VG-Wort Pixel

Neuer Generalbundesanwalt Wer ist Johannes Schmalzl?


Monika Harms scheidet aus dem Amt, Johannes Schmalzl (FDP) soll nachrücken - auch damit sein Job in Stuttgart von der grün-roten Landesregierung neu besetzt werden kann. Kollegen nennen karrierebewussten Juristen auch schon mal "007".

Mehr als drei Jahre lang musste sich Johannes Schmalzl mit Fahrverboten, Ortsumfahrungen und unpopulären Abschiebungen herumplagen. Aber bald darf er wieder Terroristen jagen: Stuttgarts Regierungspräsident soll nach Angaben aus FDP- Kreisen Nachfolger der Generalbundesanwältin Monika Harms werden, die Ende September in den Ruhestand geht.

Der 46-jährige Schmalzl war von 2005 bis 2007 Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg und hat in dieser Zeit Erfahrungen im Kampf gegen islamistischem Terrorismus und Extremismus gesammelt. Seit Anfang 2008 leitet der karrierebewusste Jurist als Regierungspräsident eine Behörde mit 2800 Mitarbeitern. Nicht alle dort können mit seinem Tempo mithalten. Auch unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet der 46-Jährige nicht.

Ermittlungen gegen Sauerland-Gruppe

Ein Hauptanliegen Schmalzls in seiner Zeit als "Schlapphut-Chef" in Baden-Württemberg war es, die Spitzenstellung seiner Verfassungsschützer zu sichern. Diese sprach sich bis in die USA herum - Zeitungen wie die Washington Post und New York Times fragten ihn regelmäßig nach seiner Meinung zur Sicherheitslage in Deutschland.

Seine Öffentlichkeitsarbeit dürfte Schmalzl als Generalbundesanwalt wieder ähnlich handhaben. Denn seine Überzeugung ist, dass es nur mit einer sensibilisierten und gut informierten Öffentlichkeit gelingen kann, Anschlagsplanungen früh aufzudecken.

Auch die Erfahrung, wie Justiz, Polizei und Nachrichtendienste zusammenarbeiten, bringt der Familienvater mit. An den Anschlagsplanungen der sogenannten die Sauerland-Gruppe war Schmalzl hautnah dran. Er ließ sich von seinen Ermittlern rund um die Uhr - selbst an Silvester - auf dem Laufenden halten.

Tauchgang bei 5 Grad

Panikmache war ihm bei seiner Arbeit an der Spitze des Verfassungsschutzes aber zuwider. Ebenso besonnen unterstützte er als Regierungspräsident die Stadt Winnenden nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule. Der beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelte Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes vernichtete danach viele freiwillig abgegebene Waffen. Einige davon zerstörte Schmalzl höchstselbst "mit großer Freude" im Brennofen.

Legendär ist auch Schmalzls Tauchgang 2009 im Bodensee, bei dem Profis ihm Holzpfähle einer Pfahlbausiedlung aus der Steinzeit zeigten: Im Neoprenanzug stürzte sich Hobby-Taucher Schmalzl in die rund fünf Grad kalten Fluten. "Neugier" nannte er als Motiv.

"Spion beim Bund"

Vor seinem Wechsel in die Verfassungsschutzbehörde leitete der gebürtige Würzburger fünf Jahre lang die Zentralstelle im Justizministerium. Davor war der passionierte Jogger und Bergwanderer Staatsanwalt in Stuttgart. Wegen seines Postens als Berichterstatter für das Landesjustizministerium beim Bund von 1996 bis 1999 wurde er intern spaßeshalber auch als "007" oder "Spion beim Bund" bezeichnet. Als Lebensmotto nennt Schmalzl "den Menschen dienen".

Der neuen grün-roten Landesregierung eröffnet Schmalzls Wechsel nach Karlsruhe die Möglichkeit, eines der vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg neu zu besetzen. Die einflussreichen Posten der Regierungspräsidenten sind bislang noch alle mit Vertrauten der schwarz-gelben Vorgängerregierung besetzt. Zuletzt war auch schon darüber spekuliert worden, ob Schmalzl von Grün-Rot aus dem Amt gedrängt werden könnte.

lk/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker