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Pressestimmen zum Fall Guttenberg: Der Makel bleibt

Gute Show, kollektive Amnesie, schnelle Rückkehr? So einfach scheint es für Plagiator Guttenberg doch nicht zu werden. Das Presseecho auf seine Läuterung jedenfalls ist skeptisch.

Neue Zürcher Zeitung

Ob die bundesrepublikanische Öffentlichkeit auf den bayrischen Chef-Kopierer noch einmal hereinfällt? Ausgeschlossen ist es nicht. Der absurde Adels- und Akademiker-Fimmel blüht in Deutschland wie eh und je, das Verehrungsbedürfnis der Massen hat noch kein taugliches neues Objekt gefunden, und Teile der Medien finden nach wie vor Gefallen am Lügenbaron, nicht nur aus politischen Gründen, sondern weil er als praktisch einziger Paradiesvogel im grauen deutschen Politikbetrieb eine angenehm auflagensteigernde Wirkung hat. Die Christlichsozialen, zu denen der Gestrauchelte gehört, geben sich bedeckt. Einerseits sagen sie Freundliches über Guttenberg, anderseits fürchten die führenden Politiker sein Charisma, Parteichef Seehofer allen voran.

Mitteldeutsche Zeitung, Halle

Auf das vorsätzliche Täuschen bei einer Doktorarbeit steht nicht lebenslänglich. Ob einer als Volksvertreter arbeiten darf, hängt zunächst von seinen Parteifreunden und dann von seinen Wählern ab. Wenn man hier wie dort der Meinung ist, eine Rückkehr sei okay, dann ist sie okay. Zeitungskommentatoren haben darüber nicht zu entscheiden. Festzustellen ist aber, dass die Guttenberg-Euphorie auch in der CSU auf ein spätherbstliches Niveau erkaltet ist. In der Parteizentrale will ihn keiner wieder haben.

Financial Times Deutschland

Nun gut, das systematische Plagiieren beim Verfassen seiner Doktorarbeit hat für Karl-Theodor zu Guttenberg doch keine strafrechtlichen Folgen. Ein Freibrief ist dies für ihn aber nicht. Nachdem der Ex-Verteidigungsminister eine hohe Geldstrafe akzeptiert hat, mag die Sache zumindest juristisch vom Tisch sein. Die größere Strafe für ihn war bereits sein unabwendbarer Rücktritt. Und die Blamage vor der gesamten Wissenschaft, seinen Doktortitel aberkannt bekommen zu haben. Seine Glaubwürdigkeit hat der CSU-Politiker damit aber noch nicht zurück erhalten. Doch die ist unabdingbar, um in die Bundespolitik zurückkehren zu können.

Abendzeitung, München

Den jugendlich-altklugen Ton, den trifft er noch immer, wenn er beklagt, dass Politiker "die Menschen nicht mehr erreichen". Wer wollte ihm da widersprechen! Und doch, die Zeiten haben sich geändert. Probleme wie die Bundeswehrreform, die Guttenberg angestoßen und als Riesenbaustelle hinterlassen hat, sind angesichts der anschwellenden Euro-Katastrophe Peanuts. Die CSU wartet zwar auf einen Retter, aber es gibt viele an der Spitze, von Seehofer über Söder bis Haderthauer, die gar nicht gerettet werden wollen. Und dann sind da noch die Bürger und Ex-Fans, die sich noch getäuscht fühlen könnten und die vielleicht diesmal nicht Glamour mit Substanz verwechseln.

Lausitzer Rundschau, Cottbus

Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich sozusagen freigekauft. Das ist bei vielen Verfahren von überschaubarer Schwere jedoch nicht ungewöhnlich, insofern sollte man sich davor hüten, der Justiz oder dem Freiherrn vorzuwerfen, mit dem notwendigen Kleingeld und dem richtigen Namen lasse sich alles regeln. Die Tür für ein Comeback hat sich allerdings nicht weiter geöffnet. Der Makel der Plagiatsaffäre klebt nach wie vor an Guttenberg wie Pech und Schwefel. Das liegt daran, dass der gefallene CSU-Mann bisher ein selbstkritisches, öffentliches Eingeständnis beharrlich verweigert hat. Man wüsste schon gerne, ob er seine Doktorarbeit nun abgeschrieben hat oder von jemandem hat schreiben lassen. Und man möchte begreifen, wie er an seinen eigenen moralischen und politischen Grundsätzen so scheitern konnte.

