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Flüchtlingskrise: Kroatien öffnet zwei Grenzübergänge zu Serbien wieder

Dresden bietet eine "Welcome App" an, in Finnland wird ein Flüchtlingsbus attackiert und die Bundesregierung vermutet 30 Prozent "falsche Syrer" unter den Asylsuchenden. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Grenzübergang Bajako an der Autobahn E70 zwischen Belgrad und Zagreb

Auch der Grenzübergang Bajako an der Autobahn E70 zwischen Belgrad und Zagreb ist weider geöffnet

Die Anzahl der Kinder auf der Flucht nach Europa hat sich laut UN-Angaben in den vergangenen Monaten dramatisch um 80 Prozent erhöht. Bundestag und Bundesrat haben heute beschlossen, Asylsuchende, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, mithilfe eines neuen Gesetzes gleichmäßiger auf die Länder zu verteilen. Derweil schätzt die Bundesregierung, dass 30 Prozent der Flüchtlinge, die sich als Syrer ausgeben, gar keine Syrer sind und in Dresden wird eine "Welcome App" präsentiert. Die wichtigsten Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

+++ 19.15 Uhr: Entwicklungsminister Müller fordert Milliarden für Flüchtlinge +++

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert eine massive Ausweitung der Hilfe für Flüchtlinge in Syriens Nachbarstaaten und in Südosteuropa . "Wir müssen jetzt klotzen statt kleckern, wir brauchen ein Zehn-Milliarden-Euro-Sofortprogramm der EU", sagt Müller der "Rheinpfalz" (Samstag). 

"Fünf Milliarden für die Krisenländer, fünf Milliarden für die Länder Südosteuropas, die derzeit die Hauptlast tragen", fügt Müller hinzu. Jeder Euro, der in der Krisenregion eingesetzt werde, bewirke dort zwanzigmal so viel wie in Deutschland. Der Minister ist zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in New York beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel.

Zugleich spricht sich Müller für gerechtere Welthandelsbeziehungen aus. "Wir müssen vom freien zum fairen Handel kommen. Am Anfang jeder Lieferkette steht immer ein Mensch, der von seiner Arbeit leben können muss", sagt er der Zeitung. Das gelte für Kleinbauern in Afrika genauso wie für Näherinnen in Bangladesch.

+++ 17.39 Uhr: Kroatien öffnet zwei Grenzübergänge zu Serbien wieder +++

Kroatien reagiert auf den Druck der EU und öffnet zwei seiner geschlossenen Grenzübergänge zu Serbien. Das berichtet das Staatsfernsehen HRT unter Berufung auf die Polizei. Die Öffnung des Übergangs Bajakovo an der Autobahn E70 zwischen Belgrad und Zagreb sowie des Übergangs bei Tovarnik gelte "ohne Beschränkung", heißt es.

Wenig später teilt auch Kroatiens Innenminister Ranko Ostojic via Twitter mit, die Grenze sei seit 17 Uhr wieder "für alle Autos unabhängig ihres Nummernschildes" geöffnet.


Kroatien hatte seine Grenze zu Serbien geschlossen, um den Nachbarn zu zwingen, nicht mehr wie bisher Zehntausende Flüchtlinge an die gemeinsame Grenze zu transportieren. Ob Serbien Zugeständnisse in dieser Hinsicht gemacht hatte, war zunächst nicht bekannt.

+++ 16.53 Uhr: Brandenburg will sich bei Abstimmung über Herkunftsländer enthalten +++

Brandenburg will sich bei der Abstimmung über die Einstufung weiterer Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer voraussichtlich enthalten. Bei Uneinigkeit der Regierungspartner SPD und Linke sei im Koalitionsvertrag Enthaltung bei Abstimmungen im Bundesrat vereinbart worden, sagt Regierungssprecher Andreas Beese. Das Abstimmungsverhalten hänge allerdings noch davon ab, wie der Gesetzentwurf der Bundesregierung formuliert werde.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte der Einstufung von Albanien, Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsländer am Donnerstag beim Asylgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zugestimmt. Doch Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers erklärte am Freitag im Landtag, seine Partei lehne dies ab. Daraufhin stimmte die rot-rote Regierungsmehrheit mit Woidke gegen einen Antrag der CDU, die Landesregierung solle im Bundesrat zustimmen.

