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Politik-Reaktionen zu Gabriel: "Er hat damit wahre Größe gezeigt"

Sigmar Gabriel verzichtet auf Kanzlerkandidatur und SPD-Vorsitz und wird Außenminister. An seiner Stelle wird Martin Schulz die Sozialdemokraten in den Bundestagswahlkampf führen. Die Reaktionen zu Gabriels Rückzug.

Sigmar Gabriel und Martin Schulz

Sigmar Gabriel (l.) hat mit seinem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur zu Gunsten von Martin Schulz für einen Paukenschlag gesorgt

SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtet überraschend auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur - nun soll der bisherige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Kanzlerin Angela Merkel (CDU) herausfordern. "Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern - und mit mir die SPD", begründete Gabriel im stern seinen Rückzug. Der 61-jährige Schulz, der neuer Parteichef werden soll, habe "die eindeutig besseren Wahlchancen". Der bisherige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Gabriel will nach Informationen aus Parteikreisen Außenminister werden.

Die Reaktionen aus der Politik

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat nach dem Verzicht von Sigmar Gabriel auf die Kanzlerkandidatur der Sozialdemokraten die Verdienste des bisherigen Parteichefs gewürdigt. "Dass er eigene Interessen zurückgestellt hat, um bessere Erfolgschancen für die SPD zu bekommen, verdient allergrößten Respekt", sagte Oppermann in Berlin. Auf seine Erklärung habe die SPD-Bundestagsfraktion mit "lang anhaltendem Beifall" geantwortet.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sieht nach Gabriels Verzicht und mit ihr SPD und mit ihr die große Koalition "im ungeordneten Rückzug". Lindner erklärte am Dienstag: "Es ist leichtfertig, die Stabilität Deutschlands in dieser weltpolitischen Situation aufs Spiel zu setzen. Herr Gabriel würde lauter unfertige Reformbaustellen als Wirtschaftsminister hinterlassen." Und für das Außenamt empfehle er sich "nicht gerade durch diplomatisches Geschick".

In einer ersten Reaktion twitterte AfD-Sprecherin Frauke Petry: "Martin Schulz: Symbol für EU-Bürokratie und ein tief gespaltenes Europa als Kanzlerkandidat?"

CSU-Chef Horst Seehofer wertet die voraussichtliche Kanzlerkandidatur des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) als zusätzliche Herausforderung für CDU und CSU. Die Bundestagswahl sei "die Mutter aller Wahlen" und ohnehin schon eine schwierige Wahl. Durch die Personalentscheidungen bei der SPD sei es für die Union "keineswegs leichter geworden", sagte Seehofer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Arno Nelles, Bürgermeister der Heimatstadt von Martin Schulz, hält den bisherigen EU-Parlamentspräsidenten für den richtigen Kanzlerkandidaten der SPD. Der SPD-Rathauschef von Würselen bei Aachen sagte: "Wenn es jemand schaffen kann, dann er." Schulz sei "mit Sicherheit" der richtige Mann, um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) herauszufordern, sagte Nelles.

Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken und ein möglicher Koalitionspartner der SPD in einem rot-rot-grünen Bündnis, gab via Facebook folgendes Statement ab: "Ob Martin Schulz ein Zeichen für einen fortschrittlichen Politikwechsel wird, ist offen. Für mich wird sich daran zeigen, ob er bereit ist, die Reichen zu besteuern, die solidarische Mitte zu stärken und Europa nicht zu einer Militärmacht auszubauen. Ich habe so meine Zweifel. Ich gratuliere ihm zu seiner Kanzlerkandidatur und freue mich auf einen fairen Wahlkampf."

Grünen-Chef Cem Özdemir hat die Nominierung von Martin Schulz begrüßt. "Martin Schulz steht zweifelsohne für einen proeuropäischen Kurs", sagte Özdemir der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Er sei allerdings gespannt, wie Schulz die großen Herausforderungen in der Umwelt- und Klimapolitik und bei der notwendigen ökologischen Modernisierung der Wirtschaft anpacken möchte. Über Gabriel sagte Özdemir: "Ich habe großen Respekt vor Sigmar Gabriels Entscheidung und politischer Leistung. Er hatte als SPD-Vorsitzender sicherlich keinen leichten Job. Aber er hat den Laden zusammen gehalten."

Sigmar Gabriel zeigt Größe

Nach Ansicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat Gabriel mit seiner Entscheidung Größe bewiesen. Die Partei könne Sigmar Gabriel dankbar sein für diese Entscheidung, sagte die frühere SPD-Schatzmeisterin am Dienstag am Rande der SPD-Fraktionssitzung im Bundestag. "Er hat sie aus einer Position der Stärke heraus gefällt und damit wahre Größe gezeigt."

Die AfD schreibt auf ihrer Facebookseite: "Sigmar Gabriel (SPD) übergibt das Zepter an Martin Schulz, dieser soll den Parteivorsitz übernehmen und Kanzlerkandidat werden. Damit erfüllt die SPD abermals eine Forderung der #AfD. Einen besseren Wahlhelfer als Martin Schulz könnten wir uns nämlich gar nicht vorstellen!"

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tis mit Agenturen