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1. Bundesliga Bundesliga-Prognose - Europa League und Abstiegskampf


Sechs Spieltage sind noch zu spielen, 18 Punkte noch zu vergeben. Im ersten Teil der großen Bundesliga-Prognose blickt  sportal.de auf das Restprogramm der Europa-League-Anwärter und Abstiegskandidaten. Für eine Trainerlegende wird es düster und auch Felix Magath scheitert.

Eines gleich vorneweg: Natürlich können auch wir (offiziell) nicht in die Zukunft blicken, sonst säßen wir vermutlich nicht als Redakteure oder Praktikanten in der Redaktion, sondern mit braungebrannten Bäuchen an einem Südseestrand und würden Appletinis schlürfen. Trotzdem maßen wir uns an, über genügend Expertise und Erfahrung im schnelllebigen Tagesgeschaft Bundesliga zu verfügen, um eine fundierte und hoffentlich verlässliche Prognose für die restliche Saison anstellen zu können.

Im ersten Teil dieser Prognose beschäftigen wir uns mit dem Kampf um die Europa-League-Plätze, sowie mit dem dramatischsten und traditionsbestücktesten (Was für ein Superlativ!) Abstiegskampf seit vielen Jahren. Im zweiten Teil blicken wir dann auf die Top vier der Bundesliga und geben unseren Meistertipp ab.

Die Stärksten der Schwachen: Kampf um die Europa League

Der Kampf um die Europa-League-Plätze könnte eigentlich längst entschieden sein, doch aus verschiedensten Gründen schwächelten fast alle Anwärter auf die internationalen Plätzen zeitgleich, sodass nun auch der VfB Stuttgart und der VfL Wolfsburg, die das internationale Geschäft eigentlich schon abgeschrieben hatten, wieder dick dabei sind. Außerdem berechtigt dieses Jahr auch der siebte Platz zur Teilnahme an der Europa League, weil mit Bayern und Dortmund beide DFB-Pokalfinalisten bereits (nahezu) sicher in der Champions League antreten.

Ein Indiz für die angesprochene Schwäche der EL-Anwärter ist die Tatsache, dass Borussia Mönchengladbach nur eines der letzten sechs Spiele gewinnen konnte und auf Platz vier trotzdem noch zehn Punkte vor Hannover 96 auf Rang fünf liegt. Auch der Blick auf das Torverhältnis spricht eine deutliche Sprache: Hannover (-2), Bremen (-2) und Wolfsburg (-9) haben alle ein negatives Torverhältnis, Leverkusen ist immerhin knapp im Plus (+1), der VfB ist mit plus zehn Toren der Ausreißer der Gruppe.

Werfen wir nun einen Blick auf das Restprogramm der EL-Anwärter auf den Plätzen fünf bis neun und loten deren Chancen auf einen der drei internationalen Plätze aus.

5. Hannover 96: 41 Punkte 37:39 Tore

Restprogramm: Schalke (A), Wolfsurg (H), Hamburg (A), Freiburg (H), Leverkusen (A), Kaiserslautern (H)

Hannover hat von allen Teams die beste Ausgangslage, auch wenn der eine Punkt Vorsprung nicht die Welt ist. Mit Schalke muss Hannover aber nur noch gegen ein Team antreten, das in der Tabelle vor den Niedersachen steht. Dazu kommen drei Spiele gegen die Abstiegskandidaten aus Hamburg, Freiburg und Kaiserslautern, in die Hannover als klarer Favorit geht, sowie zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten, zu Hause gegen Wolfsburg und in Leverkusen. Ein machbares Restprogramm.

6. VfB Stuttgart: 40 Punkte 48:38 Tore

Restprogramm: Mainz (H), Augsburg (A), Bremen (H), Köln (A), Bayern (A), Wolfsburg (H)

Die Stuttgarter sind die Wundertüte der Liga, nach der schwachen Phase zu Beginn der Rückrunde, waren die Stuttgarter eigentlich schon im Abstiegskampf angekommen. Der klare Sieg gegen den HSV brachte dann aber endgültig die Wende, seitdem marschiert der VfB Richtung Europa League. Das Restprogramm könnte schwerer sein, die nächsten vier Spiele gegen Mainz, Augsburg, Bremen und Köln sollten die Stuttgarter in ihrer derzeitigen Form halbwegs schadlos überstehen. Beim Auswärtsspiel in München und am letzten Spieltag zu Hause gegen Wolfsburg schlägt dann die Stunde der Wahrheit.