+++ 16.11 Uhr: Berlin will Zentrum für Westbalkan-Flüchtlinge schaffen +++

In der geplanten neuen Berliner Erstregistrierungsstelle in der Bundesallee soll vom 1. November an auch ein Zentrum für Westbalkan-Flüchtlinge entstehen. Ziel sei es, deren meist aussichtslose Asylanträge an einem Tag zu bearbeiten, kündigt Sozialsenator Mario Czaja an. Voraussetzung sei, dass dort das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), die Ausländerbehörde, die Polizei und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Hand in Hand arbeiten könnten, um die Verfahren deutlich zu beschleunigen. Der Probelauf dafür erfolge derzeit gerade in dem Polizeigebäude Kruppstraße, sagt Czaja.

+++ 16.03 Uhr: Tschechischer Altpräsident Klaus will Referendum über Quoten +++

Der tschechische Altpräsident Vaclav Klaus fordert eine Volksbefragung über die beschlossene Umverteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union. Bei Regierungspolitikern in Prag stößt der neoliberale EU-Kritiker damit auf Unverständnis. "Ich bin gegen Quoten, die Regierung ist gegen Quoten, das Parlament ist gegen Quoten (...) ich weiß wirklich nicht, worüber man ein Referendum abhalten sollte", sagt Ministerpräsident Bohuslav Sobotka der Onlineausgabe der Zeitung "MF Dnes". Tschechien war neben Ungarn, der Slowakei und Rumänien beim Beschluss der EU-Innenminister zur Verteilung von 120.000 Flüchtlingen überstimmt worden.

+++ 15.44 Uhr: Bestsellerautor Mankell prangert Heuchelei bei Flüchtlingszahlen an +++

Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell kritisiert den Umgang mit den Flüchtlingszahlen. "Ich glaube, dass es in Europa viel Heuchelei in der Art gibt, wie die Flüchtlinge gezählt werden", sagt der Autor der "Wallander"-Krimis der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). "Auf fünfhundert Einwohner kommt hier vielleicht ein Flüchtling, das ist sehr wenig. Die meisten Flüchtlinge gehen von einem armen Land in ein anderes. Es ist also schon geheuchelt, wenn man sagt, wir würden von Flüchtlingen geflutet - das werden wir nicht."

Mankell, der abwechselnd in Schweden und in Mosambik lebt, rechnet mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen: "Wir leben in einer Welt der Flüchtlinge, so ist es eben. Und wir erleben jetzt erst den Anfang. Wir werden bald die Klimaflüchtlinge kommen sehen."

+++ 14.50 Uhr: De Maiziere will noch mehr Stellen bei Asyl-Behörde +++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere unterstützt Forderungen des neuen Leiters des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, nach 3000 weiteren Stellen für die Asyl-Behörde. 1000 zusätzliche Stellen seien ohnehin schon beschlossen, sagt er in Berlin. Er sei zuversichtlich, dass der Finanzminister für die weiteren 2000 Stellen Geld bewilligen werde.

+++ 14.29 Uhr: Mehrere Schwerverletzte bei Schlägereien unter Flüchtlingen +++

Bei Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen in Sachsen sind mehrere Menschen verletzt worden. In einer Unterkunft in Chemnitz mussten zwei 23 und 24 Jahre alte Tunesier nach einer mutmaßlichen Messerattacke ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Polizei berichtet. Zwei 23 und 25 Jahre alte Albaner seien ebenfalls verletzt worden. Die Beamten nahmen einen 18-Jährigen fest, der für die Attacke verantwortlich gewesen sein soll.