Neue Osnabrücker Zeitung

Der große Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg kommt glimpflich davon. Die Geldauflage von 20 000 Euro wegen 23 strafrechtlich relevanter Urheberrechtsverstöße dürfte ihn kaum schmerzen. Was für ihn wirklich zählt: Er ist weiterhin nicht vorbestraft, ein politisches Comeback wird immer wahrscheinlicher. Darauf deutet auch der vielsagende Titel eines jetzt erscheinenden Buches mit Guttenberg-Interviews hin: "Vorerst gescheitert". Für einen Neustart ist es aber zu früh. Dafür sind die Wunden, die der einstige Hoffnungsträger gerissen hat, zu frisch. In ein oder zwei Jahren, 2013 werden Bundestag und Bayerischer Landtag neu gewählt, kann das aber schon ganz anders aussehen. Bis dahin bleibt Guttenberg noch eine Menge Zeit, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Die CSU, nicht eben reich an überragenden Kandidaten, wird ihn sicher nicht vor der Tür stehen lassen, sondern ihm eine neue Chance geben.

Westfalen-Blatt, Bielefeld

Ein bisschen Buße, ein bisschen Schuld, aber kein Prozess: Die Staatsanwaltschaft hat sich elegant aus der Affäre gezogen. Strafrechtlich steht Guttenbergs Abkupfern in seiner inzwischen für ungültig erklärten Doktorarbeit auf einer Stufe mit gehobenem Ladendiebstahl und Kleindealerei. Verbotenes Abschreiben in 23 Fällen: Dieser Makel bleibt auch nach der Einstellung - ebenso wie das hartnäckige Leugnen, bewusst getäuscht zu haben. Was aber bedeutet das für den Politiker, der Guttenberg ja trotz des Rückzugs von allen Ämtern noch immer ist? Angela Merkel jedenfalls hält ihm die Türen in Berlin offen. Zwei Jahre Zeit also, um den Weg zurück zu ebnen. Guttenberg arbeitet bereits an seinem neuen Image. Die Glamour-Gelfrisur ist abgelegt, der Beweis der Läuterung folgt in Buchform, und angeblich, so wabert es aus der Gerüchteküche, sei eine zweite, echte Doktorarbeit in Vorbereitung. Der Politiker Guttenberg hat sich noch nicht abgeschrieben. Ob er noch zum Publikumsliebling taugt, wird erst ein Praxistest erweisen müssen.

Hamburger Abendblatt

Nach steilem Aufstieg und jähem Sturz könnte Guttenberg nun auch in Sachen Comeback einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Die öffentliche Meinung ist zwar noch gegen ihn, doch erfahrungsgemäß ändert sich dass, wenn ein Politiker präsent und oft genug im Fernsehen ist. Und Selbstdarstellung zählte nicht zu den Schwächen des Oberfranken, der einst serienweise zum beliebtesten Minister gekürt wurde. Bald könnte es wieder soweit sein - vielleicht ein wenig geläutert, etwas bescheidener und ehrlicher.

Schwäbische Zeitung, Leutkirch

20.000 Euro, die der Baron an die Kinderkrebshilfe bezahlen muss, sind eine milde Strafe für den Schaden, den der ehemalige Verteidigungsminister dem akademischen Betrieb und der politischen Klasse in Deutschland zugefügt hat. Glaubwürdigkeit hat gelitten, Vertrauen ging verloren. Aber an echter Reue lässt es der Mann bis heute fehlen. Statt glaubhaft in sich zu gehen, nützt der Baron erneut seine Stellung als Liebling bestimmter Medien und setzt darauf, dass ihn diese Welle fragwürdiger Sympathie erneut nach oben tragen werde. Als "Doktor der Herzen", wie es Talkshow-Lästermaul Harald Schmidt formulierte, ist einer wie Guttenberg nicht zu toppen. Nicht einmal der nun klar erkennbare Schaden, den Guttenberg mit seiner übereilten Bundeswehrreform angerichtet hat, macht seine Hardcore-Fans stutzig.

