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Kandidat der Freien Wähler: Alexander Hold - der TV-Richter, der Bundespräsident werden will

Jahrelang war Richter Alexander Hold ein Star im Reality-Fernsehen auf Sat 1. Nun, findet er, sei die Zeit reif, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.

Alexander Hold

Alexander Hold kandidiert für die Freien Wähler für das Amt des Bundespräsidenten

Hat er jemals ernsthaft darüber nachgedacht, wie es wäre, Bundespräsident zu sein? "Ganz ehrlich", sagt Alexander Hold, "das habe ich."

Es ist ein bitterkalter Januarmittwoch, und Alexander Hold, blauer Anzug, weißes Hemd, schwarze Brille, ist mit seinem Auto auf der schneeverwehten B 12 durch die Dunkelheit von Kempten nach Germering unterwegs. Er will zum Neujahrsempfang der Freien Wähler. Er muss sich sputen. Er ist da gleich der Top Act, und er ist spät dran. Hold wird im Hinterzimmer des Hotels Mayer eine Rede zur Lage der Nation halten. So, wie das an diesem Morgen auch schon der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck getan hat – ganz ähnlich, allerdings im Schloss Bellevue. Es war Gaucks letzter großer Auftritt, ein Plädoyer für die wehrhafte Demokratie in schwierigen Zeiten. Typisch Gauck. Viel Nachdenkliches, ein bisschen Pathos. Demokratie-Prosa vor gehobener Kulisse.

Alexander Hold dreht für einen Moment sein Autoradio lauter, um auf Bayern 5 die Nachrichten zu hören. Er mag Gauck ja. Guter Mann. Wobei – vielleicht doch eine Spur zu abgehoben in seiner Rhetorik. Zu gedrechselt, um von jedem wirklich verstanden zu werden. "Ich wäre da unverkrampfter" , sagt Hold. Eher so wie der kürzlich verstorbene Roman Herzog.

Mit etwas Fantasie, nein, stopp, mit ganz, ganz, ganz viel Fantasie, hört Hold just in diesem Moment am Steuer seines BMW seinem künftigen Vorgänger im Amt zu.

Und das Volk? Schaut in die Röhre

Und das kam so: Man hat ihn, Hold, ins Rennen geworfen im vergangenen Sommer, sogar als Allerersten, zu einer Zeit, als die anderen noch schwer mit Taktieren beschäftigt waren. Hold ist nun Bundespräsidentenkandidat der Freien Wähler für die 16. Bundesversammlung. Am 12. Februar wird er gegen Frank-Walter Steinmeier antreten, den gemeinsamen Kandidaten von Union und SPD, gegen Christoph Butterwegge, den Kandidaten der Linken, und gegen Albrecht Glaser von der AfD. Eine demokratische Wahl – frei und geheim. Einerseits.

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Andererseits, die Freien Wähler stellen in der Bundesversammlung elf Wahlmänner. Genauer gesagt, elf von 1260, was heißt: Für Alexander Hold ist zwar ein Platz in den Geschichtsbüchern reserviert, allerdings nur als Fußnote.

Vom Ergebnis her betrachtet müsste man deshalb nicht allzu viel Aufhebens machen um diesen sympathischen Mann, der sich mit leichter Allgäuer Klangfärbung der ganz großen Politik nähern will. Doch hieße das nicht, dass man sich mit jenen ungeschriebenen Regeln des Parteienstaates arrangiert hätte, gegen die es gerade so viel Widerstand im Volk gibt? Auch dieses Mal ist das künftige Staatsoberhaupt ja irgendwie ausgekungelt worden. Erst wochenlanges Gewürge. Dann Chefsache in klandestiner Dreierrunde von Merkel, Seehofer und Gabriel. Am Ende: Frank-Walter Steinmeier, primär ausgesucht nach den schnöden Kriterien des Machterhalts. Eine Präsidentenvorauswahl nach dem Motto: Das haben wir schon immer so gemacht, da könnte ja jeder kommen.