Auf dem Leipziger Messegelände kam es am späten Donnerstagabend zu einer Massenschlägerei zwischen rund 200 Syrern und Afghanen. Dabei seien mehrere Menschen verletzt worden, teilt die Polizei mit. Eine DRK-Mitarbeiterin habe sich auf der Flucht vor der Auseinandersetzung die Kniescheibe gebrochen. Ausgangspunkt des Streits sei vermutlich die Bedrohung einer 11-jährigen Syrierin durch einen 17-jährigen Afghanen gewesen, so ein Polizeisprecher. Der 17-Jährige soll dabei ein Messer in der Hand gehalten haben. Als das Mädchen wegrannte und mit ihrem Onkel zurückkehrte, sei es zu einer Rangelei gekommen, an der sich in der Folge immer mehr Menschen beteiligt hätten. Sie sollen teilweise mit Latten, Tischbeinen, Bettgestellen und Ästen aufeinander losgegangen sein.

+++ 14.28 Uhr: Kroatien könnte Grenze zu Serbien öffnen +++

Kroatien stellt die Aufhebung der Grenzblockade zu Serbien in den kommenden 24 Stunden in Aussicht. Das teilt Ministerpräsident Zoran Milanovic über den Twitter-Account der Regierung mit. Die Grenzen waren wegen des Flüchtlingsandrangs geschlossen worden. In der Folge hatten beide Länder auch den normalen Grenzverkehr sowie Warenlieferungen gestoppt.

+++ 14.22 Uhr: UN sehen kein Abflauen der Krise +++

Die Ankunft von täglich rund 8000 Flüchtlingen in Europa stellt nach UN-Darstellung möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs dar. "Ich sehe es nicht abflauen", erklärt der Regionalleiter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Amin Awad, in Genf. Er schließt nicht aus, dass Millionen von Flüchtlingen nach Europa streben könnten. Solange es keine Lösung für den syrischen Bürgerkrieg gebe und die Lage in den Flüchtlingslagern in den Anrainerländern nicht stabilisiert werde, bleibe der Druck zur Flucht erhalten.

Nach Darstellung der UN verschlechtert sich auch die Lage im Irak. Man gehe davon aus, dass zehn Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen seien. In dem Land gebe es mittlerweile 3,2 Millionen Vertriebene.

+++ 13.44 Uhr: Dresden bietet "Welcome App" an +++

Mit einer "Welcome App" für Smartphones will die Stadt Dresden Flüchtlingen künftig die Orientierung erleichtern. Über das Programm können sie Informationen über Asylberatung, Sprachkurse, Notfallhilfe oder Freizeitgestaltung in der Region abrufen. Bisher seien rund 100.000 Euro in die Gestaltung der App investiert worden, teilen die beiden IT-Unternehmen Saxonia Systems AG und HeiRes mit. Nach einer Idee der Dresdner Unternehmerin Viola Klein hatten die beiden Firmen die Software entwickelt. Derzeit führen die Unternehmen Gespräche mit rund 25 Städten und Landkreisen, die die App auf ihre Region anpassen wollen.

+++ 13.07 Uhr: Seehofer bekräftigt Betreuungsgeldpläne +++

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bekräftigt seinen Plan zur Einführung eines Landesbetreuungsgelds. "Wir machen das auf jeden Fall", sagt der CSU-Chef dem "Münchner Merkur". Ein entsprechender Gesetzentwurf des Sozialministeriums werde bald im Kabinett beraten und dann dem Landtag zugeleitet werden. Die Regierung werde sich "zügig mit dem Gesetzentwurf beschäftigen", sagt Seehofer.

Bund und Länder hatten gestern vereinbart, dass die Länder die durch den Wegfall des bundesweiten Betreuungsgeldes freiwerdenden Mittel von langfristig einer Milliarde Euro pro Jahr erhalten. Das Geld soll in den meisten Ländern in Kindertagesstätten und Schulen fließen. Seehofer rechnet für Bayern mit einem Betrag von etwa 200 Millionen Euro, die der Bund jährlich überweist. Der Freistaat werde aber auch noch eigene Mittel zum Betreuungsgeld beisteuern müssen. Die Beihilfe war vom Bundesverfassungsgericht im Juli gekippt worden.