Flensburger Tageblatt

Karl-Theodor zu Guttenberg bleibt ein Meister der Selbstinszenierung. Die neue Frisur und das Fehlen der Brille scheinen vor allem eines signalisieren zu wollen: Hier wagt jemand den Neuanfang, der aus der "denkbar größten Dummheit meines Lebens" Konsequenzen gezogen hat. Es ist kein Zufall, dass die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hof ausgerechnet in dieser Woche publik gemacht wurde - am Tag, bevor "Die Zeit" ein großes Interview mit Guttenberg veröffentlicht. Schließlich hat der Ex-Minister die 20000 Euro an die Kinderkrebshilfe bereits überwiesen; der Deal wurde also schon vor einiger Zeit festgezurrt. Aus strafrechtlicher Sicht mag der Freispruch zweiter Klasse gerechtfertigt sein. Die moralische Bewertung ergibt jedoch ein anderes Ergebnis. Mit unglaublicher Unverfrorenheit hat Guttenberg in seiner Doktorarbeit bei anderen abgeschrieben. Doch der Wähler ist vergesslich. Guttenberg hat also gute Chancen, schon bald durch die Tür zu treten, die ihm sein Parteichef Horst Seehofer aufgestoßen hat.

Rhein-Zeitung, Koblenz/Mainz

Leider regiert nicht Moral, sondern Macht und Populismus die Politik. Deshalb dürfte die Rückkehr des CSU-Politikers in die Berliner Politik nur noch eine Frage der Zeit sein. Er selbst arbeitet daran offenbar mit Hochdruck. Seine Partei und auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden an ihm wohl kaum vorbeikommen. Denn eine große Mehrheit im Volk wird bereit sein, dem smarten Freiherrn eine zweite Chance zu geben. Auf einen solch beliebten Politiker werden die Parteispitzen der Union nicht verzichten können. Deshalb bleiben nur noch zwei Hoffnungen: Entweder setzt sich in der Politik endlich einmal die Moral gegen Macht und Populismus durch - was sehr unwahrscheinlich ist. Oder aber Guttenbergs Konkurrenten in der CSU und seine zahlreichen empörten Gegner im Volk zeigen ihm seine Grenzen auf - mit Macht.

Nürnberger Nachrichten

Es ist nicht einmal ein Freispruch zweiter Klasse: Die Staatsanwaltschaft Hof hat Karl-Theodor zu Guttenberg 23 Verstöße gegen das Urheberrecht in seiner Doktorarbeit nachgewiesen. Dass die Juristen im Gegensatz zur Bayreuther Universität nur 23 Verstöße entdeckten, liegt allein daran, dass die wenigsten der plagiierten Texte dem strengen Schutz des Urheberrechts unterlagen. Abgeschrieben wurden sie aber trotzdem - und zwar von jenem Mann, der jetzt damit beginnt, die mehr als wohlwollende Hofer Entscheidung frech in die für sein politisches Comeback nötige Reinwaschung umzudeuten.

Cellesche Zeitung

Er ist wieder da, der umtriebige Jung-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg. Zwar noch nicht in seiner bayerischen Heimat, aber immerhin im deutschen Blätterwald. Seine Ankündigung, eventuell bald in die deutsche Politik zurückzukehren, wird von einigen Parteifreunden offenbar als Drohung verstanden. CSU-Chef Horst Seehofer, als dessen Rivale und möglicher Nachfolger Guttenberg lange Zeit galt, lässt schon einmal verlauten, die CSU sei auf den Jung-Politiker nicht angewiesen. Kein schöner (verbaler) Empfang für einen einstigen Hoffnungsträger.