Und das Volk? Schaut in die Röhre. Alexander Hold hat am Tag der inoffiziellen Kür seines prominenten Konkurrenten ein dreiminütiges Video auf seine Facebook-Seite gestellt. Es trägt den Titel: "Gut, Frank-Walter Steinmeier wird also ohne Zweifel Bundespräsident. Nein, überhaupt nicht gut." Es ist eine ziemlich kritische Rede geworden sowie ein Plädoyer, das Staatsoberhaupt künftig direkt zu wählen. Hold äußert darin die Sorge, dass "eine abgesprochene Bundespräsidentenwahl" die Zahl der Menschen weiter vergrößern werde, "die sich weder verstanden noch vertreten fühlen". Das Video wurde noch am selben Tag etwa eine Million Mal geklickt. Na gut, die meisten sind nach 18 Sekunden wieder ausgestiegen. Aber das langt, um einen Begriff zu bekommen, worum es Hold geht.

Das Schneetreiben vor Germering wird jetzt dichter. Hold muss ein wenig vom Gas. Er sagt, er habe was gelernt über die Schnelligkeit, die im Netz verlangt werde. Aber auch etwas über die Gegenöffentlichkeiten, die mittlerweile existierten.

Eine Million Klicks! Man kann das auch als Protest aus einer Echokammer lesen, als ziemlich deutliches Zeichen des Widerwillens gegen dieses Das-haben-wir-immer-schon-so-gemacht.

Erste Rückblende: Im Sommer 2016 hat Alexander Hold tatsächlich um zwei, drei Tage Bedenkzeit gebeten, als ihn Hubert Aiwanger, der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, am Telefon mit der Idee überrascht hat, wie es denn wäre, wenn er für das Amt des Staatsoberhauptes kandidierte. Wäre das nicht eine gute Sache für das Land und eine noch bessere für die Freien Wähler? Und wäre es nicht auch ein Zeichen für all jene, denen man Hoffnung geben will, "dass es in Deutschland noch Parteien und Kandidaten gibt, die nicht so verbraucht und Lobby-verseucht sind", wie es Aiwanger ausdrückt, "und die die Bürgerinteressen einbringen würden"?

Hold hat sich mit seiner Lebenspartnerin besprochen, hat darüber nachgedacht, was es bedeuten würde fürs Privatleben und ob das alles passen könnte. Berlin. Der Umzug. Die Kinder. Die Staatsbesuche.

Er ist dann zu der Überzeugung gekommen, dass es passen würde. Für seine Lebenspartnerin, für ihn, für die Kinder. Und für die Bundesrepublik Deutschland. "Demokratie" , sagt Hold, "lebt von Alternativen." Er trat an in dem Bewusstsein, keine Chance zu haben, mit der Überzeugung, "dass eine Niederlage kein Scheitern ist". Es war der Moment, in dem sich Alexander Hold dazu entschieden hat, im Namen des Volkes für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.

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Alexander Hold ist kein Populist, aber ganz sicher populär

Zweite Rückblende: Man muss dafür zurück ins Jahr 2001. Es ist das Jahr, in dem aus Hold, dem Richter am Landgericht Kempten, der "Richter Alexander Hold" auf Sat 1 wird. Gemeinsam mit einem Produktionsteam entwickelt Hold ein neues TV-Format fürs Nachmittagsprogramm – gezeigt werden an realen Fällen orientierte Gerichtsverhandlungen, "Scripted Reality". Laiendarsteller spielen Mörder, Vergewaltiger, Schuldige, Unschuldige. Und Alexander Hold spielt Richter Alexander Hold.

Zwölf Jahre, bis 2013, verhandelt Hold so ziemlich alles, was die Kriminalität in diesem Land hergibt, gern auch Skurriles wie sexuelle Nötigung von Männern oder jenen Fall, bei dem eine junge, alleinerziehende Mutter ihr Baby in ein Schließfach legt, weil sie mal ungestört ausgehen will. Die Serie wird zum Quotenhit. In mehr als 2000 Folgen sitzt er Werktag für Werktag in seinem TV-Studio-Gericht. Man kann sagen: Er hat dabei das Leben kennengelernt. Und sein Publikum die Rechtsprechung in deutschen Gerichtssälen.