+++ 12.51 Uhr: Kabinettssitzung für Asylrechtsänderungen vorgezogen +++

Die Kabinettssitzung der Bundesregierung wird in der kommenden Woche um einen Tag auf Dienstag vorgezogen, um die Asylrechtsänderungen in einem beschleunigten Verfahren auf den Weg zu bringen. Für Donnerstag ist der erste Durchgang im Bundestag angesetzt. In Kraft treten sollen die am Donnerstagabend vereinbarten Neuregelungen zum 1. November.

+++ 12.39 Uhr: Orban sucht Rückhalt für Grenzschließung +++

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sucht internationale Unterstützung für Überlegungen, den Zustrom von Flüchtlingen über die gemeinsame Grenze mit Kroatien zu blockieren. Ohne vorherige Konsultationen werde er die Grenze nicht schließen, sagt Orban in Wien nach einem Gespräch mit Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann.

+++ 12.33 Uhr: Laut Unicef immer mehr Kinder auf der Flucht +++

Die Anzahl der Kinder auf der Flucht nach Europa hat sich laut UN-Angaben in den vergangenen Monaten dramatisch um 80 Prozent erhöht. Von Januar bis Ende Juli hätten bereits 133.000 Minderjährige in Europa Asylanträge gestellt und damit durchschnittlich 19.000 pro Monat, teilt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) in Genf mit. 

Die meisten dieser Kinder stammten aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Unicef fehle es an Mitteln, um alle Flüchtlingskinder gut betreuen zu können, erklärt Marie-Pierre Poirier, die Unicef-Koordinatorin für die Flüchtlingskrise. Die Organisation appelliere daher an Geberstaaten und Spender, zusätzlich 14 Millionen Dollar (12,5 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen.

+++ 12.00 Uhr: 30 Prozent "falsche Syrer" unter Flüchtlingen vermutet +++

Die Bundesregierung schätzt, dass etwa 30 Prozent der Flüchtlinge, die sich bei der Einreise nach Deutschland als Syrer ausgeben, gar keine Syrer sind. Ein Sprecher des Innenministeriums sagt, die Zahl sei eine Schätzung auf Basis der Wahnehmung der Behörden vor Ort. Statistiken dazu gebe es nicht.

+++ 11.30 Uhr: Flüchtlingsbus in Finnland mit Steinen beworfen +++

In Finnland wurde ein Bus mit Asylsuchenden von Demonstranten angegriffen. Das Fahrzeug sei gestern in Lahti im Süden des Landes mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden, berichten finnische Medien. Einer der zwischen 30 und 40 Randalierer habe ein weißes Kostüm in der Art der rassistischen US-Gruppe Ku-Klux-Klan getragen. In dem Bus saßen 40 Flüchtlinge, darunter auch Kinder.

+++ 11.27 Uhr: Koalition will junge Flüchtlinge besser verteilen +++

Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, sollen mithilfe eines neuen Gesetzes gleichmäßiger auf die Länder verteilt werden. Die bisherige Gesetzgebung sei "nicht für die derzeitige Krise ausgelegt", erklärt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) im Bundestag. Mit dem neuen Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher sollten "zukünftig Kapazitäten in allen Bundesländern" genutzt werden.

Die unbegleiteten Minderjährigen seien eine "sehr schutzbedürftige Gruppe", so Schwesig. Sie könnten "nicht einfach in die großen Erstaufnahmeeinrichtungen gesteckt werden", sondern bräuchten Betreuung, die in einigen Ballungsräumen inzwischen nicht mehr zu gewährleisten sei. Bislang müssen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dort betreut werden, wo sie ankommen. Dies führte dazu, dass sich der Großteil der jungen Flüchtlinge in einigen wenigen Ballungszentren wie Hamburg oder München aufhält.