Freie Presse, Chemnitz

Der ehemalige Hoffnungsträger der CSU wird es nicht einfach haben, wieder nahtlos an seine Politkarriere anzuknüpfen. Er mag seine Rückkehr in die bundesdeutsche Öffentlichkeit akribisch vorbereitet haben, aber seine Vergangenheit wird eine Belastung bleiben. Die Staatsanwaltschaft hat die Einstellung des Verfahrens zwar damit begründet, dass den Urhebern kein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist, doch das gesellschaftliche Unheil, das Guttenberg mit seiner Plagiatsaffäre angerichtet hat, ist viel weitreichender. Da wird vor allem in akademischen Kreisen nicht so schnell das Gras drüber wachsen. Zudem darf man nicht vergessen, dass Guttenberg mehrfach die Unwahrheit gesagt hat. Das war der eigentliche Skandal."

Leipziger Volkszeitung

Ohne Doktortitel, ohne Vorstrafe, 20.000 Euro für die Krebshilfe bezahlt und dann mit unerschütterlichem Selbstvertrauen der CSU als Notnagel zu dienen. Was wäre das für eine Geschichte, wie geschaffen für Stefanies Clan! Das Comeback des Jahrzehnts, ein Fest für Adelsblätter, die Bild-Zeitung und die moralisch empörte Zeit-lesende Champagner-Gesellschaft. Niemand sollte ernsthaft glauben, das hätten sich die mit dem CSU-Parteibuch in der Tasche nicht auch gedacht, die auf das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren des Plagiators sicherheitshalber schon im Prozessverlauf einen Blick geworfen haben. 'KT' wird zeigen, wie viel Wirkung er entfalten kann. Der Mann war noch nie zu unterschätzen. Er ist ein gefährliches Rezept gegen politische Langeweile.

Hannoversche Allgemeine Zeitung

KT"-Fans wünschen sich die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg lieber heute als morgen. Guttenberg, so ihr Credo, sei ein so großes Ausnahmetalent, dass die Aberkennung seines Doktortitels nicht das Ende seiner politischen Karriere bedeuten dürfen. Ein ähnlich großes Herz zeigten auch die Richter am Amtsgericht Hof, die die Strafsache gegen Zahlung von 20.000 Euro zu Ende brachten. Damit wird alles beinahe schon auf eine Art Kavaliersdelikt reduziert - obwohl in der Affäre Guttenberg der Ruf der deutschen Universitäten weltweit gelitten hat. Auch in der Politik gilt: So glamourös die Auftritte von "KT" auch gewesen sein mögen, können sie doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine konkreten eigenen Leistungen überschaubar blieben. Während sich an der Basis der Union mancher weiterhin für Guttenberg erwärmt, hat man sich in den Führungskreisen in Berlin längst an ein Leben ohne ihn gewöhnt.

Nordwest-Zeitung, Oldenburg

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mag die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen ihn als Sieg feiern. Immerhin entgeht er einem öffentlichen Spießrutenlaufen vor Gericht. Bahn frei fürs Comeback? Der ebenso forsche wie gewandte Aussteiger würde gut daran tun, mehr Zeit verstreichen zu lassen. Denn die Staatsanwaltschaft bewertete nicht weniger als 23 Passagen als relevante Verstöße gegen das Urheberrecht. Das wiegt schwer. Guttenbergs Interviews und seine oberlehrerhafte Kritik an Europas Politikern lassen indes befürchten, dass die Selbstinszenierung als reuiger Sünder, auf den man schlecht verzichten kann, soeben erst begonnen hat.

