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Generalbundesanwalt Harald Range Neuer Frontmann im Anti-Terrorkampf


Mitten im heftigen Sturm wechselt bei der Bundesanwaltschaft der Kapitän. Harald Range startet mit heikler Mission: die Aufklärung des rechten Terrors.

Sein erster großer Fall: die Aufklärung des Neonaziterrors in Deutschland. Sein erster Befund: Für eine Kooperation des Verfassungsschutzes mit der Zwickauer Zelle gibt es keine Anhaltspunkte. Sein erstes Ziel: eine bessere Zusammenarbeit mit den Bundesländern, um Terror wie den des rechtsextremen Trios zu bekämpfen. Seine erste klare Ansage: "Ich benötige keine Einarbeitungszeit."

Der neue Generalbundesanwalt Harald Range wurde am Donnerstag in Karlsruhe in sein Amt eingeführt. Als er vor einigen Wochen auserkoren wurde, war noch keine Spur von seinem ersten großen Fall, mit dem er allerdings schon Tage vor seinem Dienstbeginn beschäftigt war. Bereits seit dem 4. November wird Range über den Stand der Ermittlungen in Sachen Terrorzelle ständig auf dem Laufenden gehalten.

Der Fall Schmalzl

Range strahlt die Gelassenheit eines erfahrenen Strafverfolgers aus. Seit 1975 ist der gebürtige Göttinger in der Justiz tätig, seit 2001 ist er Generalstaatsanwalt in Celle. In Karlsruhe wird Range nun häufiger im Licht der Öffentlichkeit stehen - die Bundesanwaltschaft ist unter anderem für Terror-Straftaten zuständig. Daher hat die Behörde auch die Ermittlungen im Fall "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), wie sich die Zwickauer Zelle nannte, an sich gezogen.

Ranges Berufung ging eine unerfreuliche Personalie voraus: Eigentlich hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) einen anderen Kandidaten für den Karlsruher Posten. Sie wollte den Stuttgarter Regierungspräsidenten und Parteifreund Johannes Schmalzl zum Generalbundesanwalt machen. Doch nachdem öffentlich Zweifel daran geäußert wurden, dass der 46-Jährige ausreichend Erfahrung als Staatsanwalt mitbringt, verlor Schmalzl die Nerven: Er schickte einem seiner schärfsten Kritiker eine wütende E-Mail, hart an der Grenze zur Beleidigung - und warf sich damit letztlich selbst aus dem Rennen.

McAllister brachte Range ins Spiel

Daraufhin fragte der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) bei Range an, ob er ihn ins Spiel bringen könne. "Ich habe mich kurz mit meiner Frau beraten und dann zugesagt", erzählt Range. Eigentlich könnte er mit 65 in den Ruhestand, doch Range will weitermachen, bis er 68 ist. "Ich wollte ohnehin verlängern. Das sind viereinhalb Jahre, wenn ich gesund bleibe."

Ein ungeschriebenes, aber wohl nicht unwichtiges Kriterium der Kandidatenauswahl erfüllt Range: Seit seinem 19. Lebensjahr ist er Mitglied der FDP. Privat steht Range auf Segelboote, Dampflokomotiven und die Ostsee. Dass sein Leben künftig von Sicherheitsbeamten mitbestimmt wird und Strandspaziergänge wohl nur noch mit Personenschützern möglich sein werden, sieht er gelassen: "Das nehme ich in Kauf."

So häufig wird er erst einmal eh nicht an der See entlang laufen. Parteifreundin Leutheusser-Schnarrenberger machte klar, dass jede Menge ARbeit auf Range wartet. "Jeden Tag werden neue, verstörende Details bekannt". All die Fragen, wie eine solch rechtsextremistische und gewaltbereite Gruppe untertauchen und unentdeckt bleiben konnte, müssten nun rückhaltlos aufgeklärt werden. Die Anwaltschaft müsse auch mögliche Verbindungen der Täter ins Ausland untersuchen. Derartige Kenntnisse wurden bislang noch nicht bekannt.

Die Justizministerin zweifelt an, ob die Sicherheitsstrukturen wirklich effektiv sind. Ihre Überlegung: Die Fusion von Verfassungsschutzämtern mehrerer Bundesländer. Eine dieser größeren Behörden könnte sich dann dem Schwerpunkt Rechtsextremismus widmen.

ben/DPA DPA

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