+++ 11.10 Uhr:  Nahles erwartet bessere Jobintegration +++

Die Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten sind nach Ansicht von Arbeitsministerin Andrea Nahles "gute Signale für eine schnelle Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt". Wissenschaftler sagen wegen der Flüchtlinge steigende Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr voraus.

+++ 10.30 Uhr: Nach Österreich kommen wieder mehr Flüchtlinge +++

Die Zahl der in Österreich ankommenden Flüchtlinge steigt wieder an. Allein zwischen Mitternacht und 7 Uhr früh seien im Grenzort Nickelsdorf 5700 Menschen gezählt worden, sagt ein Polizeisprecher. Am gesamten Donnerstag waren es demnach 7700.

+++ 10.17 Uhr: Bundespolizei zählte gestern 1874 Flüchtlinge +++

Die Bundespolizei hat gestern 1874 neu angekommene Flüchtlinge in Deutschland gezählt. Davon seien 1692 an der deutsch-österreichischen Grenze registriert worden, teilt ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums Potsdam mit.

+++ 10.10 Uhr: Athen startet Vorbereitungen für Registrierungszentren +++

Griechenland trifft erste Maßnahmen zur Bildung von "Hotspots". Diese Zentren zur Flüchtlingsregistrierung sollen nach Überlegungen der Polizei in enger Zusammenarbeit mit europäischen Sicherheitsbehörden und finanziert von der EU auf den Inseln Chios, Lesbos, Samos und Kos entstehen. Die Zentrale Koordinationsstelle soll in Piräus sein. "Sobald es die Finanzierung dazu gibt, können wir starten", sagt ein Offizier der Küstenwache auf Chios.

Nach ihrer Registrierung auf den Inseln sollen die Migranten zunächst in ein Lager etwa 75 Kilometer östlich von Athen gebracht werden. Zudem werde daran gedacht, ein zweites Lager nahe Thessaloniki zu bauen. Nach Angaben aus gut informierten Polizeikreisen sei bislang aber noch kein Geld der EU geflossen. Völlig unklar ist, wie die Menschen, deren Asylanträge abgelehnt werden, zurück in ihre Länder gebracht werden sollen.

+++ 09.44 Uhr: Appell wegen Abschiebestopps für Syrer +++

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der rheinland-pfälzische Ressortchef Roger Lewentz, bittet das Bundesinnenministerium in einem Brief, den seit 2012 geltenden Abschiebestopp für Syrer um ein Jahr zu verlängern. Die Regelung würde eigentlich am 30. September auslaufen.

+++ 09.33 Uhr: Kretschmann kündigt Ja zu Flüchtlingspaket an +++

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will dem Flüchtlingspaket im Bundesrat zustimmen. "Ich bewerte die Einigung positiv", sagt der Grünen-Politiker in Berlin. Umgeben von Spitzenpolitikern der Grünen aus anderen Bundesländern kündigt er an: "Insofern werden wir - glaube ich - alle dafür werben."

+++ 09.17 Uhr: Bouffier wirbt für Flüchtlingspaket +++

Die Bund-Länder-Einigung auf Maßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sei ein "ordentlicher Kompromiss, für den ich werbe", erklärt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. "Und ich gehe davon aus, dass wir später mit einer breiten Mehrheit das beschließen werden", sagt der CDU-Politiker mit Blick auf den Bundesrat. In Hessen regiert die CDU mit den Grünen.

+++ 08:32 Uhr: Grüne halten Bund-Länder-Ergebnis für tragfähig +++

Die Grünen halten die Einigung von Bund und Ländern zur Flüchtlingshilfe trotz Kritik im Detail für tragfähig. Leistungskürzungen für Ausreisepflichtige oder die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer seien zwar schwer tragbar. Es seien aber ein legaler Zugang für Menschen vom Westbalkan zum deutschen Arbeitsmarkt, eine direkte Unterstützung der Minderheiten auf dem Balkan und eine regelmäßige Überprüfung der sicheren Herkunftsländer erkämpft worden.