Kieler Nachrichten

Lügen haben kurze Beine, sagt das Sprichwort. Karl-Theodor zu Guttenberg kann ein Lied davon singen. Doch kurze Beine sind oft flinker. Gerd Müller hat das der Fußballnation gezeigt. Und Guttenberg will es nun der politischen Klasse zeigen. Ob dort, wo ein Wille ist, auch ein Weg sein wird, das muss im Fall des Barons allerdings bezweifelt werden. Allein die Tatsache, dass der Mann nicht vorbestraft ist, reicht als Qualifikation für höchste Ämter ja nun wirklich nicht aus. Was Guttenberg für eine Rückkehr in die Politik am dringendsten bräuchte, sind Fürsprecher, die ihn wieder in den Kreis der ihren aufnehmen. Die sind aber nirgends zu sehen.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Essen

Was nun, Herr Guttenberg? Die Zahl derer, die auf eine Rückkehr des Ex-Ministers in die Politik hoffen, ist nicht klein. Und eine Geldbuße ist beileibe kein Grund für eine lebenslange Verbannung aus öffentlichen Ämtern. Trotzdem wird sich der CSU-Mann wandeln müssen, will er wieder in der deutschen Politik mitmischen. Und dass er eine Rückkehr plant, ist offensichtlich. Guttenberg ist fraglos ein politisches Talent; doch während seiner Ministerzeit in Berlin setzte er zu oft auf Effekthascherei und den perfekt inszenierten Auftritt. Dabei vernachlässigte er die solide politische Arbeit. Groß verkündete er die Abschaffung der Wehrpflicht - um die dafür notwendige, mühsame Neuaufstellung der Truppe kümmerte er sich wenig. Kommt Guttenberg zurück, muss er sich gleichsam neu erfinden. Der Showstar muss auch das solide Handwerk lernen. Gelingt ihm dieser Wandel, hat er alle Chancen.

Westfälische Nachrichten, Münster

Guttenberg dürfte die 20.000 Euro an Auflage locker aus seiner Portokasse bezahlen, die Krebshilfe kann sie gut gebrauchen. Die Einstellung des Verfahrens hat indes nicht nur ihn und die Hilfsorganisation als Nutznießer. Sie ist vor allem auch für die Justiz ein Befreiungsschlag. Jetzt kann sich der abgestürzte CSU-Star weiter an eine Rückkehr auf die politische Bühne heranrobben.

Heilbronner Stimme

Der deutschen Politik bleibt ein baldiges Comeback wohl nicht erspart. Die Frage ist, ob die Politik einen Blender wie Guttenberg, der nie echte Reue über sein Tun gezeigt hat, wirklich braucht. Zumal seine politische Bilanz bei näherem Hinsehen bescheiden ausfällt. Etwa die Wehrreform, die dem Nachfolger einen Scherbenhaufen hinterließ. Nein, einer wie "KT" wäre im Showgeschäft besser aufgehoben. Immer noch wird ein Nachfolger für Thomas Gottschalk gesucht. Doch auch hier werden seriöse Kandidaten bevorzugt.

Nordbayrischer Kurier, Bayreuth

Die Staatsanwaltschaft in Hof hat sich im Fall des Plagiators Karl-Theodor zu Guttenberg die Note Summa cum Milde verdient. Mit einem schärferen Vorgehen im dreistesten Plagiatsfall, den es in Deutschland bislang gegeben hat, hätte die Justiz in Hof ein Zeichen setzen können: Sie hätte dem Begriff des geistigen Eigentums endlich den hohen Wert verschaffen können, der ihm zusteht. Das Verfahrensergebnis ist für alle, die in ihre Doktorarbeit viele Jahre harter Arbeit investieren, ein Schlag ins Gesicht.

Mannheimer Morgen

Unabhängig von der juristischen bleibt die moralische Bewertung. Und da stehen Schuld und Sühne noch in keinem Verhältnis. Mit neuer Frisur und Kontaktlinsen ist es nicht getan. Der 39-Jährige sollte deutlich länger als ein halbes Jahr im US-Exil bleiben - und sich mit wohlfeiler Kritik an den europäischen Regierungen zurückhalten. Seltsam, dass einer, der sich wie kein anderer Politiker auf Inszenierungen und Stilfragen versteht, so wenig Empfinden für Reue und Anstand hat. Seine astronomischen Beliebtheitswerte verdankte Guttenberg nicht nur Optik und Rhetorik. Er hatte die seltene Gabe, Menschen für sich zu begeistern. Dieses Vertrauen muss erst einmal zurückgewonnen werden. Mit Demut.