einsatz in Osteuropa: Deutsche Soldaten beziehen Stützpunkt in Litauen

Im Zweiten Weltkrieg brachte die Wehrmacht Leid über Litauen, nun soll die deutsche Beteiligung im Nato-Einsatz eine positive Verbindung schaffen. Die Bundeswehr führt das Bataillon in dem osteuropäischen Land. 

Deutschland führt das Nato-Bataillon in Litauen, 450 Bundeswehrsoldaten werden in Rukla stationiert

Deutschland führt das Nato-Bataillon in Litauen, 450 Bundeswehrsoldaten werden in Rukla stationiert

Die Bundeswehr verstärkt mit der Nato die Truppenpräsenz in Osteuropa. Deutsche Soldaten beziehen in Litauen den Stützpunkt Rukla. Dort sehen Militär und Regierung die Entwicklung positiv: "Der Einsatz erfolgt zur rechten Zeit am rechten Ort", sagte Präsidentin Dalia Grybauskaite am Dienstag zur Begrüßung.

Sieben Monate nach dem Gipfelbeschluss der Nato für eine verstärkte Truppenpräsenz in Osteuropa empfing die Staatschefin persönlich zusammen mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das von Deutschland geführte Nato-Bataillon auf dem Stützpunkt Rukla. Eingerahmt von Transportpanzern, Unterkunftsbaracken aus der Sowjetzeit und einer provisorisch drapierten Nato-Fahne gab die kurze Zeremonie im Eiswind gleichsam den Startschuss für die verstärkte Nato-Präsenz in Litauen. Hintergrund ist die Sorge des Bündnisses und insbesondere ihrer osteuropäischen Mitglieder wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine.

450 Bundeswehrsoldaten in Litauen

Die für ihre kompromisslose Haltung gegenüber Moskau bekannte Präsidentin Grybauskaite nannte als Gründe für den Einsatz: ein "andauernder Militäraufbau an unseren Grenzen" und "aggressive Aktionen in der Region". Niemals zuvor habe es in Litauen Militärstreitkräfte in der Größenordnung gegeben, sagte sie mit Blick auf die Nato-Truppen, die in ihrem Land auf rund tausend Mann aufwachsen sollen. "Die Abschreckung der Nato schützt den Frieden", fügte sie hinzu.

Von der Leyen versicherte: "Wir sind entschlossen, Litauen zu schützen". Die Nato will gegenüber Russland durch die Stationierung von multinationalen Kampfbataillonen im Baltikum und in Polen Stärke zeigen. Etwa 450 Bundeswehrsoldaten sowie umfangreiches Material, darunter mehrere Schützenpanzer und Kampfpanzer, sollen bis Ende Februar nach Litauen gebracht werden. Die ersten Bundeswehrsoldaten trafen vor rund zwei Wochen ein.

Problematische Vergangenheit 

Von der Leyen erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass die Präsenz deutscher Soldaten auf litauischem Boden nicht unproblematisch sei. Die Wehrmacht habe im Zweiten Weltkrieg "Elend und Zerstörung" über das Land gebracht. Der nun startende Einsatz könne dazu beitragen, "auch ein neues Stück Geschichte zwischen unseren Ländern zu schreiben".

Grybauskaite ging auf die belastete Vergangenheit nicht ein. Sie betonte vielmehr: "Wir sind Deutschland dankbar dafür, die Führung des multinationalen Bataillons übernommen zu haben." Nach Aussage des litauischen Analysten Kestutis Girnius von der Universität Vilnius ist die Anwesenheit deutscher Truppen in dem Land nahezu unstrittig. "Während des Zweiten Weltkriegs sahen die meisten Litauer die Sowjetunion als ihren Hauptfeind, sie hatte unser Land 1940 zuerst besetzt."

Nato verstärkt Präsenz auch in Estland, Lettland und Polen

Zu dem von Deutschland geführten Bataillon gehören außerdem Niederländer, Belgier, Norweger und Luxemburger. Die Nato reagiert damit auf die Annexion der Krim im Jahr 2014 und die Krise im Osten der Ukraine. Das russische Vorgehen hatte insbesondere in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen die Sorge ausgelöst, Russland könne dort Vergleichbares planen.

In alle vier Länder werden gemäß einem Beschluss des Nato-Gipfels derzeit jeweils rund tausend Soldaten des Bündnisses entsandt.

fri / AFP