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Parteitag der Linken: Kipping und Riexinger sind die Doppelspitze

Der Machtkampf in der Linken ist entschieden: Katja Kipping und Bernd Riexinger sind die neue Doppelspitze. Ein Sieg für den linken Parteiflügel, Verlierer sind die ostdeutschen Reformer.

Linksruck bei der Linken: Der westdeutsche Gewerkschafter Bernd Riexinger vom linken Parteiflügel und die sächsische Bundestagsabgeordnete Katja Kipping bilden die neue Doppelspitze der Partei. Die ostdeutschen Reformer um Fraktionsvize Dietmar Bartsch gingen in dem seit Wochen tobenden Machtkampf um den Parteivorsitz dagegen leer aus. Kipping wird keinem der beiden Flügel zugerechnet.

Angesichts des wochenlangen Machtkampfs hatten vor der Abstimmung führende Linke-Politiker die Partei vor einer Selbstzerstörung gewarnt. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi rief die rund 560 Delegierten auf, eine Führung zu wählen, in der sich die unterschiedlichen Flügel wiederfinden. Gelinge dies nicht, sei es besser, sich fair zu trennen. Auch Linke-Gründungsvater Lafontaine mahnte eindringlich, die internen Richtungskämpfe zu beenden.

Riexinger setzte sich am Samstagabend bei der Wahl eines Ko-Parteichefs mit 297 zu 251 Stimmen gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch durch. Im ersten Durchgang hatten die Delegierten die bisherige stellvertretende Parteichefin Kipping zur Vorsitzenden bestimmt.

Die 34-jährige, die dem Reformflügel der Partei zugerechnet wird, gewann die Abstimmung auf dem Parteitag in Göttingen gegen die 63-jährige Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn. Für Kipping stimmten 371 der Delegierten (67 Prozent), für Heyenn 162 (29,3 Prozent).

Der zweite Wahlgang war ein Duell zwischen dem ostdeutschen Reformer Dietmar Bartsch und dem westdeutschen Gewerkschafter Bernd Riexinger, der als Ersatzmann für Oskar Lafontaine nach dessen Rückzug aus dem Machtkampf gilt. Riexinger, der zu den radikaleren Kräften zählt, sagte vor den Delegierten: "Wir sind angetreten, die politischen Verhältnisse im diesem Land nach links zu verschieben." Die Linke habe nur als gemeinsame Partei eine Zukunft.

In ihm sehen viele Linke eine Integrationsfigur, die die zerstrittenen Parteiflügel miteinander versöhnen könnte. Er engagierte sich schon früh im Betriebsrat und war zehn Jahre lang - bis 1991 - bei der Leonberger Bausparkasse hauptamtlich als Vertreter der Belegschaft unterwegs. Dann wechselte er zur Gewerkschaft und übernahm 2001 die Geschäftsführung des Verdi-Bezirks Stuttgart mit 50 Beschäftigten und rund 51 000 Mitgliedern. Als sein liebstes Hobby bezeichnet Riexinger das Kochen - meist für seine Lebensgefährtin und deren Tochter, mit denen er in Stuttgart lebt.

Kipping, die große Versöhnerin?

Kipping hatte auf ihrer Parteitagsrede für den Fall ihrer Wahl angekündigt, die ost- und westdeutschen Lager der zerstrittenen Partei versöhnen. "Bitte lasst uns diese verdammte Ost/West-Verteilung auflösen", sagte die 34-Jährige. Die Auseinandersetzung verschiedener Strömungen sei berechtigt - die Unterscheidung spezieller Interessen von Mitgliedern in den neuen und alten Bundesländern schade aber der Partei. "Es gibt auch die eine oder andere menschliche Verwerfung", räumte Kipping mit Blick auf die jüngsten Richtungskämpfe ein. "Es muss doch möglich sein, dass wir menschlich miteinander umgehen bei allem Streit."

Kipping wollte ursprünglich zusammen mit der nordrhein-westfälischen Landeschefin Katharina Schwabedissen zur Wahl für den Doppelvorsitz der Partei antreten. Schwabedissen zog ihre Kandidatur am späten Nachmittag jedoch zurück. Kipping freute sich, "dass Katharina nun als meine Stellvertreterin antritt". Die Linken-Vize Sahra Wagenknecht hatte kurz zuvor mitgeteilt, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren. Sie wolle die Polarisierung in der Partei "nicht auf die Spitze treiben", sagte Wagenknecht am Samstagabend. Zuvor war spekuliert worden, ob sie noch im letzten Moment zu der Wahl antritt.

be/DPA/AFP / DPA