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Follow Me: Kanzler, Künstler, Kampfpilotin: Von wem Flughäfen ihre Namen haben

Namen von Flughäfen sind mehr als nur Ortsbezeichnungen. Viele sind nach Persönlichkeiten benannt. Kürzlich wurde der Hamburg Airport um den Zusatz Helmut Schmidt ergänzt. Ein neuer Vorschlag für Frankfurt passt gar nicht. Ein Exkurs über Airport-Namen.

"Wir sind soeben auf dem Helmut-Kohl-International gelandet. Bitte bleiben Sie noch solange sitzen, bis wir unsere endgültige Parkposition erreicht haben." Diese Ansage ist für mich unvorstellbar. Aber kürzlich machte die Meldung die Runde, dass der größte deutsche Flughafen Frankfurt am Main nach dem kürzlich verstorbenen Ex-Bundeskanzler umbenannt werden soll.

Selbst der Ex-Chef der "Bild"-Zeitung Kai Diekmann hat sich auf Twitter dafür stark gemacht. In einem Tweet listet er die Bezeichnungen für Flughäfen in auf, die einen Politiker im Namen führen, allen voran Franz Josef Strauß für München. Nur habe ich kein einziges Mal nach der Landung in München erlebt, das die Crew bei ihrer Durchsage die Passagiere mit dem Satz "Willkommen auf dem Flughafen Franz Josef Strauß" begrüßt hat. Auch in Köln-Bonn, dem Konrad Adenauer Airport, wird im Alltag der Beiname kaum gebraucht.

Alles nur eine Schnapsidee

Die Initiative zur Umbenennung geht auf die Junge Union in Hessen zurück. "Wir würdigen damit die Verdienste des Kanzlers der Einheit und Ehrenbürger Europas Helmut Kohl", heißt es in einer Erklärung. "Helmut Kohl stand für ein Deutschland im Herzen Europas. Der Flughafen ist das Drehkreuz Europas. Damit wäre es eine würdige Erinnerung an einen großen Europäer.“

Doch passen Helmut Kohl und so wenig zusammen wie Edmund Stoiber und Nordrhein-Westfalen. "Der große Pfälzer" wurde in Ludwigshafen geboren, verstarb auch dort und war Ministerpräsident nicht von Hessen, sondern von Rheinland-Pfalz. Außerdem sprechen seine mageren Fremdsprachenkenntnisse nicht gerade dafür, einen der größten internationalen Flughäfen mit seinem Namen zu schmücken.

Dabei pflegt man mit Politikernamen für Flughäfen in anderen Ländern einen viel selbstverständlichen Umgang. Gerade in den Vereinigten Staaten. So sind die Initialen des US-Präsidenten JFK zum Synonym für den größten New Yorker Flughäfen geworden, der bis einen Monat nach seiner Ermordung 1963 noch Idlewide Airport hieß.

Nicht nur Bezeichnungen von Politikern

Selbst wenn sie noch leben, zieren Namen von Ex-Präsidenten so manchen Flughafen, wie Houston George Bush International Airport oder der kleine Bill und Hillary Clinton National Airport in Little Rock im Bundesstaat Arkansas. Aber die Amis können auch anders. Sie verwenden Namen von Musikern wie beim Louis Armstrong New Orleans International Airport oder von Komikern und Schauspielern. Geschehen beim John Wayne Airport in Santa Ana und der Bob Hope Airport in Burbank, beide bei Los Angeles gelegen.

Auch woanders haben Reisende ersten Kontakt mit einem Land im Zusammenhang mit einem Politiker, Staatengründer oder General. Ob der nach dem Anti-Apartheids-Politiker benannte Tambo International Airport in Johannesburg, der Václav Havel Airport in Prag, Ben Gurion International in Tel Aviv oder Charles de Gaulle Airport in Paris.

Wie anders wirkt der Eindruck, wenn man mit dem Namen eines Künstlers empfangen wird, wie auf dem Frederic Chopin Airport in Warschau, dem Pablo Picasso Airport in Málaga, dem John Lennon Airport in Liverpool oder Mozart Airport in Salzburg.

Wie steht es um Frauen als Namenspatronen?

Flughäfen sind eine männlich dominierte Welt. Da wären zum Beispiel noch die maskulinen Kategorien der Kriegshelden und Entdecker, wie Venice Marco Polo International oder der Chinggis Khan International Airport, wer in Ulan Bator landet, der Hauptstadt der Mongolei.

Und wie steht es um Frauen als Namensgeberinnen? Antwort: Fehlanzeige. Eine der wenigen Ausnahmen finden wir in der , auf der asiatischen Seite Istanbuls. Der besonders von Billigfliegern bevorzugte Flughafen heißt Sabiha Gökçen International Airport. Was kaum einer weiß: Es handelt sich nicht um irgendeine Dame, sondern um die erste Kampfpilotin, nicht nur der Türkei, sondern angeblich sogar weltweit. Sie flog bereits 1937 Einsätze gegen aufständige Kurden und nahm 1951 am Korea-Krieg teil.

Und bei Sabiha Gökçen (1913-2001) handelt sich um eines der acht Adoptivkinder von Kemal Atatürk, dem Gründer der Republik Türkei. Nach ihm ist der andere Flughafen auf der europäischen Seite Istanbuls benannt. Nordwestlich der Stadt entsteht zurzeit ein gigantischer neuer Airport, der noch keinen Namen hat. Ob sich dort der gegenwärtige türkische Präsident mit seinem Namen verewigen wird?

Doch zurück nach Frankfurt. Eine Anfrage des stern bei der Fraport AG, dem Betreiber des Flughafens, ergab, dass "wir lediglich aus den Medien von dem Vorschlag der Jungen Union erfahren" haben, so die Antwort. "Aktuell liegen uns keine konkreten Pläne bzw. Anfragen hierzu vor."

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass der größte Flughafen des Landes Rheinland-Pfalz im Hunsrück liegt. Der ehemalige US-Airport mit dem Kürzel HHN wird seit Jahren von Ryanair angeflogen und als Frankfurt-Hahn bezeichnet. Aber geografische Genauigkeit ist nicht jedermanns Sache. Mit einem Beinamen einer Person ist der Airport noch nicht belegt.

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Ein Gletscher auf dem Flugzeugrumpf einer Boeing 757 von Icelandair. Die Sonderbemalung mit dem Titel "Vatnajökull" fliegt gerade über den gleichnamigen Gletscher im Süden Islands.


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