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Fragen und Antworten

Serie von Demonstrationen: Warum Kurden in Deutschland protestieren

Bundesweit haben Kurden in den vergangenen Tagen demonstriert oder Solidaritätskundgebungen abgehalten. Aber worum geht es ihnen eigentlich? Und gibt es einen Zusammenhang mit den Anschlägen auf Moscheen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine Demonstrantin mit gelb-rot-grünem Stirnband und Halstuch zeigt mit ihrer rechten Hand ein Peace-Zeichen

Viele in Deutschland lebende Kurden und linke Deutsche zeigen sich auf Demonstrationen - wie hier in Berlin am 11. März - mit den Kurden in Afrin solidarisch

DPA

Immer wieder in den vergangenen Tagen haben in Deutschland demonstriert - meist friedlich, manchmal sind die Proteste aber auch eskaliert. Worum geht es den Kurden eigentlich? Und gibt es einen Zusammenhang mit den jüngsten Anschlägen auf Moscheen und türkische Einrichtungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Ereignissen der vergangenen Tage.

Wieso demonstrieren die Kurden überhaupt?

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Solidaritätskundgebungen für Afrin gegeben. Die syrische Stadt und ihre Umgebung sind in der Hand der Kurdenmiliz YPG. Seit 20. Januar rückt die türkische Armee mit syrischen Verbündeten gegen die YPG vor. Ankara sieht in der YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Viele Kurden in solidarisieren sich mit der YPG und demonstrieren gegen den Vormarsch der türkischen Armee. Die meisten Proteste blieben friedlich. Bei einigen unangemeldeten Demonstrationen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am Düsseldorfer Flughafen setzte die Polizei Pfefferspray ein. Elf unbeteiligte Reisende und fünf Polizisten wurden dort leicht verletzt. An den Kundgebungen beteiligen sich nicht nur Menschen mit kurdischen Wurzeln, sondern zum Teil auch Linke ohne Migrationshintergrund. Nach einer Kundgebung kurdischer und linker Gruppen blockierten Demonstranten in Hamburg S-Bahn-Gleise.

Warum schwappt der Konflikt nach Deutschland über?

Eine Sprecherin des erklärt: "Deutschland ist aufgrund des hiesigen Bevölkerungsanteils auch Spiegel der türkisch-kurdischen Konflikte in den Heimatregionen. Die Vorfälle in der Region um Afrin haben auf die hier lebenden Kurden einen Emotionalisierungseffekt." Davon unabhängig gelte aber: "Gewalt auf unseren Straßen darf wie jede andere Form von Straftaten unter keinen Umständen geduldet werden."

Was steckt hinter den Anschlägen auf Moscheen und islamische Einrichtungen?

Im vergangenen Jahr gab es laut Bundesinnenministerium in Deutschland mindestens 950 Angriffe auf Muslime und islamische Einrichtungen. In fast allen Fällen waren die Täter Rechtsextremisten. Die Tatsache, dass es neben den auch Vereine ohne religiösen Bezug getroffen hat, deutet eher auf einen Zusammenhang mit dem türkisch-kurdischen Konflikt statt auf ein islamfeindliches Motiv hin. Die Anschläge könnten also eine Reaktion von kurdischen Extremisten auf den türkischen Vormarsch sein.

Wie viele Attacken gab es bisher?

Bekannt sind bislang Angriffe an fünf verschiedenen Orten: In der Nacht zum vergangenen Freitag treffen Brandsätze das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in Lauffen (Baden-Württemberg). In der Nacht zum Sonntag brennt es in einer Berliner Moschee. In Itzehoe (Schleswig-Holstein) werden Fenster einer Moschee eingeschlagen. Kurz darauf brennt rund einen Kilometer entfernt ein türkischer Gemüseladen. In Meschede und Ahlen (Nordrhein-Westfalen) registriert die Polizei nächtliche Angriffe auf die Vereinsheime türkischer Kulturvereine. Aus dem Bundesinnenministerium heißt es: "Die Sicherheitsbehörden stehen zu den aktuellen Ereignissen in ständigen Informationsaustausch."

Haben die deutschen Behörden das ausreichend im Blick?

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hat vor einem Jahr gewarnt, die Konflikte in der Türkei hätten auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland. Er sehe die Gefahr, dass "Stellvertreter-Auseinandersetzungen" zwischen Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK und nationalistischen Türken hierzulande eskalierten. Aus Sicht vieler in Deutschland lebender Türken tut die Polizei aber nicht genug. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) verlangt jetzt einen "besseren Schutz der Moscheen". Im Kurznachrichtendienst Twitter machten einige Deutschtürken am vergangenen Wochenende ihrem Ärger unter dem Hashtag #MerkelSchützMeineMoschee Luft.

Wie gehen die Migrantenverbände mit den Attacken um?

Sie haben die Angriffe einhellig verurteilt. Der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, sagt: "Wer auch immer hinter diesen Anschlägen und Gewaltaufforderungen steht, ob -nahe Kreise oder der türkische Geheimdienst MIT, diese Form der menschenverachtenden Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen." Er ärgert sich aber auch über "die Kriegspropaganda" in den Ditib-Moscheen. Die Jugendlichen kurdischer Herkunft ruft er auf, sich nicht "von radikalen Gruppen instrumentalisieren" zu lassen.
Gleichzeitig zeigt er Verständnis für die Wut von Kurden angesichts des "Schweigens der Bundesregierung zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Afrin". Auch das Verbot einer für den 17. März geplanten Veranstaltung zum kurdischen Neujahrsfest ("Newroz") in Hannover habe für berechtigten Unmut gesorgt, sagt er.

tkr / DPA