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Böller und Raketen Deutsche Umwelthilfe will Verbot von Silvesterfeuerwerk – so sieht es in anderen Ländern aus

Feuerwerk explodiert kurz nach Mitternacht am Nachthimmel
Feuerwerk explodiert kurz nach Mitternacht am Nachthimmel
© Julian Stratenschulte / DPA
Deutschland diskutiert, ob es Verbote von Silvesterfeuerwerk in Städten geben sollte. Die Deutsche Umwelthilfe zumindest fordert das. Aber wie regeln andere Länder Feuerwerk und Böllern an Silvester?

Keine zehn Wochen mehr, dann feiern wir den Jahreswechsel - und wenn es nach Umweltschützern geht, begrüßen die Deutschen das Jahr 2020 mit möglichst wenig Silvesterkrachern und -raketen. Die Umwelthilfe macht Druck auf bisher 98 Städte, im Kampf gegen gefährlichen Feinstaub die private Böllerei zum Jahreswechsel zu verbieten.

Die Bundesregierung müsse solche Verbote erleichtern, forderte Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch. Als Spaßbremse wollte er aber nicht dastehen - und warb stattdessen für große Licht-Shows zu Musik als alternativen Start ins neue Jahr. 

Bei Thema Silvesterfeuerwerk droht die Umwelthilfe nicht mit Klagen

Die Umwelthilfe ist unter anderem dafür bekannt, dass sie im Kampf für saubere Luft Städte per Klage zu Diesel-Fahrverboten zwingt. Bei Silvesterböllern stehe so etwas aber nicht an, betont die Organisation. Es werde kein geltender Grenzwert überschritten, sagte Resch - es gehe bisher um "vorausschauende Umweltpolitik", nicht um Gesetzesbruch. Die Umwelthilfe drohe den Städten nicht mit Klagen.

Neu ist die Debatte nicht - der Streit taucht jedes Jahr um Silvester herum wieder auf. Tierschützer warnen vor Stress für Hunde und Katzen, Pferde und Wildtiere. Feuerwehr und Notärzte richten sich auf Brände und Verletzte ein. Umweltschützer warnen vor Feinstaub und tonnenweise Müll. Und Hilfsorganisationen regen an, statt Raketen und Krachern doch lieber zu spenden - das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt etwa unter dem Stichwort "Brot statt Böller".

Umfrage: 43 Prozent der Deutschen wollen Knaller ganz verbieten lassen

Ende vergangenen Jahres fragte das Meinungsforschungsinstitut Yougov bei den Deutschen nach: Demnach sagen 61 Prozent, Silvesterknaller sollten in Innenstädten verboten werden. 60 Prozent fänden es richtig, wenn es in großen Städten nur noch offizielle Feuerwerke gäbe. Silvesterknaller komplett verbieten lassen wollen demnach etwa zwei von fünf Deutschen (43 Prozent).

Viele Städte haben auch schon Einschränkungen, etwa um alte Fachwerkhäuser vor Bränden zu schützen. In Schleswig-Holstein zum Beispiel gilt in Orten mit einer hohen Dichte an Reetdachhäusern ein Feuerwerksverbot für Privatpersonen. Dazu gehört auch die Insel Föhr, wo Feuerwerk und Böller ganz verboten sind oder nu am Strand gezündet werden dürfen. In ganz Deutschland darf außerdem nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Altersheimen Feuerwerk abgebrannt werden.

Strenge Regeln im europäischen Ausland

Aber auch in anderen europäischen Ländern gelten strenge Regeln für das Silvesterfeuerwerk. In Großbritannien sind seit 2004 die Verkaufsbeschränkungen verschärft worden. So muss man für größere Feuerwerkskörper mindestens 18 Jahre alt sein. 1997 wurden außerdem einige Feuerwerkskörper wegen ihrer potenziellen Gefahr verboten. Bei den Nachbarn in Irland sind sogar nur Feuerwerke der Kategorie F1 erlaubt, zum Beispiel Wunderkerzen oder Tischbomben.

In Schweden dürfen seit dem 1. Juni 2019 Raketen nur noch an Personen mit einer Sondergenehmigung verkauft werden. 2002 wurden dort bereits Knallkörper verboten, 2014 folgten große Raketen. Ein Grund für die Verschärfungen war, die Unfallzahlen zu senken, so die schwedische Zeitung "Aftonbladet".

In Dänemark ist Silvesterfeuerwerk für Privatpersonen zwar erlaubt, aber die Feuerwerkskörper müssen das CE-Zeichen haben – ansonsten ist das Feuerwerk illegal. Das CE-Zeichen garantiert, dass das Feuerwerk getestet und genehmigt ist. Die jeweiligen Kommunen können auch lokal Feuerwerk ganz verbieten. Außerdem dürfen Feuerwerkskörper nur an Personen über 18 Jahre verkauft werden, Ausnahmen gelten für beispielsweise Wunderkerzen oder Knallerbsen.

In Frankreich sind Feuerwerke auch eher die Ausnahme. Der Verkauf und das Zünden von privaten Feuerwerken ist dort vielerorts verboten. Es gibt aber einige, von den Gemeinden organisierte, öffentliche Feuerwerke. Die Stadt Paris hat 2016 eine Verordnung herausgegeben, die besagt, dass Feuerwerkskörper "auf keinem Grundstück der Stadt verwendet, gezündet, abgefeuert oder zur Explosion gebracht werden" dürfen. Außerdem darf keine Person unter 18 Jahren Silvesterknaller oder -raketen "besitzen, benutzen oder entzünden". Hinzu kommen strenge Abstandsvorschriften für Feuerwerk.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, NDR, Föhr Tourismus GmbH, "Süddeutsche Zeitung", "Aftonbladet", legislation.gov.ukfireworkskingdom.co.uk, borger.dkSikkerhedsstyrelsen (1)Sikkerhedsstyrelsen (2)Sikkerhedsstyrelsen (3), france.fr, Stadt Paris

rw

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