7. Bayer 04 Leverkusen: 40 Punkte 39:38 Tore

Restprogramm: Hamburg (A), Kaiserslautern (H), Hertha (H), Hoffenheim (A), Hannover (H), Nürnberg (A)

Bei Bayer Leverkusen ist die alles entscheidende Frage, wie die Mannschaft auf die Entlassung von Robin Dutt reagiert. Das Restprogramm von Leverkusen ist jedenfalls das leichteste aller Europa-League-Anwärter. Drei Heimspiele, davon zwei gegen Abstiegskandidaten und Auswärtsaufgaben in Hamburg, Hoffenheim und Nürnberg dürften dem Kader von Interimstrainer Sami Hyypiä eigentlich keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Das Heimspiel am 33. Spieltag gegen Hannover wird wohl über das Schicksal der Werkself entscheiden.

8. Werder Bremen: 40 Punkte 41:43 Tore

Restprogramm: Köln (A), Gladbach (H), Stuttgart (A), Bayern (H), Wolfsburg (A), Schalke (H)

Werder Bremen hat es geschafft innerhalb weniger Wochen eine komfortable Ausgangssituation zu verschenken und sieht sich nun mit dem schwersten Restprogramm aller Bundesligisten konfrontiert. Bremen muss noch nach Stuttgart und Wolfsburg, die beide diese Saison vorallem zu Hause stark sind. Dazu kommen Heimspiele gegen die Plätze zwei bis vier der aktuellen Tabelle: Gladbach, Bayern und Schalke. Das kommende Auswärtsspiel beim 1. FC Köln ist für Bremen schon fast ein Schicksalsspiel.

9. VfL Wolfsburg: 40 Punkte 40:49 Tore

Restprogramm: Dortmund (H), Hannover (A), Augsburg (H), Mainz (A), Bremen (H), Stuttgart (A)

Wolfsburg kann am kommenden Spieltag gegen den deutschen Meister seine Heimstärke unter Beweis stellen. Daneben stehen für die derzeit glänzend aufgelegten Wölfe gleich drei direkte Duelle gegen Hannover 96, den VfB Stuttgart und Werder Bremen an. Nachteil: Wolfsburg empfängt nur Bremen zu Hause. Die beiden Spiele gegen Augsburg und Mainz sollte der VfL schon alleine aufgrund der Stärke seines Kaders gewinnen.

Wer darf denn nun nächstes Jahr in die Europa-League?

Hannover 96, VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen erreichen das internationale Geschäft. Warum? Wie es ein Redaktionskollege gerne in typischem Sky-Deutsch auszudrücken pflegt: Dafür gibts "ne Menge" Gründe. Gehen wir auch hier der Reihe nach vor: Für Hannover 96 spricht die Tatsache, dass sie diese Saison schon des öfteren gezeigt haben, wie man auch besser besetzten Mannschaften das Leben schwer machen kann, erst sieben Niederlagen stehen zu Buche. Mit Mame Diouf haben sie zudem einen derzeit glänzend aufgelegten Stürmer in ihren Reihen und nebenbei die beste Ausgangsposition aller Teams bei machbarem Restprogramm.

Für den VfB Stuttgart spricht das gute Torverhältnis im Vergleich zu den anderen Anwärtern und dass sich die Stuttgarter derzeit in glänzender Form befinden, das hat nicht zuletzt das spektakuläre 4:4 bei Borussia Dortmund bewiesen, als der VfB zwei Mal zurückkam und gegen die bis dato defensivstärkste Mannschaft der Liga vier Treffer erzielte. In den nächsten vier Spielen sehen wir Stuttgart daher als klaren Favoriten, das reicht am Ende.

Ab jetzt wird es kritisch. Bayer Leverkusen ist derzeit sehr schwer einzuschätzen. Vor dem Spiel in Barcelona hätten wir Leverkusen ganz klar als sicheren Europa-League-Teilnehmer eingestuft, möglicherweise sogar mit Ambitionen auf die Champions League. Doch dann kam das 1:7 gegen die Katalanen, der Absturz in der Liga mit vier Niederlagen in Folge und die Entlassung von Trainer Robin Dutt. Jetzt soll Sami Hypiä also die Wende schaffen. Aus unserer Sicht erfolgte der Trainerwechel gerade noch rechtzeitig und das Restprogramm für Bayer ist machbar, daher schafft es auch Leverkusen als Siebter (Der Dank geht nach Dortmund und München) noch in die Europa League.

