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Pressestimmen Von "zu viele Patzer" bis "es kommt auf Ergebnisse an" – so sehen Medien Habecks "Maischberger"-Auftritt

Wirtschaftsminister Robert Habecks Auftritt bei "Maischberger" war kein Glanzstück politischer Kommunikation
Wirtschaftsminister Robert Habecks Auftritt bei "Maischberger" war kein Glanzstück politischer Kommunikation
© Bernd von Jutrczenka / DPA
Wirtschaftsminister Robert Habeck sagt bei "Maischberger" etwas zu Insolvenzen, was Zweifel an seiner Kompetenz weckt – und provoziert viele Kommentare in deutschen Medien.

In der ARD-Sendung "Maischberger" am Dienstagabend hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf die Frage, ob er mit einer Insolvenzwelle am Ende dieses Winters rechne, geantwortet: "Nein, das tue ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erstmal aufhören zu produzieren."

Robert Habeck und die Insolvenz

Als Beispiel nannte Habeck Blumenläden, Bioläden und Bäckereien, weil diese Läden "darauf angewiesen sind, dass die Menschen Geld ausgeben". Solche Betriebe hätten dann wirkliche Probleme, weil es eine Kaufzurückhaltung gebe. "Dann sind die nicht insolvent automatisch, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen", so Habeck.

Nicht nur für die Opposition sind diese Aussagen ein gefundenes Fressen, sondern auch für die Kommentar-Schreiberinnen und -Schreiber deutscher Medien. So hart wie die Union gehen sie allerdings mit Habeck meist nicht ins Gericht. Die Presseschau:

"Bild"-Zeitung: "Das Amt des Bundeswirtschaftsministers ist kein Trainee-Programm, in dem Politiker erst einmal monatelang herumschnuppern und sich ausprobieren können. Wer diesen Job macht, muss ein Ass in Wirtschaftsfragen sein. Das gilt ganz besonders in Krisenzeiten. Habeck hat – bei allem persönlichen Einsatz – gezeigt, dass er die Voraussetzungen nicht erfüllt. Dafür hat er sich bereits zu viele Patzer geleistet. Die Gasumlage und das endgültige Atom-Aus zählen zu den schwersten. Es wird Zeit, dass Bundeskanzler Olaf Scholz das erkennt. Und Robert Habeck selbst auch."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Bei aller natürlichen und bemühten Hilfsbereitschaft und Nähe, die Habeck herzustellen sucht: Hier zeigt er nur, dass ihm die Bodenhaftung fehlt. Und sein sonst gerühmter Pragmatismus wirkt in der Energiedebatte eher wie ideologische Verbohrtheit. Auf seine Sympathiewerte muss das alles aber keinen nachhaltigen Einfluss haben. Grün ist in erster Linie immer noch ein Lebensgefühl. Und ein Ort. Wer auf der richtigen Seite steht, kann sich alles erlauben."

"Die Glocke" (Oelde): "Spätestens der Auftritt bei Sandra Maischberger hat den Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck entzaubert. Lange wurde er als der 'Wahr'-Sager gefeiert. Der Denker und Philosoph, der nicht zaudert zu sagen, auf uns kommen schwere Zeiten zu, die wirtschaftlich nicht alle überleben werden. Doch die grüne Galionsfigur gerät zunehmend ins Trudeln, wenn es um harte Krisenbewältigung geht. Die Gasumlage – handwerklich schlecht gemacht. Der vorgeschlagene Reservebetrieb der Atomkraftwerke – teuer und ideologiegeprägt. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland? Völlig verkannt."

Jeder Zweite befürchtet Versorgungsengpässe im Winter

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Gesessen haben Merz' Attacken gegen Habeck. Dessen Plan, zwei AKW nur in Reserve zu halten, statt möglichst viel Strom zu produzieren, entpuppt sich in der Tat als Irrsinn. Mehr Angebot schaffen ist schließlich der einfachste Weg, die Preise zu senken. Dass einer der zwei Betreiber den Reservebetrieb für technisch unmöglich hält, erhöht den Druck auf den Kanzler, die Grünen zur Raison zu bringen und Bürgern und Wirtschaft das Atomstrom-Potenzial im Winter nicht vorzuenthalten. Ob Habeck den Herausforderungen gewachsen ist, das fragen sich nach seinem bizarren Talkshow-Auftritt immer mehr Menschen. Insolvenzen und Betriebsschließungen durcheinanderzubringen geht für einen Wirtschaftsminister gar nicht. Den Unternehmen wird angst und bange."

"Nordwest-Zeitung" (Oldenburg): "Der Kinderbuchautor Robert Habeck, der in einem seiner Werke schon mal beschreibt 'wie aufregend ein nächtlicher Stromausfall sein kann', glaubt offenbar, man könne die Marktwirtschaft einfach so an- und wieder ausknipsen. Das macht sprachlos. Was er da bei Maischberger herausgestottert hat, bedeutet im Klartext: Er weiß, dass Existenzen verloren gehen werden – und es ist ihm egal. Habeck und viele seiner Grünen leben in einer Parallelwelt, in der Strom aus der Steckdose und Geld aus dem Automaten kommt. Einst zogen sie mit einem Plakat in den Wahlkampf, auf dem zu lesen war „Erlebe dein grünes Wirtschaftswunder“. Wenn wir nicht Obacht geben, erleben wir nun dieses Wunder tatsächlich – in Form von Stromabschaltungen und einer Insolvenzwelle."

"Zweifel, ob Habeck Ahnung von Wirtschaft hat"

"Nürnberger Zeitung": "Was der Grünen-Wirtschaftsminister zuvor im Talk bei Sandra Maischberger verzapft hatte, war eine unverhoffte Vorlage für einen Oppositionsführer; doch was viel schwerer wiegt: Habecks rhetorische Drehungen, Wendungen und Irrlichtereien auf die eigentlich einfache Frage Maischbergers, ob er eine Insolvenzwelle befürchte angesichts der galoppierenden Energiepreise, verstärkt ohnehin berechtigte Zweifel, ob im Wirtschaftsministerium ein Minister sitzt, der Ahnung von Wirtschaft hat – oder doch eher einer, der Nicht-Ahnung wortreich verbergen und damit seine zahlreichen Bewunderer in der Blase der Politikmoralisten und in vielen Medien einzuseifen vermag."

"Der Tagesspiegel": "Habeck bei Maischberger: Das war ein kommunikatives Debakel. Ärger allerdings ist eine Politik, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht wirklich alles zu tun, um die Energieknappheit zu bekämpfen. Wie ernst muss die Lage noch werden, damit sich auch der letzte Rest Ideologie in Pragmatismus verwandelt? Wer auf diese Frage die Antwort verweigert, nährt den Populismus der Montagsdemonstranten – von Links wie von Rechts."

"Die Zeit": "Kann man von einem Minister erwarten, dass er das verständlich erklärt? Ja. Ist es ein Nachweis von fachlicher Ungeeignetheit, wenn das einmal weniger gut gelingt? Nein. Denn so wichtig Kommunikation gerade in der Politik sein mag: Letztlich kommt es darauf an, was jemand tut und welche Ergebnisse er abliefert."

Quellen: DPA, "bild.de""faz.net", "tagesspiegel.de""zeit.de".

tkr

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