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M. Streck: Last Call: Knallharter Pragmatiker mit sanfter Stimme: Warum Brexit-Fan James Dyson die Insel verlässt

Der Erfinder James Dyson verdient mit Staubsaugern Milliarden. Auf dem Höhepunkt des Brexit-Chaos will er seinen Firmensitz nach Singapur verlegen. Doch wie tickt der Brexiter? stern-Korrespondent Michael Streck hat ihn vor einigen Monaten besucht.

James Dyson

James Dyson sieht die Zukunft seines Unternehmens in Asien

Getty Images

Der Dienstag war kein guter Tag für Großbritannien. Momentan gibt es ohnehin nur wenig gute Tage auf der Insel, aber der Dienstag war ein besonders mieser Tag. Während sich die Politiker in Westminster blamieren und hoffnungslos darüber streiten, welche Art von Brexit sie wollen, zogen ein paar bekannte Unternehmen die Reißleine.

Die berühmte, beinahe 200 Jahre alte Schifffahrtslinie P&O, die mit ihren Fähren den Kanal bestückt, lässt die Kähne künftig unter zypriotischer Flagge dampfen.

Sony verlagert seinen Hauptsitz von London nach Amsterdam. Der größte Aufreger war aber die Ankündigung von James Dyson, seine Firmenzentrale vom putzigen Malmesbury in den Cotswolds nach Singapur zu verlegen.

Die Briten sind stolz auf den Tüftler James Dyson

Das löste ein mittelschweres Beben aus. Dyson war einer der prominentesten Befürworter des Brexit. Er verdient sein Geld vornehmlich mit Staubsaugern und Handtrocknern und wurde darüber wahnwitzig reich. Sein Vermögen wird auf knapp zehn Milliarden Pfund geschätzt, er besitzt mehr Land als die Königin und gilt als Symbol britischen Fortschritts. Seine Landsleute sind sehr stolz auf diesen kreativen, unkonventionellen Firmenboss. Dyson will ja auch Elektro-Autos bauen. Nicht irgendwelche, sondern die besten Elektro-Autos. Darunter fängt er gar nicht an.

Nun das. Singapur.

Mit dem Brexit, sagte einer seiner Manager, habe der Umzug nichts zu tun. Die Firma verstehe sich längst als Global Player.

Das machte die Sache nicht unbedingt besser. Auf Twitter brach die übliche Hölle los. "Need a moral vacuum? Get a Dyson", schrieb einer. Vacuum cleaner ist das englische Wort für Staubsauger. Der britische Liebling wurde wahlweise Verräter oder Heuchler genannt und natürlich die berühmte Ratte, die das sinkende Schiff verlasse, und selbst klügere Kolumnisten fabulierten über den Zeitpunkt und dass das doch kein Zufall sein könne. Mag sein.

Oder auch nicht.

Dyson erschuf ein Imperium

Im März traf ich diesen Dyson einmal. Ein Fotograf und ich fuhren nach Malmesbury, wo alles begann im Jahre 1993, als Dyson noch ein kleiner, ziemlich verrückter und ziemlich armer Tüftler war. Jetzt steht da ein Imperium mit eigener Universität. Zwei sehr freundliche Presseleute führten uns zwei Tage lang über das riesige Gelände. Wir mussten eine Armbinde tragen, die uns für alle als Medienleute erkennbar machte. Bei Armbinden, die einen für alle erkennbar als nicht dazu gehörend ausweisen, habe ich als Deutscher ein komisches Gefühl. Das sagte ich auch, aber die junge Pressefrau wusste gar nicht, worauf ich hinaus wollte. Vielleicht ist das die Gnade der späten Geburt.

Wir trafen Ingenieure und Denker und Tüftler, die den Staubsauger immer neu erfinden oder den Föhn oder Trockner für Hände. Ich hatte bis dahin keine Ahnung, wie komplex Luft ist, und was man mit ihr alles anstellen kann. Von morgens bis abends erzählten uns junge Menschen vom Glück, für James Dyson zu arbeiten. Zwischendurch aßen wir in der lichten Kantine organisches Essen. Und irgendwann bat Dyson in sein Eckbüro.

Der Ingenieur flucht auf die Banker

Er trug einen blauen Pulli, eine blaue Brille und Sportschuhe. Die letzte Krawatte band er sich vor mehr als einem Jahrzehnt um den Hals, als er zur Queen musste, die ihn zum Sir erhob. Dyson sah erheblich jünger aus als 71 Jahre und sprach mit sanfter, akzentuierter Stimme. Wir plauderten und kamen auf London und die Politik und selbstredend auch auf Brexit zu sprechen. Er mag die politische Kaste nicht, noch mehr ärgern ihn allerdings die Banker in der Hauptstadt, die nichts herstellen und, wie er sagte, "nur Geld machen aus Geld und dafür von den Kunden auch noch Geld verlangen". Das war ein schöner Satz für jemanden, der ein Vermögen aus Luft macht.

Dyson, muss man wissen, ist ein Mensch, der zu seinen Irrtümern steht. Bis sein Staubsauger so funktionierte, wie er wollte, brauchte er fünf Jahre und 5127 Versuche, bei denen er sich 5126 Mal irrte.

Vor zwei Jahren sagte er, die Briten sollten einfach die EU verlassen, und die Europäer würden ihnen schon nachrennen.

Noch so ein Irrtum.

Kein verblendeter britischer Nationalist

Er konnte aber in dieser einen Stunde zumindest schlüssig erklären, wie aus ihm, einem ursprünglich durch und durch Europhilen, der einst für die Einführung des Euro auf der Insel plädierte, ein überzeugter Brexiter werden konnte. Das hing ursächlich auch mit Deutschland zusammen und dem Gefühl, dass die mächtigen Teutonen in Brüssel den Ton und die Standards setzen, politisch und wirtschaftlich. Er fühlte sich benachteiligt und klagte sogar vor Gericht. Vergebens im Übrigen. Er sagte: "Schauen Sie, Europa verliert immer mehr an Einfluss. Das ist ein Fakt. Es trägt gerade mal zwölf Prozent zum Welthandel bei, in drei Jahren wird das auf neun Prozent gesunken sein." Die Zukunft sei Asien, wo sein Unternehmen den Großteil des Gewinns erwirtschaftet.

Nach dem Gespräch gaben wir unsere Armbinden ab, mir war sogleich erheblich wohler. Und mir war obendrein klar geworden, dass Dyson keineswegs ein Ideologe oder ein verblendeter britischer Nationalist ist, sondern ziemlich genau das Gegenteil: ein knallharter Pragmatiker mit sanfter Stimme. Wenn seine Zentrale nun nach Südostasien zieht, hat das nicht so viel mit dem erschüttert stümperhaften Handling des Brexit zu tun und auch nicht mit einer Flucht vor dem Chaos. Die Politiker mochte er nie, womöglich mag er sie zur Zeit noch weniger als sonst, aber das hat er ja nicht exklusiv. Es ist vermutlich viel simpler: Er wäre ohnehin gegangen. Dyson glaubt an Asien mehr als an Europa.

Und es könnte durchaus sein, dass er sich diesmal nicht irrt.

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