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Und jetzt ... Django Asül: Caterer für die After-War-Party

Dass Kriege auch ohne Waffen gut organisiert durchgeführt werden können, hat das Spiel Deutschland-Nigeria bei der Frauenfußball-WM gezeigt. Dagegen ist Kriegsfachkraft bei jungen Leuten out. Dumm gelaufen für die freiwillige Bundeswehr.

Eine satirische Salve von Django Asül

Die Wehrpflicht ist Vergangenheit. Interessant sind die Reaktionen darauf. Das griechische Parlament segnet daraufhin gleich das neue Wellnesspaket der EZB und des IWF ab. Die deutsche Fußballnationalfrauschaft wird sofort aggressiver von den Gegnerinnen attackiert. Obama verkündet das Ende der Kriegsfreude jenseits des Atlantik. Sabine Lisicki scheitert im Halbfinale von Wimbledon.

Bundesinnenminister Friedrich sieht sich von Extremisten aus allen Windrichtungen und Kulturkreisen bedroht. Da soll noch einer behaupten, die schwarz-gelbe Regierung wäre nicht in der Lage, weitreichende Entscheidungen zu fällen. In der Bevölkerung kommt dieser Schnellschuss sehr unterschiedlich an. Und zum Teil auch sehr missverständlich.

Personalfreie Bundeswehr in Sicht

Darum sei an dieser Stelle ausdrücklich betont: Nicht die Bundeswehr wird abgeschafft, sondern nur die Pflicht, ihr temporär oder langfristig beizutreten. Was logischerweise die Möglichkeit beinhaltet, dass es relativ zeitnah eine personalfreie Bundeswehr zu bestaunen gibt. Das ist auch den internationalen Verpflichtungen geschuldet. Deutschland ist schließlich Mitglied in der Nato, beim DFB und in Stoßzeiten sogar beim ADAC. Eine gewisse theoretische Wehrhaftigkeit ist da allein schon aus Prestigegründen erhaltenswert.

Dass der Nachweis der Praxistauglichkeit nicht zum Tragen kommt, verdankt Germany den diplomatischen Feinziselierungen eines Außenministers Westerwelle. Wo es Ärger gibt, hält sich Deutschland raus. Und wenn der gröbste Rauch sich verzogen hat und nur noch mit Platzpatronen geschossen wird, bringt Guido einen Kuchen vorbei sowie einen Gutschein für eine After-War-Party. Einzige Bedingung: Als Eventmanager und Caterer muss die bessere Hälfte aus dem Hause Westerwelle verpflichtet werden. So lernt die kriegstreibende Welt Deutschland als einen verlässlichen Partner kennen, der sofort zur Deeskalation beiträgt, wenn ohnehin nichts mehr eskalieren kann.

Mannschaftslaufbahn für alle

Solche geostrategischen Entwicklungen machen natürlich die Bundeswehr obsolet. Und weil die heutige Jugend etwas erleben will statt wie ein griechischer Beamter bis zur Frühpensionierung vergeblich die eigene Daseinsberechtigung zu finden zu versuchen, hält sich der Ansturm auf den Freiwilligendienst vornehm zurück. Dabei gibt es bei der Bundeswehr sogar die Chance, selbst ohne jeglichen schulischen Abschluss anheuern zu können. Undenkbar in der freien Wirtschaft. Aber in der Bundeswehr nennt sich das Mannschaftslaufbahn. Hört sich ein bisschen verquer an, deutet aber sachte darauf hin, dass es eben in der Gesellschaft Menschen gibt, deren Fähigkeiten sich der Öffentlichkeit bisher nicht allzu aggressiv aufdrängen. Dadurch können sie kein Individuum sein, sondern nur Teil einer Mannschaft. Hier offenbart sich auf subtile Weise auch der soziale Charakter der Bundeswehr. Sichere Verwahrung, freie Kost und Logis, dazu noch garantierte Kontingente an ballistischem Kleinkram!

Wo gibt es so was sonst noch? Das Angebot an sich ist also eigentlich für jedermann reizvoll. Der Knackpunkt ist aber nach wie vor Afghanistan. Dort passiert einfach viel zu viel, was rational denkende junge Menschen zu recht nicht nachvollziehen können. Al Kaida sitzt längst in Pakistan. Die Amerikaner sind schon am Zusammenpacken, weil Obama ja auch wiedergewählt werden will. Und je länger westliche Truppen im Lande sind, umso verworrener wird die Situation. Das Konzept für die Zukunft Afghanistans mag es zwar geben, gefunden hat es bisher jedenfalls noch keiner. Und dafür soll man vor Ort den stahlbehelmten Kopf hinhalten? Da muss man nicht mal das kleine Einmaleins beherrschen, um eine belastbare Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen.

Hoffentlich keine Sandallergie in Afghanistan

Die härteste Aufgabe der Bundeswehr ist somit die Nachwuchsgewinnung. In sekundärpubertären Blättern wie "Bravo" war man einst Werbung für Pickelentferner und Schweißfußvermeider gewohnt. Nicht jedoch markige Anzeigen der Bundeswehr, wie sie neuerdings immer öfter platziert werden. Sogar Beachvolleyball-Turniere werden ausgerichtet, um die Sandverträglichkeit der Haut zu testen. Gibt ja nichts Dämlicheres, voller Tatendrang am Hindukusch zu landen, nur um tags drauf von der medizinischen Abteilung eine Sandallergie attestiert zu bekommen. Wäre schon peinlich, wenn der Traum von Purple Hearts am Revers sich schlussendlich in ästhetisch interessanten, aber dermatologisch bedenklichen Ornamenten auf der Oberfläche der Extremitäten manifestiert.

Die Zeichen stehen laut neuesten Statistiken nicht allzu günstig für die Bundeswehr. In der Wirtschaft wächst ja auch noch der Fachkräftemangel. So sehr sich die Jugend wünscht, einen schönen Beruf zu ergreifen und darin aufzugehen: Kriegsfachkraft ist irgendwie out. Der junge Mensch von heute ist scheinbar lieber konstruktiv tätig. Und agiert damit diametral zur Bundesregierung. Es gibt sie also doch, die sinnvolle Entfremdung. Und dass Kriege heute auch ohne Waffen unbürokratisch und dennoch gut organisiert stattfinden können, bewies das Spiel Deutschland-Nigeria bei der Damen-Fußball-WM.

Django Asül live ...

... am 8.Juli in Vaterstetten/Marktplatz Baldham, 10.Juli in Göttingen/Deutsches Theater