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Reaktion auf Proteste infolge des Anti-Islam-Films Berlin verschärft Sicherheit an deutschen Botschaften


Nach den anti-amerikanischen Ausschreitungen in den islamischen Ländern stehen nun auch die deutschen Botschaften in Alarmbereitschaft. Mit den Freitagsgebeten droht die Gewalt weiter zu eskalieren.

Deutschland hat aus Angst vor gewalttätigen Protesten gegen das Schmähvideo über den Propheten Mohammed die Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in mehreren islamischen Ländern verschärft. "Wir Deutsche machen uns natürlich auch Sorgen um unsere eigenen diplomatischen Vertretungen in den betroffenen Ländern", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Sicherheitsvorkehrungen seien bereits getroffen worden.

Der Schmäh-Film hatte in mehreren Ländern für Ausschreitungen gesorgt. Bei Angriffen auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi waren vier Amerikaner getötet worden, auch im Jemen starben vier Menschen bei Angriffen auf die US-Botschaft. Bei gewaltsamen Demonstrationen in Kairo wurden über 220 Menschen verletzt.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte die getroffenen Maßnahmen: "Wir beobachten die Entwicklung der Sicherheitslage mit größter Aufmerksamkeit und haben unsere Sicherheitsvorkehrungen an einigen Auslandsvertretungen verschärft." Ein Bericht von "Spiegel-Online", nach dem Botschaften in nordafrikanischen Ländern sowie in Afghanistan und Pakistan geschlossen worden seien, wurde zunächst nicht bestätigt. Nach den Freitagsgebeten wird allgemein erwartet, dass die bisherigen gewalttätigen Übergriffe zunehmen.

Bundeswehr verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Westerwelle lobte die Bedeutung des Internets für die Revolution in arabischen Ländern. "Es gibt aber auch einen Fluch des Internets - nämlich, dass auch die verrücktesten und fanatisch verblendetsten Menschen ihr dümmstes Zeug ins Internet stellen können und dabei leider auch die Gefühle von vielen Menschen verletzen." Manche Menschen in der arabischen Welt wüssten nicht, dass dies nicht repräsentativ für die Einstellung im Westen sei. "Sie glauben, dass das in irgendeiner Form regierungsamtlich gebilligt wird."

"Spiegel-Online" berichtete zudem, auch die Bundeswehr in Afghanistan habe ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Deutsche Einrichtungen wie die Büros von Entwicklungshilfeorganisationen und von Stiftungen seien aufgefordert worden, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

USA fürchten erneute Proteste nach Freitagsgebeten

Die USA fürchten in der arabischen Welt nach dem Freitagsgebet neue Ausschreitungen. "Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau, die zu weiteren Protesten führen könnten", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington am Donnerstag. Der Freitag sei "traditionell ein Tag von Protesten in der muslimischen Welt". Die mächtige Muslimbruderschaft in Ägypten rief zu landesweiten Protesten nach dem Abendgebet am Freitag auf. Auch in Jordanien forderten salafistische Prediger die Gläubigen auf, vor die US-Botschaft zu ziehen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hob hervor, die Macher des Films hätten keinerlei Verbindungen zum Staat: "Lassen Sie mich sehr deutlich sagen - und ich hoffe, das ist klar -, dass die Regierung der Vereinigten Staaten absolut nichts mit diesem Video zu tun hat." Der Film sei "geschmacklos und verwerflich". Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den "Hassfilm" am Donnerstag erneut. Die Macher des Videos strebten offenbar an, "ein Blutbad zu provozieren".

Der mutmaßliche Macher des islamfeindlichen Films - Nakoula Basseley Nakoula - steht in den USA derweil unter Polizeischutz. "Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind die Garanten der öffentlichen Sicherheit", sagte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles am Donnerstag AFP. Er machte weder Angaben dazu, wer die Behörden um Hilfe gebeten habe, noch zur genauen Art des Polizeischutzes.

fle/DPA/ DPA

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