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Widerstand gegen Wowereit wächst: Pannenflughafen BER wird wohl teurer als fünf Milliarden

Eine unendliche Geschichte: Der Pannenflughafen BER wird noch einmal teurer. Über fünf Milliarden Euro werden es wohl werden - statt zuletzt 4,3. CDU und Linke fordern einen neuen Aufsichtsratschef.

Nachdem der Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens BER davon ausgeht, dass der zuletzt gesetzte Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro gesprengt werden wird, wächst der Widerstand gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Chef des Aufsichtsrats. Wowereit führt das Gremium derzeit kommissarisch, nachdem Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gesundheitsbedingt aus dem Amt geschieden war. Die Linkspartei in Berlin und die CDU in Brandenburg sperren sich dagegen, dass Wowereit den Vorsitz nicht wieder vollends zu übernimmt. "Die Bilanz von Klaus Wowereit kennen wir nur zu gut", sagte der Chef des Berliner Landesverbandes der Linken, Klaus Lederer, dem "Handelsblatt". "Eine personelle Veränderung an der Aufsichtsratsspitze ist daher naheliegend." Als aussichtsreicher Kandidat wird der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) gehandelt.

Heilmann müsse, so er denn den Vorsitz übernimmt, die Arbeit "grundsätzlich neu organisieren". Der Aufsichtsrat wird für die Pannen und die Kostenexplosion beim Bau des Großstadtflughafens mit verantwortlich gemacht. Nach wie vor gibt es keinen Eröffnungstermin und die immensen Kosten steigen weiter. BER-Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider schloss nach Informationen des ZDF nicht aus, dass die Fünf-Milliarden-Euro-Marke überschritten wird: "Es wird teurer als ursprünglich geplant. Ob die fünf Milliarden real sind oder nicht, das vermag ich nicht zu sagen. Das bedauere ich sehr", sagte Bretschneider.

Schallschutz treibt Kosten in die Höhe

Der neue Airport wird aus Sicht des Bundes der Steuerzahler mehr als fünf Milliarden Euro kosten. Der Verein führt das Projekt in seinem neuen Schwarzbuch als Beispiel für Kostenexplosionen und Verschwendung an.

Bretschneider sagte laut ZDF auch, der Schallschutz könnte sogar doppelt so teuer werden wie in der letzten Kostenerhöhung veranschlagt: Statt 305 Millionen Euro zusätzlich geht es bei der Umsetzung einer sehr strengen Lärmschutzvorgabe nun um die doppelte Summe: "700 Millionen für den Schallschutz würde ich nicht ausschließen", so das BER-Aufsichtsratsmitglied.

Auch München hieß schon "Chaosflughafen"

Zur Frage, ob sich der neue Flughafen angesichts der finanziellen Belastungen künftig überhaupt selbst tragen kann, zeigt sich Bretschneider optimistisch: "Im Moment gehe ich davon aus, dass sich das tragen wird, allerdings nicht so früh wie gedacht."

Schwierigkeiten hätten auch schon andere bei einem großen Flughafenbau gehabt. Den Flughafen München habe man schon "Chaosflughafen" genannt, weil er seine Kosten verdreifacht habe. "Das heißt nicht, dass wir entschuldigen, was hier passiert ist", unterstrich Bretschneider aber.

dho/DPA / DPA