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Michael Streck: Last Call: Was macht eigentlich...David Cameron?

Der frühere britische Premier tauchte nach dem Brexit ab. Und nun langsam wieder auf. Er will Reden halten und seine Memoiren schreiben. Gerade postete er gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger ein Video, in dem er drohte: "I'll be back." Hoffentlich nicht.

Der ehemalige britische Premier David Cameron: hier beim Urlaubsbier auf einer Reise aus dem vergangenen Jahr.

Der ehemalige britische Premier David Cameron: hier beim Urlaubsbier auf einer Reise aus dem vergangenen Jahr.

Es war einmal ein britischer Premierminister, der unbedingt in die Geschichte eingehen wollte. Der das auch schaffte, allerdings ein wenig anders, als er sich das vorgestellt hatte. Erst wählte sich sein Land aus der EU qua eines Referendums, das er, David Cameron, seinem Volk überflüssigerweise zugestanden hatte. Und als die Briten raus waren aus Europa und er ausgezogen aus der heimeligen Downing Street, wurde auf der anderen Seite des großen Wassers auch noch Donald Trump Präsident und führte den Brexit als Blaupause seines Erfolges an. Wenn man das weiterdenkt, geht die Geschichte nämlich so: Ohne Cameron kein Referendum. Ohne Referendum kein Brexit. Ohne Brexit kein Trump. Ergo und nur ganz leicht überspitzt: David Cameron hat der Welt einen Psychopathen im Weißen Haus beschert. Er ist damit unangefochtener Seuchenvogel des vergangenen Jahres.

Urlaub auf Korsika mit Bauchspeck

Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass Cameron nach dem Brexit-Desaster erst einmal auf Tauchstation ging. Er hielt zum Abschied noch eine Rede vor seinem Domizil, pfiff ein Liedchen, sprach “Right”, die Tür von Number 10 ging zu. Das war es. Märchen zu Ende. Dann kam der Möbelwagen und transportierte Hab und Gut der Kleinfamilie in eine zeitweilige Bleibe im feinen Kensington.

Cameron machte hernach noch Urlaub mit Gattin Samantha auf Korsika, trug da eine sehr teure und dennoch verblüffend hässliche Badehose aus einem Designerladen und über der Badehose größere Mengen Bauchspeck.

Etwa zur Bauchspeck-Zeit, also im Sommer, traf ich den schottischen Politiker Alex Salmond, der mit Cameron das Schicksal teilt, auch eine Volksabstimmung vergeigt zu haben, das schottische Unabhängigkeitsreferendum 2014. Ansonsten teilen die Herren aber recht wenig. Salmond sagte ein paar schöne Sätze über seinen englischen Kollegen. “Seine persönliche Tragödie ist, dass er zurücktreten musste, weil er durch eigenes Verschulden die Umstände schuf, die Großbritannien wie durch ein gigantisches Missgeschick aus Europa trieb.” Kurze Pause. “Das ist eine ziemlich unglückliche Grabinschrift für einen Politiker.” Danach tranken wir Whiskey aus Plastikbechern.

Hans-Ulrich Jörges' Klartext: Trump schadet Europas Rechten


Händchen halten mit Donald Trump

Seither hat man erfreulich wenig von David Cameron gehört, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass andere nun unentwegt reden und verhandeln müssen über den Brexit. Seine Nachfolgerin Theresa May zuvorderst, die nie Nachfolgerin geworden wäre, hätte er nicht…ach ja, siehe oben. Aber nun ist sie das und fliegt durch die Weltgeschichte und trifft neue Alliierte, etwa den feinen Herrn Erdogan in der Türkei. Ein paar Tage zuvor hielt May sogar kurzzeitig Händchen mit Trump. So tief sind sie gesunken.

Und Cameron?

In dieser Woche gab es mal wieder Neuigkeiten vom früheren Premier. Erst wurde bekannt, dass er während der heißen Brexit-Phase in einem Anfall der Verzweiflung die Ablösung des “Daily Mail”-Chefredakteurs Paul Dacre gefordert hatte. In der wahnwitzigen Hoffnung, die rechtsgewirkte Zeitung würde mit einem neuen Chef pro-europäischer. Das war natürlich eine Narrenidee. Paul Dacre blieb, und die “Daily Mail” blieb die “Daily Mail”, ein ausgewiesen europafeindliches und xenophobes Drecksblatt. Stattdessen ging Cameron.

Feldzug gegen das Vergessen-Werden

Er wurde Mitglied des “Washington Speakers Bureau” und verdient stattliches Geld für Reden, in denen er der Zuhörerschaft kleine Lektionen für “turbulente, globale Zeiten” erteilt. Zumindest auf deren Webseite wird Cameron noch gefeiert. Er hat obendrein noch einen Buchvertrag unterschrieben für seine Memoiren, die im nächsten Jahr erscheinen sollen. Er will darin seine Entscheidungen erklären und warum er sie so und nicht anders traf. Macht nochmal: 800 000 Pfund.

Er ist gerade mittenmang auf einem Feldzug gegen das Vergessen-Werden. Insofern passt, dass er künftig der Wohltätigkeitsorganisation “Alzheimer’s Research UK” ehrenamtlich vorstehen wird. Deren Mitglieder, Angehörige von Demenzkranken, sind über den Polit-Promi allerdings nicht sonderlich begeistert. Sie haben ihm nämlich nicht vergessen, dass er in seinem vorherigen Job Forschungsgelder zusammengedampft hat. Kann sein, dass ihm das glatt entfallen ist.

Zurzeit jedenfalls urlaubt David Cameron in den USA und besuchte bei der Gelegenheit seinen Kumpel Arnold Schwarzenegger. Der hat gleichfalls keine besonders schöne Zeit hinter sich. Der frühere Gouverneur von Kalifornien, noch frühere Schauspieler und ganz frühere Eisenbieger übernahm ausgerechnet von Trump die Hirntoten-Show “Celebrity Apprentice”. Die Kritiken sind vernichtend und die Quoten derart bescheiden, dass der amtierende Psycho im Weißen Haus öffentlich zum Gebet für Arnie aufrief. Viel tiefer geht es nicht mehr. Oder vielleicht doch. Denn Arnie und David, die beiden Seuchenvögel, stellten noch ein kleines Video online. Cameron guckt darin Arnie über die Schulter und spricht: “I’ll be back.”

Klang wie eine Drohung, sollte aber ein Witz sein. Nur, über so was macht man keine Witze. Nicht er, nicht David Cameron, der in die Geschichte eingehen wollte. Und als Witzfigur endete, die nicht mal ordentlich Witze erzählen kann.