Hold wird zur Marke. Zu "Richter Alexander Hold". Er wird populär. Mehr noch: Er wird für sein Publikum zu einer Art Ombudsmann in Sachen Gerechtigkeit. Wenn ihn die Leute auf dem Bildschirm sehen, dann nehmen sie ihm seine wohlbegründeten TV-Urteile ab, für die er sich tatsächlich jedes Mal nach der Beweisaufnahme zurückzieht. Und wenn sie ihn auf der Straße entdecken, dann wollen sie Rechtsberatung von ihm. Die Ebenen verschwimmen. Ein echter Richter spielt einen Richter. Das ist neu.

Justitia kommt unkostümiert ins Wohnzimmer, zur besten Kaffeezeit. Man kann Alexander Hold an dieser Stelle durchaus mit dem "Unterschichtenfernsehen" kommen, wie der Showmaster Harald Schmidt die Nachmittagsprogramme auf Sat 1 mal genannt hat. Doch das perlt an Hold ab. Er findet die Kritik ziemlich elitär. Denn erstens gebe es Untersuchungen, wonach der Bildungsgrad der Zuschauer durchaus dem deutschen Durchschnitt entspreche. Und zweitens weiß er es aus eigener Erfahrung besser. "Wenn ich zum Arzt in eine Praxis gehe, dann kennt der mich tatsächlich nicht, der muss um diese Zeit, in der die Sendung läuft, ja arbeiten", sagt Hold. "Wenn ich aber ins Krankenhaus gehe, dann kennen mich alle. Die haben ja schließlich Schichtdienst."

Ein neuer "Richter Gnadenlos"? Nicht mit ihm

Für Hold ist die Serie von Anfang an eine Win-win-Situation in Sachen Glaubwürdigkeit. Im Fernsehen bezieht die Kunstfigur ihre Autorität aus Holds juristischer Vergangenheit – und im realen Leben verleiht ihm der Dauerauftritt bei Sat 1 zusätzliches Gewicht. Als der Sender von ihm mal härtere Urteile anmahnte, weil der Zeitgeist danach verlangte, da pochte Hold auf seine richterliche Unabhängigkeit, die er sich eigens im Vertrag hatte festschreiben lassen. Ein neuer "Richter Gnadenlos"? Nicht mit ihm.

Im Jahr 2008 geht er in die Politik. Für die Freien Wähler sitzt er im Stadtrat von Kempten. Er kennt die Mühen der Ebenen. Wenn er an den Sitzungen des Kemptener Ältestenrats teilnimmt, sieht er den Sinnspruch, der über der Eingangstür in die Holzvertäfelung eingelassen ist: "Wer dem Gemeyn dient, dient einem bösen Herren." Hold findet, da ist viel Wahres dran. Das Gemäkel an der Politik hat ihn dennoch nie gestört. Eher hat es ihn angespornt, es anders zu machen. Mittlerweile sitzt er als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtrat. Gemeinsam mit der CSU stellt man den Oberbürgermeister. Wahrscheinlich wäre er selbst seit drei Jahren Kemptener OB, wenn er nur gewollt hätte. "Es hat damals nicht in meinen Lebensplan gepasst", sagt Hold.

Diesmal aber passt es, und Hold ist nun in neuer Mission unterwegs. "Wenn mir im Fernsehen und im Gerichtssaal gelungen ist, das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder zu beleben, wieso sollte es mir nicht gelingen, das Vertrauen in die Politik wieder herzustellen?"

