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Wählerumfrage Guttenberg-Rücktritt reißt Union ins Tief


Laut Umfragen sorgt der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für ein Umfragetief der Union. Bei einer Bundestagswahl würde die Union nur 33 Prozent der Stimmen bekommen.

Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kostet die Union offenbar deutlich Zustimmung bei den Wählern. Einer Umfrage der "Bild am Sonntag" zufolge könnten CDU und CSU bei Bundestagswahlen derzeit nur noch auf 33 Prozent der Stimmen hoffen, zwei Punkte weniger als vor einer Woche. 74 Prozent der Deutschen sind der Erhebung zufolge der Meinung, dass die schwarz-gelbe Koalition nach dem Rücktritt Guttenbergs schlechter da stehe als vorher. 61 Prozent erwarten, dass der Rücktritt des CSU-Politikers der Union bei den anstehenden Landtagswahlen schaden wird.

Die SPD kann in der Umfrage einen Punkt aufholen und kommt auf 29 Prozent. Auch die FDP legt 1 Prozentpunkt zu und kommt auf 7 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt auf 15 Prozent. Die Linkspartei käme demnach unverändert auf neun Prozent.

Trotz der schlechten Prognose dringt die CDU auf eine rasche Rückkehr zur Sacharbeit. "Ich rate uns allen jetzt, gemeinsam nach vorne zu schauen, die Aufgaben, die vor uns liegen, anzupacken", sagte Generalsekretär Hermann Gröhe. Laut Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) belastet die Guttenberg-Affäre auch den Wahlkampf in Baden-Württemberg. Nach einer Emnid-Umfrage sind 74 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die schwarz-gelbe Koalition von Kanzlerin Angela Merkel nach dem Abgang des einstigen Politstars schlechter dasteht als vorher.

"Die Sache hilft uns nicht, das ist klar. Kurzfristig dämpft so etwas natürlich die Stimmung", sagte Mappus dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Er zeigte sich überzeugt, dass die CDU bei der Landtagswahl am 27. März trotzdem keinen Schaden nehmen werde. Gröhe sagte im Deutschlandfunk, die Menschen wüssten sehr genau, um was es bei den anstehenden Landtagswahlen gehe. "Das wird ihre Wahlentscheidung bestimmen." CSU-Chef Horst Seehofer kündigte an, einen Wahlkampfauftritt von Guttenberg im Südwesten zu übernehmen.

Nach dem Rücktritt des Verteidigungsministers hatte die CSU ihrer Schwesterpartei mangelnde Solidarität vorgeworfen. Seehofer hielt Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan vor, sie seien Guttenberg in den Rücken gefallen, und verlangte ein Vier-Augen-Gespräch mit Merkel. "Ich werde mit Angela Merkel in aller Gelassenheit und Klarheit über den Umgang innerhalb der Union reden", bekräftigte Seehofer in der "Bild am Sonntag". Er wolle, dass sich solche Vorgänge in der Union "nicht mehr wiederholen".

Schavan hatte über Guttenbergs Plagiatsaffäre gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich". Über Lammert wurde berichtet, er habe den Umgang mit der Affäre als "Sargnagel" für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet. Gröhe wies diese Darstellung am Sonntag im Deutschlandfunk zurück: Lammert habe nicht das Verhalten Guttenbergs, sondern die in allen Medien verbreitete Internet-Abstimmung über die Kabinettsbesetzung als "Sargnagel" für die Demokratie bezeichnet.

Unionsfraktionschef Volker Kauder und CDU-Generalsekretär Gröhe wiesen den Vorwurf mangelnder Solidarität zurück. Kauder räumte in der "Passauer Neuen Presse" (Samstag) aber ein, dass es einige wenige Stimmen gegeben habe, "die nicht nötig gewesen wären". Gröhe erklärte, natürlich spiegelten auch Äußerungen aus Reihe der CDU die Gefühle und Diskussionen dieser Tage wider. "Alles andere wäre unnormal."

Seehofer räumte ein, dass der Abgang Guttenbergs in der Plagiats-Affäre einen schmerzlichen Verlust für die CSU bedeute. "Wir sind belastet durch die Turbulenzen, aber nicht geschwächt. Die Kraft der CSU ist ungebrochen", sagte der Parteichef der "Bild am Sonntag". Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Guttenberg in die Politik zurückkehren wird. "Wir wollen ihn wiederhaben, und er hat das Zeug dazu." Eine Garantie könne natürlich niemand abgeben.

Auch Gröhe kann sich ein Comeback des CSU-Politikers vorstellen. "Für ein so großes Talent bleiben die Türen offen. Aber wann er diese offene Tür nutzt, entscheidet er allein." Nach einer Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" erwarten 52 Prozent der Bundesbürger, dass Guttenberg schon bald wieder als Politiker tätig sein wird.

mm/DPA/Reuters DPA Reuters

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