+++ 08.08 Uhr: Ramelow will Status als Kriegsflüchtlinge für Syrer +++

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow stellt die Notwendigkeit von Asylverfahren für Syrer infrage. Ihnen könne vielmehr einfach der Status von Kriegsflüchtlingen gegeben werden, fordert der Linken-Politiker im MDR. Damit könnten auch die zahlreichen aufgelaufenen Asylverfahren schneller abgearbeitet werden.

+++ 07:50 Uhr: Göring-Eckardt sieht "bittere Pille" in Flüchtlingskonsens +++

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt kritisiert Leistungskürzungen für ausreisepflichtige Asylbewerber. "Ich frage mich, ob das verfassungsfest ist, dass Menschen dann wirklich nur noch mit einem Dach über dem Kopf und was zu essen ausgestattet werden", betont Göring-Eckardt im Deutschlandfunk. "Das ist Schikane." Es handele sich um eine "bittere Pille" in der jüngsten Einigung zwischen Bund und Ländern. Die Politikerin lobt zugleich die dabei vom Bund in Aussicht gestellten Milliardenhilfen als "große Erleichterung".

+++ 07:31 Uhr: Schwesig begrüßt Einigung auf Hilfen +++

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) lobt die Einigung zwischen Bund und Ländern auf zentrale Schritte zur Bewältigung in der Flüchtlingskrise. "Wir haben dafür gesorgt, dass alle Kinder ein Recht auf einen Kitaplatz haben", hebt Schwesig eines der Ergebnisse in der ARD hervor. Dies sei unabhängig davon, ob es sich um ein Flüchtlingskind handele oder nicht. Auch der soziale Wohnungsbau werde gestärkt, ergänzt die SPD-Politikerin.   

+++ 05:19 Uhr: Orban reist zu Gesprächen nach Österreich +++

Der wegen seines harten Kurses in der Flüchtlingspolitik in die Kritik geratene ungarische Ministerpräsident Viktor Orban reist heute zu Gesprächen nach Österreich. In der Hauptstadt Wien wird Orban nach Angaben seiner Regierung unter anderem mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zusammenkommen. Der Sozialdemokrat hatte das Vorgehen Orbans zuletzt immer wieder scharf verurteilt.

+++ 05:06 Uhr: Faire Verteilung junger Flüchtlinge notwendig +++

Die steigende Zahl unbegleiteter Flüchtlingskinder führt viele Jugendämter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nach eigenen Schätzungen kommen in diesem Jahr bis zu 30.000 Jugendliche aus Kriegs- und Krisenregionen ohne Eltern in Deutschland an. "Was wir dringend brauchen, sind Plätze in Heimen oder Wohngruppen", mahnt die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, Birgit Zeller. Bei den jungen Flüchtlingen handele es sich überwiegend um 16- bis 18-jährige Jungen.


+++ 02:19 Uhr: De Maizière: Deutschland kämpft in Flüchtlingskrise um Kontrolle +++

In der Flüchtlingskrise gewinnt Deutschland nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière nur langsam die Kontrolle zurück. "Wir sind jetzt dabei, die Dinge wieder etwas zu ordnen", so der CDU-Politiker im ZDF. "Außer Kontrolle geraten ist es mit der Entscheidung, dass man aus Ungarn die Menschen nach Deutschland holt", äußerte er. "Das war eine so große Zahl, dass es nicht mehr geordnet ging."

+++ 00:55 Uhr: Frankreich will nicht mehr als 30.000 Flüchtlinge aufnehmen +++

30.000 - so war es mit den anderen EU-Länder vereinbart und mehr Flüchtlinge will die französische Regierung nicht aufnehmen. "Es werden nicht mehr sein", sagt Ministerpräsident Manuel Valls dem Fernsehsender France 2. "Wir können nicht alle, die vor der Diktatur in Syrien fliehen, in Europa willkommen heißen." Einwanderung müsse bewältigt und organisiert werden, so Valls. Die EU-Innenminister hatten zuletzt eine Aufteilung von 120.000 Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten beschlossen.

mad/law / Reuters / AFP / DPA