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Neuer Bundespräsident Adel verpflichtet


Sensationelle Wende im Fall Wulff: Die Koalitionsspitze hat sich auf einen Nachfolger verständigt - Karl-Theodor zu Guttenberg soll neuer Bundespräsident werden.
Eine Glosse von Andreas Hoidn-Borchers

BERLIN. Es gibt Tage in der Hauptstadt, da schwirrt die Luft von Gerüchten. Da küren die Bild-Gewaltigen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zum Favoriten für die Nachfolge des strauchelnden Bundespräsidenten. Da lobt die FAZ Verteidigungsminister Thomas de Maiziere ins Schloss Bellevue. Und der einfallslose Rest kommt mal wieder auf den Mann, der schon jedes Mal nicht genommen wurde: Wolfgang Schäuble.

Und es gibt Tage, da werden Nägel mit Köpfen gedengelt. Vergangene Woche war so ein Tag. Er bot sich auch dafür an. Neujahrsempfang bei Christian Wulff, dem Präsidenten a. A.*. Abends Essen des Kabinetts bei der Kanzlerin. Gelegenheiten en masse, um ungestört wichtige Gespräche zu führen und Absprachen zu treffen. Und genau das ist an diesem Donnerstag, den 12. Januar 2012, passiert. Ganz im Geheimen hat Angela Merkel nach Informationen von stern.de mit den Spitzen ihrer Koalition festgeklopft, wer Wulff als Staatsoberhaupt nachfolgen soll: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Merkel: "Der KT kann es"

Sie habe "vollstes Vertrauen" in den früheren Verteidigungsminister und dessen ungeheuerliche Fehler, er genieße ihre "volle Wertschätzung oder wie immer man das nennt", argumentierte die Regierungschefin intern. Guttenberg sei "genau der Richtige" für das durch Wulffs Affären und Viertelwahrheiten schwerstens beschädigte Amt: "Der KT muss sich da nicht lange einarbeiten. Der kann das alles aus dem Effeff." Er müsse sich nicht anstrengen, den ruinierten Ruf zu erhalten. Außerdem, so Merkel weiter, sei es an der Zeit, dass es nach Richard von Weizsäcker endlich mal wieder ein Adliger mache.

Dieser überraschenden Wende war die ebenso überraschende Ankündigung Wulffs vorausgegangen, das Amt aufgeben zu wollen. Auf dem Neujahrsempfang im Schloss Bellevue hatte Bettina Wulff Merkel zugeflüstert, dass "ich und mein Mann uns das nicht länger zumuten wollen. Aber die Kleider nehm' ich alle mit." Zuvor hatte der Merkel-Vertraute Peter Altmaier einen Tweet abgesetzt: "Christian, es ist besser, du ziehst endlich (an die) Leine!" Für Gerüchte, dass die Wulffs in Großburgwedel auf Leihbasis ein Tattoo-Studio eröffnen wollen, fand stern.de keine Bestätigung bei seriösen Quellen.

Guttenberg: "Eine Ehre!"

Das Plazet der Koalitionspartner hat Merkel bereits. CSU-Chef Seehofer ("War das nicht eine gute Idee von mir?") habe sofort zugesagt und der Kanzlerin gegenüber durchblicken lassen, dass er sich unter diesen Umständen natürlich gerne für eine weitere Amtszeit als bayerische Ministerpräsident in die Pflicht nehmen lasse. FDP-Chef Philipp Rösler habe zunächst noch den Versuch unternommen, einen liberalen Kandidaten ins Spiel zu bringen ("Wie wär´s mit dem Genscher? Nein? Vielleicht der Scheel? Oder ist der schon tot?"). Nach einer kurzen Replik der Kanzlerin ("Das kannst du deiner Barbie erzählen") habe er sich aber wieder seinem mit zwei Prozent Natrium versetzten Mineralwasser gewidmet.

Nach Informationen von stern.de hat Karl Theodor zu Guttenberg bereits zugesagt. Es sei eine "Ehre für das Land", dass er diesem an dieser Stelle zu dienen bereit sei, bevor "es zu viele Spinnweben" ansetze, habe er der Kanzlerin im einem Telefonat am späten Abend zu verstehen gegeben. Eine intensive Recherche im Kanzleramt hat inzwischen auch ergeben, dass Guttenberg wählbar ist. Er feierte am 5. Dezember 2011 seinen 40. Geburtstag – erfüllt also die Mindestbedingung für das Präsidentenamt. "Wir haben die Geburtsurkunde vom Bundesamt für Materialprüfung checken lassen. Alles echt!", heißt es aus dem Büro von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Die Bundesversammlung soll nach den bisherigen Planungen für den 17. Mai einberufen werden. "Das ist Christi Himmelfahrt. Passt doch."

Bedingung: "summa cum laude"

Guttenberg soll zur Bedingung gemacht haben, dass zwei wissenschaftliche Mitarbeiter im Präsidialamt die Arbeit an seiner gerade noch nicht begonnenen Zweitdissertation fortsetzen sollen; er denke da an die bewährten Experten Jorgo Chatzimarkakis und Roland Wöller. Merkel habe ihm das ebenso zugesagt wie die spätere Beurteilung mit summa cum laude. Das gehöre sich "ja wohl für einen Bundespräsidenten". Im Gegenzug soll Guttenberg angeboten haben, sich schnellstmöglich scheiden zu lassen und eine Bürgerliche mit Kleinkind zu heiraten. Dies habe Merkel mit der Begründung abgelehnt, Stephanie sei doch "so ein alter Halbschwede"; dieser Migrationshintergrund reiche völlig aus, um das Kriterium modernes Präsidentenpaar zu erfüllen. Patchwork müsse nicht sein.

In der Bundesversammlung kann zu Guttenberg vermutlich mit einer überwältigen Mehrheit rechnen. Per SMS hat die Kanzlerin bereits Sigmar Gabriel von ihrem Plan informiert. Der SPD-Chef signalisierte sofort, in diesem Fall auf einen Gegenkandidaten zu verzichten. Vor allem Joachim Gauck könne man nicht gegen Guttenberg aufstellen, argumentierte Gabriel intern und paraphrasierte zum Vergleich einen alten Spruch von Herbert Wehner: "Der redet nicht nur Quatsch. Der redet ja Quätscher." Das müsse man einfach akzeptieren.

Nach Informationen von stern.de sind die Absprachen übrigens so geheim, dass nicht einmal die Beteiligten davon wissen.

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