Das bedeutet allerdings schlechte Nachrichten für Werder Bremen und den VfL Wolfsburg, die dadurch das internationale Geschäft verpassen. Zugegeben, es gibt "ne Menge" (da ist es wieder!) Gründe, die dafür sprechen, dass Wolfsburg den Sprung noch schafft: Die Qualität des Kaders, die derzeitige Form der Mannschaft, die fußballerische Wiedergeburt von Patrick Helmes oder die sensationelle Saison von Ashkan Dejagah. Alle diese Gründe können jedoch nicht aufwiegen, dass Wolfsburg die angepeilte Europa League mit einer schwachen Hinrunde verspielt hat und das Restprogramm mit vier anspruchsvollen Gegner aufwartet.

Bei Werder Bremen gestaltet sich die Sache ungleich eindeutiger. Die Bremer sind derzeit völlig außer Form und haben mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. So sehr wir die Arbeit von Thomas Schaaf schätzen, das Restprogramm ist zu schwer für diese Mannschaft.

Und nun...Trommelwirbel: Der Abstiegskampf!

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden den gedachten Strich beim FSV Mainz zu ziehen, das bedeutet alle Vereine die hinter den Mainzern (33 Punkte) liegen, befinden sich nach unserem Dafürhalten in akuter Abstiegsgefahr. Demnach wären es sieben Mannschaften, die es alle tunlichst vermeiden wollen am Ende auf den Abstiegsplätzen 17 und 18 oder dem Relegationsplatz zu stehen.

Auch hier werfen wir einen Blick auf die restlichen Spieltage und errechnen die Chancen der Kandidaten auch nächtes Jahr erstklassig - oder zumindest in der ersten Bundesliga - spielen zu dürfen.

12. 1. FC Nürnberg: 31 Punkte, 25:39 Tore

Restprogramm: Freiburg (A), Schalke (H), Kaiserslautern (A), Hamburg (H), Hoffenheim (A), Leverkusen (H)

Nürnberg galt eigentlich bereits als gesichert, steckt jedoch nach vier Niederlagen in Folge wieder mittendrin im Abstiegskampf. Das Spiel in Freiburg wird bereits einen wichtigen Fingerzeig liefern, wo es für Nürnberg noch hingeht. Die Spiele auf Schalke und in Leverkusen müssen nicht zwingend gewonnen werden, sofern man es schafft gegen die direkten Konkurrenten aus Kaiserslautern und Hamburg zu punkten.

13. SC Freiburg: 31 Punkte 37:53 Tore

Restprogramm: Nürnberg (H), Hertha (A), Hoffenheim (H), Hannover (A), Köln (H), Dortmund (A)

Freiburg befindet sich derzeit in blendender Form und gewann vier der letzten fünf Spiele. In den direkten Duellen gegen Nürnberg und Köln kann der SC den Klassenerhalt vor eigenem Publikum klar machen. Auch in Hannover sehen wir die Breisgauer in der derzeitigen Form nicht chancenlos. Am letzten Spieltag müssen die Freiburger dann noch zum aktuellen Titelträger nach Dortmund.

14. FC Augsburg: 30 Punkte 30:42 Tore

Restprogramm: Bayern (A), Stuttgart (H), Wolfsburg (A), Schalke (H), Gladbach (A), Hamburg (H)

Auch Augsburg befindet sich in toller Form und hat seit sechs Spielen nicht mehr verloren. Die restlichen Spieltage haben es für den Aufsteiger jedoch in sich: Zunächst müssen die Augsburger zu den wiedererstarkten Bayern, die anschließenden Auswärtsaufgaben sind mit Wolfsburg und Gladbach nur unwesentlich leichter. Zu Hause stehen Partien gegen Stuttgart und Schalke an, bevor der FCA am letzten Spieltag Hamburg zum Abstiegs-Endspiel empfängt.

15. Hamburger SV: 30 Punkte 32:50 Tore

Restprogramm: Leverkusen (H), Hoffenheim (A), Hannover (H), Nürnberg (A), Mainz (H), Augsburg (A)

Hamburg schöpft nach dem Zittersieg gegen Kaiserslautern wieder neue Hoffnung. Die Auswärtsspiele in Leverkusen und Hannover wird der HSV vermutlich trotzdem nicht hoch gewinnen. Für die Hamburger wird sich ihr Schicksal in den Spielen gegen Nürnberg und Augsburg entscheiden, gegen Mainz zu Hause und in Hoffenheim agiert der HSV auf Augenhöhe und könnte den Klassenerhalt vorzeitig klarmachen.