Es gibt in diesem Jahrtausend mutmaßlich niemanden mit einer höheren Medienpräsenz als Richter Hold, kein "Tagesschau"-Sprecher kommt an ihn ran, wahrscheinlich nicht mal Franz Beckenbauer zu den Hochzeiten des Sommermärchens. An "normalen" Tagen sahen ihm knapp zwei Millionen Zuschauer bei seinen Urteilsbegründungen zu, sein Spitzenwert lag bei 3,9 Millionen. Noch heute laufen auf Sat 1 zur Mittagszeit die Wiederholungen von "Richter Alexander Hold". Immer montags, dienstags, mittwochs, donnerstags. Und freitags auch. Zweimal pro Tag, um 11 und um 12 Uhr. Außerdem hat er noch seine Kolumne im Sat 1-Frühstücksfernsehen – "Hold hat Recht". Als er, Zufall, am Morgen nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Studio sitzt, macht ihn der Sender kurzerhand zum Terrorexperten. Auch das meistert Hold routiniert.

Alexander Hold sagt Sätze wie: "Wir regulieren uns zu Tode"

Er ist populär. Zur Sicherheit trägt er noch immer die alten Autogrammkarten von Sat 1 bei sich, auch wenn die Menschen heute meist dazu übergehen, ein Selfie mit ihm zu machen. Kürzlich hat er tatsächlich einen Moment lang überlegt, ob das mit der Würde eines Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vereinbar ist. Andererseits, warum eigentlich nicht?

Als er an einem Sonntagnachmittag im Januar im Restaurant "Hoflieferant" in Magdeburg beim Neujahrsempfang der Freien Wähler Sachsen-Anhalt am Tisch sitzt, bildet sich sofort eine kleine Schlange von Frauen meist mittleren Alters, die geduldig für eine Unterschrift anstehen. Marion will ein Autogramm für sich. Und Angela auch. Und als Angela noch eins und dann sogar noch eins will, da sagt Hold mit mildem Charme: "Das ist bei dir ja wie mit der Bundesregierung – die rückt auch nur ganz langsam mit der Wahrheit raus." Angela muss lächeln. Wahrscheinlich, weil beides stimmt.

Man bekommt in solchen Momenten einen Begriff davon, wie gewinnend Hold auf sein Publikum wirkt. Und vielleicht erklärt das sogar ein wenig das Ergebnis einer Online-Abstimmung im Raum Rosenheim, nachdem Alexander Hold dort zu Besuch war. Im Dezember sollten die Nutzer des Online-Portals rosenheim24.de darüber abstimmen, wer am 12. Februar neuer Bundespräsident werden soll. 1572 Personen beteiligten sich, immerhin. Hold bekam 75 Prozent der Stimmen, Steinmeier ganze neun, die beiden anderen Kandidaten landeten unter "ferner liefen".

Oder ist da noch mehr? Trifft er einen Nerv? Alexander Hold hat eine Standardrede, die er bei seinen diversen Terminen vor den Freien Wählern hält, ob nun in Weiden, im Hotel Mayer Germering oder im Restaurant "Hoflieferant" in Magdeburg. Mit ein bisschen Wohlwollen kann man den knapp einstündigen Vortrag auch als ein Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie zusammenfassen, vielleicht noch unter Hinzuziehung des gesunden Menschenverstands.

Er ist kein Populist. Schon gar nicht einer vom rechten Rand. Ganz sicher nicht. Hold sagt Sätze wie: "Wir regulieren uns zu Tode." Oder: "Ein Staat muss seine Autorität zeigen, um am Ende nicht autoritär sein zu müssen." Er hätte im Fall Amri beispielsweise dafür plädiert, dass dessen 14 verschiedene Identitäten Grund genug gewesen wären, ihn in Abschiebegewahrsam zu nehmen. "Die Unschuldsvermutung ist im Strafrecht elementar wichtig", sagt Alexander Hold, "aber auch im Aufenthaltsrecht?" Da plädiert der Jurist doch schwer dafür, im Zweifel im Sinne des Staates mal fünfe gerade sein zu lassen.

Man wüsste jetzt tatsächlich gern zumindest für eine historische Schrecksekunde nach dem ersten Wahlgang, was Angela Merkel wohl sagen würde, wenn sich herausstellte, dass unter den 1260 Wahlmännern und -frauen der Bundesversammlung doch ein paar mehr Sat-1-Zuschauer sind als gedacht. Wenn sich auch für Alexander Hold die Chance auftäte, die er eigentlich nie gehabt hat.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(

Von:

sowie Felix Futschik