16. 1. FC Köln: 28 Punkte 35:58 Tore

Restprogramm: Bremen (H), Mainz (A), Gladbach (A), Stuttgart (H), Freiburg (A), Bayern (H)

In Köln blieb der Paukenschlag unter der Woche zunächst aus. Trainer Stale Solbakken bleibt im Amt und soll den Klassenerhalt schaffen. Die Heimspiele gegen Bremen, Stuttgart und die Bayern sind allesamt schwere Brocken für die Kölner. Beim Karnevalsduell in Mainz und dem Derby gegen Gladbach muss Köln dagegen dringend punkten, um am vorletzten Spieltag in Freiburg nicht schon mit einem Bein in Liga zwei zu stehen.

17. Hertha BSC Berlin: 26 Punkte 30:52 Tore

Restprogramm: Wolfsburg (H), Gladbach (A), Freiburg (H), Leverkusen (A), Kaiserslautern (H), Schalke (A), Hoffenheim (H)

Für Hertha sieht es nach dem unglücklichen (!) 1:4 gegen Wolfsburg und trotz der Durchhalteparolen von Michael Preetz übel aus. Mit Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen und Schalke muss die Hertha noch gegen vier Teams mit internationalen Ambitionen antreten. Will man eine Chance auf den Ligaverbleib haben, muss man die beiden Spiele zu Hause gegen Freiburg und Kaiserslautern unbedingt gewinnen.

18. 1. FC Kaiserslautern: 20 Punkte 17:39 Tore

Restprogramm: Hoffenheim (H), Leverkusen (A), Nürnberg (H), Hertha (A), Dortmund (H), Hannover (A)

Es ziehen dunkle Wolken auf über Kaiserslautern. Das Heimspiel gegen Hoffenheim ist bereits ein echtes Endspiel für den neuen Trainer Krassimir Balakov und seine Mannschaft. Gegen die defensivstarken Mannschaften aus Dortmund und Hannover wird es an den letzten beiden Spieltagen vermutlich nichts mehr zu holen geben. Entscheidend sind daher die beiden Spiele gegen Nürnberg und Hertha, sowie der Auftritt in Leverkusen. 15 - 18 Punkte werden die Lauterer aber wohl trotz allem Optimismus nicht mehr holen.

Wer muss denn nun runter in die zweite Bundesliga? Wer spielt die Relegation?

Kaiserslautern und Hertha BSC, Augsburg geht in die Relegation. Warum gerade diese Teams? Bei Kaiserslautern liegt der Fall eigentlich klar, nur ein Wunder kann die roten Teufel noch retten. Die große Hoffnung des FCK heißt Borussia Mönchengladbach. Sie wissen nicht warum? Gladbach schaffte letztes Jahr das für unmöglich Gehaltene und holte an den letzten sechs Spieltagen noch 13 Punkte. Damit kletterten die Borussen auf den Relegationsplatz und hielten letztendlich die Klasse.

Ein ähnliches Comeback wie Gladbach wird Kaiserslautern unserer Meinung nach jedoch nicht schaffen. Wunder passieren zwar immer wieder, aber eben selten zwei Mal hintereinander. Gladbach hatte außerdem zu diesem Zeitpunk nur fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und mit 38 Toren schon mehr als doppelt so viele erzielt wie der FCK diese Saison.

Auch Hertha BSC muss nach nur einem Jahr im Oberhaus schon wieder den bitteren Weg in die zweite Liga antreten. Damit bezahlt der Verein vor allem die Trennung von Markus Babbel und das völlig missglückte Kurzzeit-Engagement von Michael Skibbe (Vier Niederlagen in Folge). Selbst der griechische Fußballgott Otto Rehhagel wird es nicht mehr schaffen, die Hertha vor dem erneuten Abstieg zu retten.

Für Augsburg ist der Gang in der Relegation weder eine Überraschung, noch ein Drama. Vor der Saison von vielen als sicherer Abstiegskandidat gehandelt, verdienten sich die Augsburger mit überzeugenden Auftritten in den letzten Wochen den Respekt der Liga. Trotzdem reicht es aufgrund des sehr schweren Restprogramms am Ende nicht ganz, um sicher in der Liga zu bleiben.

Michael Stricz

Lesen Sie morgen: So sehen wir den Kampf um Meisterschaft und Champions League-Plätze.

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